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Archive for Januar 2012

Südamerikanischer Fischotter (Lontra longicaudis)

Südamerikanischer Fischotter (Lontra longicaudis)

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Heute haben wir die Phänologie fertig gestellt. 1000 m² Wald sind katalogisiert und die Bäume innerhalb mit Plaketten versehen. Nächsten Monat wird nicht nur wie angekündigt Liza Veiga aus Belém zu uns stoßen, sondern auch ein Botaniker, welcher uns helfen wird, all die markierten Bäume zu bestimmen.

Von den Affen haben wir leider nicht viel gesehen. Auch Paola hatte wenig Glück und konnte kaum Daten zusammentragen. Der Regen und Paolas Besuch im Krankenhaus haben die eigentliche Zeit im Feld erheblich gekürzt. Hinzu kommt, dass sie mehrere Tage im Wald verbracht hat, ohne die Affen zu finden. So habe ich dieses Mal nur eine einzige Faecesprobe zu analysieren.

Erfolgreich war der Playback-Versuch mit den Cuxius. Rapha konnte tatsächlich mit meinen beim letzten Mal gemachten Aufnahmen die Sakiaffen finden. Sie antworteten auf die abgespielte Vokalisation.

Nun, von Anfang an stellte sich die Frage, ob ich all unsere Probleme öffentlich machen sollte oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden, euch hiervon zu berichten, denn das ist die wahre Feldarbeit, wo doch Biologie heute gern im vollklimatisierten Labor gemacht wird. Im Feld können einem Verletzungen, schlechte Wetterkonditionen, nicht funktionierende Geräte, orientierungslose Guides und launische Untersuchungsobjekte völlig unvorhergesehen einen Strich durch die Rechnung ziehen.

Was einem bleibt, ist die gute Miene zum bösen Spiel. Glaubt mir, ohne Humor, einer guten Portion Abenteuerlust und Leidenschaft für die Sache sollte man sich auf die Arbeit im Feld gar nicht erst einlassen!

Caro

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Heute sind wir auf uns allein gestellt und ich hoffe sehr, dass alles gut gehen wird.

Rapha und ich ziehen zusammen los, das GPS mit Ersatzbatterien im Gepäck, mal sehen, ob wir das Gerät brauchen werden. Es dauert keine zehn Minuten und wir treffen auf eine große Gruppe Cuxius, trotz der dunklen Prophezeiung eines leider sehr frustrieten Eseciels, dass Rapha die Sakiaffen nie wieder sehen wird.

Zu unserem Bedauern können wir den Affen natürlich nicht folgen. Für uns geht es weiter zum „Saleiro“ (Wasserloch). Plötzlich hören wir ein ohrenbetäubendes Gebrüll. Mein Herz hat sicherlich einige Schläge ausgesetzt und mein erschrockener Blick und der Griff zu Raphas Arm sprechen für sich. Zu spät fällt mir ein, dass dies nicht das Gebrüll eines Jaguars ist. Der Verursacher dieses Lärms ist ein Brüllaffenmännchen, begleitet und unterstützt von den Weibchen in seiner Gruppe. Noch niemals habe ich dieses Gebrüll aus nächster Nähe vernommen. Es gibt Geschichten über Conquistadores, die panisch aus dem Wald Amazoniens flüchteten als sie das gewaltige Brüllen dieser Affen hörten. Nun, wenn ich nicht kurz nach diesem geistigen Aussetzer wieder zu Verstand gekommen wäre, was hätte ich wohl getan?

Es geht hinein in den Wald, plakatieren, messen und notieren. Dieses Mal jedoch mit System und es ist doch wunderlich, wie viel schneller wir zu zweit arbeiten können, ohne Eseciel. Wir unterbrechen unsere Arbeit nur für das Mittagessen an der Lodge, dann geht es wieder zurück zum Untersuchungsfeld. Wir haben bereits fast zwei Drittel geschafft und es beginnt bereits die blaue Stunde des Abends. Wir horchen immer wieder in den Wald hinein, denn keiner von uns beiden möchte etwa von einer Horde Queixadas überrascht werden.

