Wieder ein Mal heißt es um fünf Uhr aufstehen und um sechs Uhr losgehen. Mit Leandro und Paola bin ich auf dem Bambus-Trail auf der Suche nach den Weißwangen-Klammeraffen. Nun, ich muss euch sagen, wir haben diese Kletterkünstler wieder nicht gefunden.
Allerdings hat sich die Tour trotzdem mehr als gelohnt. Wir finden einen Mittleren Ameisenbären (Tamandua tetradactyla) hoch im Geäst. Hierbei handelt es sich, wie der Name schon verrät, um ein Tier, welches sich von Ameisen, aber auch Termiten und Bienen ernährt. Es sucht nachts, sowohl als auch tags, am Boden wie auf Bäumen nach seinen Beutetieren. Der Tamandua lebt einzelgängerisch und man findet ihn in seinen Ruhephasen schlafend im Geäst, in holen Bäumen oder in den Bauten anderer Tiere.
Keine zehn Minuten später treffen wir auf zwei kleine Affen. Ein Blick durch mein Fernglas und ich bin tatsächlich entzückt. Es handelt sich um ein Pärchen Dusky Titi Monkeys (Callicebus moloch cupreus) und begeistert stelle ich fest, dass die beiden einen weißen Streifen auf der Stirn aufweisen. Folglich handelt es sich um eine Subspezies, welche noch nicht auf der „Mammal Species List“ der Lodge steht. Ich bin vor einigen Wochen schon einmal auf einen Dusky Titi Monkey getroffen, allerdings war dieser anders gefärbt, es handelte sich hierbei um Callicebus moloch moloch, welcher für diese Region hier bekannt ist.
Die indigenen Menschen des Amazonas haben diese Affen Zogue-Zogue getauft, was wohl so viel heißt wie „sehr schön“ und ich muss sagen, genau das sind sie auch. Die Bewegungen sind ganz anders als bei den bisher erwähnten Affen, ruckartiger, fast wie bei einer Eule wird der Kopf hin und her gewogen.
Auf einmal ein Ausruf von Leandro: „Oh Paola, Zogue-Zogue“ und die Affen sind weg. Es stellt sich heraus, dass die beiden dachten, es handle sich hierbei um Kapuzineraffen. Wenigstens konnten sie noch einen Blick auf die „Sehr Schönen“ werfen!
Zu meiner absoluten Überraschung treffen wir fast am Ende des Trails wieder auf einen Mittleren Ameisenbären. Sollte es der selbige sein, muss er sich verdammt schnell fortbewegt haben. Ich denke, es kann sich nur um ein weiteres Individuum handeln.
Ich verlasse Paola und Leandro, um zurück zur Lodge zu gehen und Rapha dort zu treffen. Sie ist verzweifelt. Der Guide hat wieder einmal die Orientierung verloren und das sogar auf dem Trail! Sie hat schon gestern beschlossen, während dieser Feldarbeitsperiode nicht nach den Cuxius zu suchen, sondern mit einer Vegetationsphänologie zu beginnen. Dieses Feld von 100 x 10 m hat sie in der Nähe des Wasserlochs (Saleiro) angelegt. Jeder Baum mit einem Umfang von 10 cm und mehr in Brusthöhe wird mit einer Plakette versehen und nummeriert, der zugehörige Umfang wird notiert.
Am Nachmittag gehe ich also mit Rapha und Eseciel in den Wald, sehr zur Erleichterung Raphas. Sie hat sich leider mit dem Guide Eseciel gestritten und nun soll ich zur moralischen Unterstützung die beiden begleiten.
Allerdings läuft die Sache eher schleppend und wir schaffen gerade mal ein Feld von 10 x 25 m und ich bin mir sicher, dass einige Bäume ausgelassen wurden.
Egal, morgen ist auch noch ein Tag. Wir gehen wieder zurück. Der Guide, welcher sich leider doch offensichtlich nicht sonderlich oft im Wald bewegt haben kann, besteht darauf, vorne weg zu laufen und wir verlieren ihn aus den Augen. Letztendlich entscheidet er sich für die falsche Abzweigung, während Rapha und ich die richtige wählen. Zum Glück scheint er seinen Fehler rechtzeitig zu bemerken, und taucht nach einer Weile plötzlich hinter uns auf, etwas außer Atem.
Es ist leider klar, dass wir uns von Eseciel trennen müssen. Er hat hier bisher als Wachmann für die Insel Ariosto gearbeitet und zu dieser Insel wird er morgen wieder zurück kehren.
Caro
