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Es scheint wie eine Droge zu sein. Das zweite Mal bin ich nun auf dem alten Turm, noch auf der 30 m Plattform und es ist wieder phantastisch! Ich sehe Spinnenaffen und Sakiaffen von oben. Ein ganz neuer Blickwinkel. Doch muss ich euch sagen – ich kann es nicht erwarten endlich ganz oben zu stehen! 50 m über dem Rest der grünen Urwelt!Ich kann neue Vogelarten auf meine Artenliste setzten und den Sonnenuntergang in vollen Zügen genießen – und wieder denke ich an euch. Um dies mit euch, leider nur ansatzweise Teilen zu können gibt es wieder ein stimmungsvolles Bild.
Danach geht es eiligst zurück zur Lodge. Wir haben eine halbe Stunde Zeit für das Abendessen um anschließend wieder ins Motorboot zu steigen. Ziel ist eine Salzlecke, einige Kilometer flussaufwärts.
Wir schleichen den Pfad entlang bis wir auf einen geräumigen Hochstand treffen. Zunächst sucht sich jeder sein Plätzchen, dann gehen die Lichter aus. Die Nacht ist mondlos und die Dunkelheit um uns herum vollkommen. Nur um euch dies hier schreiben zu können, habe ich den Test gemacht und ja, ich habe sprichwörtlich meine Hand vor Augen nicht gesehen.
Nun stellt euch vor, ihr säßet in dieser, für eure Augen völligen Dimensionslosigkeit und hört rings herum Rascheln, Platschen und höchst merkwürdige Laute, die schnell die Phantasie beflügeln. Ich kann nur raten, um welches Tier es sich bei diesem und jenem Laut handelt. War es ein Frosch, ein Vogel, ein Insekt oder gar etwas ganz anderes?
Nach und nach jedoch drängt sich zwischen all diese Spannung die Müdigkeit. Mehrfach erwache ich von dem Schrecken meines fallenden Kopfes aus wenigen Sekunden Schlaf. Langsam aber sicher beginnen Hinterteil und Rücken zu schmerzen.
Oft genug bin ich der festen Überzeugung ein großes Tier zu hören – gleich werde ich also endlich einen lebenden Tapir sehen! Aber Francisco regt sich nicht, ich muss mich also irren.
Dann plötzlich steht er ohne Vorwarnung auf und leuchtet auf ein Paka! Pakas sind mit den Agutis verwandt, sind allerdings um ein gutes Stück größer. Ich Fell ist rötlich braun und trägt weiße Flecken und Streifen.
Da läuft es nun umher, kein Laut hat es angekündigt und doch Francisco hat mit absoluter Präzision genau dorthin geleuchtet, wo es vor wenigen Sekunden noch stand. Wie hat er das nur gemacht?
Schnell ist es wieder aus dem Lichtkegel und aus unserer Sichtweite entschwunden. Es ist nun schon 24:00 Uhr und wir entscheiden uns für den Rückzug, bevor wir tatsächlich erst am nächsten Morgen mitten im Wald aufwachen.
Auf dem Weg zurück kreuzt ein Mazama (Spiesshirsch) unseren Weg. Es bleibt, angeleuchtet von drei verschiedenen starken Taschenlampen, stehen. Mit Sicherheit so stark geblendet, dass es nicht weiß, wo hin. Es ist größer als unseren europäischen Rehe ??. Wenn ich Zeit haben sollte, werde ich für euch nach dem Artnamen suchen.
Die Flussfahrt zurück dauert über eine Stunde, denn wir suchen die Ufer links und rechts mit den Taschenlampen nach reflektierenden Augenpaaren ab.
Rot, groß und rund leuchtet uns der Sehapparat eines Kaimans entgegen. Hell und nur leicht gelblich sind hingegen die Augenpaare der „Night Jars“, Nachtschwalben, also nachtaktive Vögel, deren Schnabelansatz außergewöhnlich groß ist. (Name reich ich euch nach!)
Noch kleiner und weißlich sind die Augen einer Boa in einem Baum über unseren Köpfen. Ihr Kopf steigt stetig empor und ich kann nicht anders als wie so oft über die Muskelkraft einer Schlange zu staunen.
Die Eigentümer der vielen kleinen Augen, welche uns von überall entgegen leuchten, sind Spinnen. Auch an Land, nachts im Wald, glitzern sie zahllos auf dem schwarzen Waldboden. Bezaubernd schön wie der Sternenhimmel über uns, nur das manche dieser glitzernden Sterne hier unten eben tödlich sind (Phoneutria spp.).
Caro