Da auf einmal ein lautes Summen an meinem Ohr und schneller als ich reagieren kann, merke ich, dass dieses summende Etwas in meinem Ohr steckt. Erst als dieses ominöse Ding ordentlich zubeißt, werde ich unsanft der absolut grotesken Realität gewahr. Ein starker stechender Schmerz zwingt mich tatsächlich kurzerhand in die Knie. Als er aufhört, laufen wir sofort los. Rapha sendet per Funk Meldung an die Lodge, sie sollen Taschenlampe und Pinzette bereit halten.

Ich kann euch gar nicht sagen, wie unangenehm es ist, wenn man tief im Kopf immer wieder ein lautes Summen wahrnimmt und weiß, was da drin sitzt, sticht oder beißt immer mal wieder ordentlich zu.

An der Lodge angekommen habe ich einige Schwierigkeiten, den Leuten klar zu machen, leise zu sein. Bienen reagieren sehr empfindlich auf Lärm, vor allem, wenn sie in meinem Gehörgang stehen, glaube ich zumindest. Rapha holt die Tochter und den Enkelsohn von Vitoria, Renata und Tarik. Beiden bin ich wohl für den Rest meines Lebens zu Dank verpflichtet. Sie haben nicht nur die psychologische Betreuung während der Migräne übernommen, sondern die beiden sind es, welche die Idee haben, die Biene mit Alkohol zu töten.

Oh ich kann euch gar nicht sagen wie erleichtert ich bin. Allerdings, das Bienchen steckt immer noch im Ohr. Ich vermute stark, dass es sich hierbei um eine stachellose Biene handelt. Deren Angriffstaktik besteht, in Ermangelung eines Stachels, darin, in alle erreichbaren Körperöffnungen eines angenommenen Angreifers zu kriechen und zuzubeißen. Nur dort ist die Haut meist empfindlich genug, um den Biss dieser kleinen Tierchen als schmerzhaft zu empfinden. Aber das wusste ich ja schon aus der Theorie von 2010: https://brasilienexkursion.wordpress.com/2010/04/20/abschluss-churrasco-nach-7-wochen-brasilien

Nachdem jeder Mal einen Blick in mein Ohr hinein geworfen hat, um für sich selbst festzustellen, dass man das Bienchen tatsächlich fast nicht sieht, steht der Entschluss fest: Wir müssen in die Stadt fahren, ins Krankenhaus. Ich selbst kann nicht anders, als doch sehr über diese absurde Situation zu lachen.

Schnell springe ich noch unter die Dusche, um mal wieder den Wald von mir abzuwaschen. Ich unternehme einen eher halbherzigen Versuch, die Biene mit dem Duschstrahl aus meinem Ohr heraus zu waschen und hüpfe doch tatsächlich mit geneigtem Kopf auf und ab, nicht ohne mich dabei vor Lachkrämpfen schütteln zu müssen. Vielleicht fällt sie ja heraus? Jedoch es fühlt sich leider nicht so an.

Los geht es den ganzen langen Weg in die Stadt. Es ist spät abends als wir im Behandlungszimmer sitzen und Renata dem Arzt von meinem Bienenproblem berichtet. Schmunzelnd erzählt er, dass er oft eben solche Fälle behandelt. Er wirft also einen Blick in mein Ohr und kann kein Insekt sehen, allerdings ist die komplette Haut darin ordentlich zerbissen worden. Vielleicht ist meine Peinigerin ja doch bei der Dusche herausgefallen?

