Zusammen mit Alfredo, dem deutschsprechenden Guide und der Touristin Kelly aus London geht es wieder zum Turm. Micha, es wird jedes Mal leichter und die Vorfreude ist jedes Mal größer!
Wir haben das Glück von der 50 Meter Plattform aus, einen „Mixed-Species-Foraging-Flock“ vorbei ziehen zu sehen. Hierbei handelt es sich um eine Aggregation von insektivoren Vögeln unterschiedlicher Arten die jeweils unterschiedlichen Nischen besetzten. Dieses Phänomen scheint generell in Gebieten mit hohem Nahrungsangebot zu beobachten zu sein.
Diese Aggregationen sind hier aus unterschiedlichsten, farbenfrohen Tanager, Honeycreeper und Dacnis (Thraupidae) zusammengesetzt. Streifen diese Jagdgemeinschaften durch Territorien anderer insektivorer Vögel, schließen sich diese der Gruppe manchmal zeitweiße an.
So beobachteten wir ebenfalls ein Paar Pompadour Cotinga (Xipholena punicea), ein etwa 20 cm großer, weinroter Vogel mit weißen Flügeln. Des Weiteren sehen wir einen Gould’s Toucanet (Selenidera gouldii). Manch ein Gast verbringt Stunden, um diesen Vogel zu erblicken.
Es wird heiß dort oben, für unseren Gast zu heiß, und wir steigen hinab. Alfredo führt uns auf den Pfaden durch den Wald, hält hier und dort an, um uns auf diese und jene Pflanzen aufmerksam zu machen. Er berichtet uns von den erstaunlichen Heilkräften unterschiedlichster Lianen, Sträuchern und Bäumen. Hier hilft ein Tee aus der Rinde mancher Bäume gegen Durchfall, gegen Kopfschmerzen und phantastischer Weise wohl auch gegen Krebs. Die Blätter so manch einer Pflanze hier helfen bei Schlangenbissen oder bergen ein natürliches Anästhetikum.
http://www.uni-tuebingen.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/Uni_Tuebingen/Einrichtungen/Zentrale_Einrichtungen/Brasilien_Zentrum/Dokumente/Rainer/SWR-Heilpflanzen-Okt-2010.pdf&t=1325585478&hash=c78e11563cc39d5f1644913f52c84e4d8f9c0e0d
Ebenso spannend sind seine „Survival Tips“! Sollte man sich im Wald verlaufen, so geht man hier am besten immer Richtung Süden, denn der Amazonasregenwald in Mato Grosso wird vom Süden her abgeholzt. Wo her aber weiß man in diesem Wald, wo Süden liegt? Das Blätterdach ist sehr dicht, es ist also schwer sich anhand von Himmelskörpern zu orientieren.
Der Wald in Mato Grosso liegt südlich des Äquators, deshalb ist die Laufbahn der Sonne am Himmel nicht senkrecht, sondern leicht geneigt zur Erde hin. So scheint die Sonne auf die Nordseite eines Baumes, wodurch Wasser auf dieser Seite schneller verdunstet als auf der Südseite. Dies erklärt, warum man hier Bäume sieht, die auf der einen Seite mit Moos bewachsen sind und auf der andern Seite nicht. Folglich geht man also immer in die Richtung, in welche das Moos „zeigt“.
Sollte man hungrig werden, kann man kleine Aςai-Palmen umstoßen und deren Mark bzw. Herz essen. Sollte man auf Affen stoßen, lohnt es sich zu beobachten, was diese fressen, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese Früchte auch für uns nicht giftig sind. Ich selbst kann bestätigen, dass manche dieser Früchte wirklich gut schmecken.
Gegen den Durst hackt man mit einer Machete eine Liane durch, erst unten, dann oben. Daraufhin nimmt man dieses Stück Liane und dreht es um. Klares, trinkbares Wasser läuft heraus. Von Pflanzen gefiltertes Wasser findet man gleichfalls in den großen Bambushalmen hier. Wenn man diese schüttelt, kann man das Wasser in den einzelnen Halmkammern darin hören.
So einmalig wie dieser Wald hier ist, so einmalig sind Alfredos Witze. Wusstet ihr schon? Die Aςai-Palme hat einen so dicken Bauch am Stamm, weil sie zu viel Bier getrunken hat!
Caro
Thraupidaen im Mixed-Species-Flock
Bay-headed Tanager (Tangara gryola)
Blue-necked Tanager (Tangara cynicollis)
Swallow Tanager (Tersina viridis)
Black-faced Dacnis (Dacnis albiventris)
Blue Dacnis (Dacnis cayana)
Short-billed Honeycreeper (Cyanerpes nitidus)