Renata will sich selbst überzeugen und schaut sich mein Ohr mit dem Otoskop genau an. Damit auch ich weiß, wie es in unserem Hörorgan aussieht, bietet mir der Onkel Doktor an, doch noch in sein Ohr hinein zu schauen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wird mein Ohr trotzdem ausgespült. Ich weiß, die Gefahr besteht, dass ihr mir nun nicht glauben werdet, aber heraus kam eine klitzekleine Ameise. Diese kann aber laut Doktorenmeinung nicht für die Irritation der Haut in meinem Hörgang gesorgt haben, sie ist nicht groß genug, um einen solchen Schaden anzurichten. Verrückterweise bedeutet dies also, dass ich nicht nur ein einziges Insekt in meinem Ohr hatte, sondern gleich zwei, eine Biene und zudem eine Ameise!

Nun stellt euch vor, da sitzen Renata, der Arzt und ich und allen dreien tränen die Augen vor Lachen.
Ich muss euch sagen, ich hatte niemals eine solch kuriose und amüsante Behandlung in einem Krankenhaus.

Caro

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Wieder ein Mal heißt es um fünf Uhr aufstehen und um sechs Uhr losgehen. Mit Leandro und Paola bin ich auf dem Bambus-Trail auf der Suche nach den Weißwangen-Klammeraffen. Nun, ich muss euch sagen, wir haben diese Kletterkünstler wieder nicht gefunden.

Allerdings hat sich die Tour trotzdem mehr als gelohnt. Wir finden einen Mittleren Ameisenbären (Tamandua tetradactyla) hoch im Geäst. Hierbei handelt es sich, wie der Name schon verrät, um ein Tier, welches sich von Ameisen, aber auch Termiten und Bienen ernährt. Es sucht nachts, sowohl als auch tags, am Boden wie auf Bäumen nach seinen Beutetieren. Der Tamandua lebt einzelgängerisch und man findet ihn in seinen Ruhephasen schlafend im Geäst, in holen Bäumen oder in den Bauten anderer Tiere.

Keine zehn Minuten später treffen wir auf zwei kleine Affen. Ein Blick durch mein Fernglas und ich bin tatsächlich entzückt. Es handelt sich um ein Pärchen Dusky Titi Monkeys (Callicebus moloch cupreus) und begeistert stelle ich fest, dass die beiden einen weißen Streifen auf der Stirn aufweisen. Folglich  handelt es sich um eine Subspezies, welche noch nicht auf der „Mammal Species List“ der Lodge steht. Ich bin vor einigen Wochen schon einmal auf einen Dusky Titi Monkey getroffen, allerdings war dieser anders gefärbt, es handelte sich hierbei um Callicebus moloch moloch, welcher für diese Region hier bekannt ist.

Die indigenen Menschen des Amazonas haben diese Affen Zogue-Zogue getauft, was wohl so viel heißt wie „sehr schön“ und ich muss sagen, genau das sind sie auch. Die Bewegungen sind ganz anders als bei den bisher erwähnten Affen, ruckartiger, fast wie bei einer Eule wird der Kopf hin und her gewogen.

Auf einmal ein Ausruf von Leandro: „Oh Paola, Zogue-Zogue“ und die Affen sind weg. Es stellt sich heraus, dass die beiden dachten, es handle sich hierbei um Kapuzineraffen. Wenigstens konnten sie noch einen Blick auf die „Sehr Schönen“ werfen!

Zu meiner absoluten Überraschung treffen wir fast am Ende des Trails wieder auf einen Mittleren Ameisenbären. Sollte es der selbige sein, muss er sich verdammt schnell fortbewegt haben. Ich denke, es kann sich nur um ein weiteres Individuum handeln.

Ich verlasse Paola und Leandro, um zurück zur Lodge zu gehen und Rapha dort zu treffen. Sie ist verzweifelt. Der Guide hat wieder einmal die Orientierung verloren und das sogar auf dem Trail! Sie hat schon gestern beschlossen, während dieser Feldarbeitsperiode nicht nach den Cuxius zu suchen, sondern mit einer Vegetationsphänologie zu beginnen. Dieses Feld von 100 x 10 m hat sie in der Nähe des Wasserlochs (Saleiro) angelegt. Jeder Baum mit einem Umfang von 10 cm und mehr in Brusthöhe wird mit einer Plakette versehen und nummeriert, der zugehörige Umfang wird notiert.

Am Nachmittag gehe ich also mit Rapha und Eseciel in den Wald, sehr zur Erleichterung Raphas. Sie hat sich leider mit dem Guide Eseciel gestritten und nun soll ich zur moralischen Unterstützung die beiden begleiten.

Allerdings läuft die Sache eher schleppend und wir schaffen gerade mal ein Feld von 10 x 25 m und ich bin mir sicher, dass einige Bäume ausgelassen wurden.

Egal, morgen ist auch noch ein Tag. Wir gehen wieder zurück. Der Guide, welcher sich leider doch offensichtlich nicht sonderlich oft im Wald bewegt haben kann, besteht darauf, vorne weg zu laufen und wir verlieren ihn aus den Augen. Letztendlich entscheidet er sich für die falsche Abzweigung, während Rapha und ich die richtige wählen. Zum Glück scheint er seinen Fehler rechtzeitig zu bemerken, und taucht nach einer Weile plötzlich hinter uns auf, etwas außer Atem.

Es ist leider klar, dass wir uns von Eseciel trennen müssen. Er hat hier bisher als Wachmann für die Insel Ariosto gearbeitet und zu dieser Insel wird er morgen wieder zurück kehren.

Caro

Von Paola

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Gestern sollte Paola aus Belém wieder anreisen für weitere sechs Tage Feldarbeit. Allerdings kam nicht nur Paola sondern auch Raphaela, denn die Fluggesellschaft stellt die Flüge nach Alta Floresta diesen Monat ein. Folglich hat Raphaela nun ihre letzte Chance ergriffen, um diesen Monat noch hier arbeiten zu können. Was die beiden in Zukunft unternehmen werden, um hier her zu kommen, steht in den Sternen.

Nun also gibt es drei Primatologinnen und einen Guide. Es hat den kompletten gestrigen Tag gedauert, um einen weiteren Guide aufzutreiben, Eseciel ist sein Name. Er arbeitet auf Ariostos Insel im Teles Pires für Vitoria.

Des Weiteren scheint das GPS-Gerät von Raphaela nicht so funktionieren zu wollen wie es sollte. Der Tag heute wird also spannend.

Ich gehe mit Paola und Leandro los zum Bamboo Trail, Raphaela und Eseciel gehen Richtung alter Turm. Keine zehn Minuten später finden wir die Saki-Affen und geben per Funk die Information an die andere Gruppe weiter. Die beiden sind zwischenzeitlich auf eine Gruppe Spinnen-Affen gestoßen, verkehrte Welt also!

Wir treffen uns bei den Saki-Affen auf dem Bamboo-Trail und Rapha erzählt uns, dass sie sehr nervös ist, da ihr GPS nicht zuverlässig ist und ihr Guide vielleicht auch nicht. Also tauschen ich und mein GPS die Gruppe, ohne dabei an mein Mittagessen zu denken, welches sich in Leandros Rucksack befindet.

Los geht es also hinein in den Wald, den lärmenden Cuxius hinterher. Wir beginnen mit der Datenaufnahme und die Aufgabe unseres Guides ist eigentlich, die Affengruppe im Auge zu behalten und sie nicht zu verlieren, wenn sie weiter zieht. Pustekuchen! Ohne Leandro dauert das Markieren der Futterpflanzen doppelt so lange und die Affen sind längst auf und davon.

Wir suchen erfolglos. Also versuchen wir stehen zu bleiben und zu lauschen. Eine viertel Stunde später geben wir auf, sie sind offensichtlich außer Hörweite.

Also frage ich Eseciel, da wir sowieso momentan keine Affen zu verfolgen haben, ob er mir ein Stück Liane abhacken kann, genauso wie Alfredo es mir erklärt hat. Ich drehe das Stück herum und zuerst geschieht nichts. Doch dann höre ich ein zischendes, gurgelndes Geräusch und auf einmal tropft Wasser aus dem Anschnitt der Liane heraus. Es schmeckt etwas bitter, ich habe also nicht die „Gourmet-Liane“ erwischt! (Leßt Artikel: Die Waldapotheke vom 28.12.)

Nun soll es also zurück gehen zum Trail, um weiter zu suchen. Auf einmal bleibt Eseciel stehen, läuft hier hin und dort hin, schüttelt den Kopf, und ich muss gar nicht fragen, was passiert ist. Wir sind mitten im Wald, und er hat die Orientierung verloren. Wie sehr ich doch mein GPS liebe!

Also gehe ich ohne Frage kurzerhand voran und übernehme die Führung. So kann ich unseren Weg, den wir im Wald genommen haben, auch wieder finden, denn auch wenn es für das ungeübte Auge so scheint, hier im Wald sieht nicht alles gleich aus. Manche Bäume sind eigenartig geformt oder außergewöhnlich groß, manchmal findet man kleine Vegetationsflecken, welche sich völlig vom Rest der Umgebung unterscheiden, wir allerdings finden unseren Wildschwein-Pfad wieder. Ich will nicht daran denken, ob es sonderlich vernünftig ist, auf deren Pfaden zu wandeln und als ich frische Spuren entdecke, denke ich, wenn sie erst da waren, werden sie ja wohl kaum so bald wieder kommen. Trotzdem stelle ich fest, dass ich stetig nach geeigneten Kletterbäumen Ausschau halte!

Letztendlich finde ich allerdings den Bamboo Trail wieder, obwohl der Guide weit voraus läuft und ihn eigentlich zuerst hätte sehen müssen. Wir gehen den Rest des Bamboo-Trails, jedoch ohne auf weitere Affen zu stoßen. Da unsere Batterien knapp berechnet sind und ich kein Mittagessen habe, geht es zurück zur Lodge für einen kleinen Zwischenstopp und dann weiter zum alten Turm, von welchem aus Leandro und Paola die Sakiaffen gesehen haben. Wieder geht es hinein in den Wald, abseits der Pfade, allerdings habe ich dieses Mal mein GPS im Auge, und ich übernehme das Markieren der Pfade zusammen mit Raphaela.

Wir haben Glück und stoßen erneut auf eine große Gruppe Cuxius. Weiter geht es also mit der Datenaufnahme. Allerdings dauert es keine halbe Stunde und wir haben die Affen wieder verloren. Ich glaube der Guide führt uns sogar von der Gruppe weg, denn oft genug machen diese Ruhepausen und geben in diesen keinen Laut von sich. Es ist also wahrscheinlicher wieder auf die Gruppe zu treffen, wenn wir einfach still sitzen und auf eine Vokalisation warten, aber der Guide zieht weiter. Bis wir ihn überzeugen können, endlich stehen zu bleiben, sind wir zu weit weg.

Also nehme ich wieder mal das GPS und führe uns zum nächst gelegenen Trail. Weiter geht es also, immer mit offenen Augen und Ohren. Allerdings ist es schwer heute all die Geräusche des Waldes aus dem hohen Summen der Moskitos heraus zu hören. Es ist Regenzeit und es hat in den letzten zwei Wochen fast jeden Tag ordentlich geregnet. Phantastischer Weise bedeutet dies, dass alle Stechmücken nun absolute Hochsaison haben!

Manchmal ist es schwer, nicht die Beherrschung zu verlieren, wenn man ständig etwa dreißig dieser kleinen Plagegeister um den Kopf schwirren hat!

Wir gehen zurück auf den Bamboo Trail, leise und langsam geht es Stück für Stück weiter, Eseciel ist offensichtlich schrecklich gelangweilt. Er erzählt, dass er früher als Gummi-Erntehelfer im Wald arbeitete und erklärt mir die unterschiedlichen Qualitäten, in welche der Saft kategorisiert wird.

Da ein Rascheln in den Bäumen rechts von uns, sind es etwa die Affen? Doch ich höre lautes Rascheln auch auf dem Boden und ich frage mich, ob wir nun doch auf die gefürchteten Queixadas (Weißbart-Pekaris) getroffen sind. Doch dann entdecke ich die Verursacher dieser Geräusche und ich bin entzückt! Coati (Nasenbären; Nasua nasua) sehen uns an, schnüffeln in unsere Richtung und verschwinden viel zu schnell wieder im Gebüsch.

Keine fünf Minuten später höre ich eindeutig die Flügel eines Vogels schlagen und eine merkwürdige für mich bisher unbekannte Vokalisation. Ein Blick in die richtige Richtung reichte um gerade noch rechtzeitig den endemischen „Dark-winged Trumpeter“ (Psophia viridis) sehen zu können. Dies ist ein etwa 50 cm großer Vogel mit einem rundlichen Körperbau und einem langen Hals, sein Gefieder schwärzlich.

Raphaela hat Probleme mit ihrem Knie und wir kommen kaum noch voran. Langsam aber sicher breiten sich Schmerzen in meinem Kopf aus und ich entschließe mich leider zu spät den beiden mein GPS zu überlassen und allein den Weg nach Haus zu gehen. Verrückter weiße glaube ich, dass Rapha mit ihrem Guide das Gerät dringender braucht als ich ohne. An der Lodge treffe ich auf die Klammeraffen-Gruppe. Paola wurde von einer Kriebelmücke in die Hand gestochen und ihr Finger hat bereits den doppelten Umfang angenommen, offensichtlich ist sie allergisch.

Ich nehme Ibuprofen, ein Medikament gegen Migräneanfälle, welches allerdings blutverdünnend wirkt. Man sollte im Falle einer Infektion mit Dengue-Fieber keine blutverdünnenden Mittel, wie etwa Acetylsalicylsäure einnehmen, da es bei einer solchen Erkrankung zu inneren Blutungen kommen kann. Egal, Hauptsache keinen ernsten Migräneanfall! Doch es ist zu spät.

Ich kann und will euch nicht viel davon berichten, aber es ist schrecklich, und nur wer selbst unter solchen Anfällen leidet, weiß, wovon ich spreche. Der Schmerz raubt dir den Verstand und alle Kraft bis zur Besinnungslosigkeit. Zum Glück passiert mir selbst dies nur äußerst selten.

Jedenfalls habe ich die Schmerzen überstanden, jedoch nicht ohne allen hier einen ordentlichen Schrecken einzujagen. Heute, einen Tag später, werde ich von der Köchin umarmt, von der Bardame geküsst und Jorge versucht mich zu überzeugen, mit ihm in die Stadt zu einem Arzt zu fahren. Raphaela liegt im Wohnzimmer mit einem kaputten Knie und Paola fährt mit ihrer beachtlich angeschwollenen Hand ins Krankenhaus. Jorge kann es nicht lassen, sich über unser Invaliden-Dream-Team lustig zu machen, zu Recht! Ich sag’s ja, wennschon, dennschon!

Caro

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Trockenübungen zu Affen in der Wilhelma, dem Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten.

Am Samstag vor Weihnachten trafen sich einige der Teilnehmer der Brasilienexkursion 2012 in der Wilhelma, um unter Leitung von Dr. Iris Weiche und Studierenden der Paläoanthropologie der Universität Tübingen eine Einführung in die Primatologie zu erhalten. Während Caro am Rio Cristalino den freilebenden Affen im Wald folgt, stellte uns Iris die in der Wilhelma gehaltenen Affenarten detailliert vor. Bei den aus Südamerika stammenden Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas) konnten wir einen nahen Verwandten des Goldenen Löwenäffchens (Leontopithecus rosalia) sehen, das wir ja zu Exkursonsende wie in 2011 nahe Rio de Janeiro aufsuchen werden.

Foto 1: Goldkopflöwenäffchen in der Wilhelma (Foto: RR)

Foto 1: Goldkopflöwenäffchen in der Wilhelma (Foto: RR)

Goldenes Löwenäffchen 1

Goldenes Löwenäffchen 2

Zufälliger Weise hatten die Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) in dieser Woche Nachwuchs bekommen. Es war gar nicht so leicht, das kleine Jungtier dieses kleinsten Vertreters der Eigentlichen Affen auszumachen (Kopfrumpflänge: 12 bis 15 Zentimeter, Schwanz: 17 bis 23 Zentimeter). Letztendlich gelang es aber. Kleiner ist nur noch der Koboldmaki (Kopfrumpflänge: 9 bis 16 Zentimeter, Schwanz: 13 bis 28 Zentimetern), der jedoch zu den Halbaffen gehört.

Foto 2: Zwergseidenäffchen mit Jungtier (Foto: http://www.mainpost.de/storage/pic/mpnlneu/fr/3182811_1_1919AA.jpg)

Foto 2: Zwergseidenäffchen mit Jungtier (Foto: http://www.mainpost.de/storage/pic/mpnlneu/fr/3182811_1_1919AA.jpg)

Ab dem 15. Februar können wir die erworbenen Kenntnisse dann am Rio Cristalino an der Grenze Pará/Mato Grosso unter Anleitung von Caro und Liza Veiga, die extra aus Belém vom Museu Goeldi anreist, anwenden.

RR

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Das Männchen, ein Rothand-Brüllaffe, (Alouatta belzebul)Jorge zeigte mir ein Foto von einem Brüllaffen, welches er diesseits des Rio Teles Pires geschossen hat. Das Tier hat ein außergewöhnlich rotes Fell und es stellt sich die Frage, ob es sich hierbei vielleicht gar nicht um den hier vorkommenden Rothand-Brüllaffen (Alouatta belzebul) handelt, sondern möglicherweise um den Roten Brüllaffen (Alouatta seniculus). Dessen Verbreitungsgebiet liegt allerdings laut IUCN westlich des Rio Teles Pires und des Rio Tapajós. Noch so ein ungeklärtes Rätsel.

Nachdem ich meine Pflicht getan habe und mit Kelly eine rasante Kanufahrt hin gelegt habe, nimmt mich Alfredo noch einmal mit auf den Fluss. Wir suchen eben dieses ominöse Brüllaffenweibchen. Alfredo hat mir interessanterweise gleichfalls von einer Sichtung einer außergewöhnlich roten Brüllaffendame berichtet. Wir haben Glück, ich entdecke eine Gruppe dieser lauten Primaten, und wir steigen trotz Sandalen und Flipflops aus dem Boot, den Tieren hinter her.

Das Männchen der kleinen Gruppe ist definitiv ein Rothand-Brüllaffe. Das Weibchen ist tatsächlich außergewöhnlich gefärbt. Der Rücken des Tieres ist rot und nicht wie üblich schwarz. Allerdings trägt sie gleichfalls die markant rote Färbung der hiesigen Brüllaffenart an Extremitäten- und Schwanzende. Ihr Gesicht, Thorax und Abdomen sind schwarz. Wobei handelt es sich hier also nun?
Das Schwanzende ist überraschend hell, heller als bei den Rothand-Brüllaffen. Ich kann also keines Wegs ausschließen, dass es sich hierbei nicht um eine Einwanderin handelt. Wenn ja wäre dies höchst interessant, denn sie hat Nachkommen.

Sobald Jorge wieder aus seinem Urlaub zurückkommt, werde ich mir noch einmal seine Bilder von der diskutierten Affendame ansehen, vielleicht weiß ich ja dann mehrC

Caro

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