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Archive for März 2013

Die vier Wochen sind um. Die beiden Exkursionsleiter, Dr. Rainer
Radtke (im Bild) und Dipl.-Biol. Michael Koltzenburg hatten mit der
motivierten Studentengruppe keine Probleme. Weder mussten Nutz- noch
Zierstudenten angeschoben werden wie dieser Bus auf dem Weg zum Rio
Teles Pires.

RC-RR

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Während unserer Exkursion durch Brasilien wurde man von unzähligen Eindrücken eingenommen. Andere drängten sich im wahrsten Sinne des Wortes geradezu auf. So machten viele unfreiwillig Kontakt mit Vogelspinnen. Diese machte für Vogelspinnen Begeisterte die Lokalisation um vieles einfacher, da ein menschlicher Schrei sehr gut zu hören und zu orten ist.

Vogelspinnen, Theraphosidae, gehören zu den Araneae. Diese wiederum gehören wie die Scorpiones und Amblypygi zu den Arachnida. Bislang wurden ca. 900 Vogelspinnenarten beschrieben. Diese zeichnen sich unter anderem  durch eine orthognathe Cheliceren-Stellung und eine dichte Behaarung aus.  Eine erste grobe Einteilung erfolgt anhand ihrer bevorzugten Lebensräume. So lassen sich Vogelspinnen in Boden- und Baumbewohner einteilen. Die Bodenbewohner können noch in Bombardierspinnen eingeteilt werden. Genauere Bestimmungen der Arten erfolgen anhand von morphologischen Merkmalen wie Geschlechtsteilen, im Feld lassen sie sich aber auch grob via Habitus und Fundort einteilen.

Die meisten Exemplare zeichnen sich durch ein ruhiges Gemüt aus und lassen keinerlei Zeichen erkennen, die die von vielen Menschen erwarteten Schreckensvorstellungen bestätigen. Lässt sich eine Vogelspinne doch einmal aus der Ruhe bringen, stellt sie ihre beachtlichen Cheliceren zur Schau. Im Notfall nutzt sie diese oder schleudert ihre Brennhaare dem Angreifer entgegen.
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Natürlicher Feind der Vogelspinnen ist zum Beispiel die Hymenoptere  Pepsis formosa (Pompilidae), auch bekannt als „Tarantulafalke“. Diese nutzt von ihr betäubte und eingegrabene Vogelspinnen als Nahrung für ihre Larven. Ihr Stich wird übrigens auf dem Schmidt Sting Pain Index (12) mit der Note 4,0 bewertet.

Im Normalfall verwenden Vogelspinnen ihre Cheliceren, dolchartige Mundwerkzeuge, zur Injektion von Gift in ihre Beute. Dieses ist in der Regel für Menschen nicht weiter gefährlich. Nachdem sie ihre Beute erlegt haben, wird diese meist nicht auf der Stelle verzehrt, sondern zuerst in aller Ruhe ein Art Teppich auf den Boden gewebt, um auf diesem genüsslich das Mahl zu genießen.

Zur Wahrnehmung ihrer Umwelt verwenden Vogelspinnen nicht ihre Augen, sondern ihre zahlreichen Sinneshaare (Trichobothrien). Mit diesen können  sie feinste Vibrationen wahrnehmen. Deshalb empfiehlt es sich, um eine Vogelspinne, insbesondere Jungtiere, zu finden vorsichtig aufzutreten und Erschütterungen zu vermeiden.

Vogelspinnen häuten sich in den meisten Fällen 7-8 mal bevor sie adult sind. Jungtiere werden als Nymphen oder auch als Spiderlinge bezeichnet. Nach der sog. Reifehäutung sind die Tiere geschlechtsreif. Für männliche Vogelspinnen ist dies die letzte Häutung, weibliche häuten sich jedes Jahr weiterhin. Auch leben männliche Vogelspinnen nach der letzten  Häutung nur noch ein Jahr, Weibchen hingegen noch bis zu 15 Jahre. Bei der Häutung wachsen Vogelspinnen nicht nur sondern können auch damit Extremitäten regenerieren.

Männchen besitzen an den Pedipalpen (Taster) spezielle Bulbi. Diese belädt das Männchen durch ein sogenanntes Spermanetz mit Sperma. Dann werden diese beim teils komplizierten Paarungsvorgang in die weibliche Genitalöffnung eingeführt. Dabei kann es passieren, dass ein unvorsichtiges Männchen als Zwischenmahlzeit verwendet wird. Nachdem das Weibchen seinen Kokon abgelegt hat, wacht es noch über diesen, bis die bis zu mehrere Tausend kleinen Spinnen schlüpfen.

Da wir auf unserer Exkursion unterschiedlichste Lebensräume bereisten, trafen wir auch auf unterschiedlichste Arten mit unterschiedlichen Strategien.

Ein Spinnenlebensraum der leider unberücksichtigt blieb sind Bäume. Zahlreiche Spinnen wie Avicularia sp. halten sich nur dort auf und sind in der Regel nicht auf den Boden anzutreffen. Daher konnten diese bisher leider vonuns nicht entdeckt werden.

Da eine genauere Betrachtung in der Regel nicht möglich war, wurden alle Arten unter Vorbehalt bestimmt.

– Acanthoscurria brocklehursti (Rio Cristalino)

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Eine weibliche Acanthoscurria brocklehursti, ventral.

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– Lasiodora sp. (Pantanal)

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– Grammostola actaeon (Minas Gerais)

– Grammostola sp.

 

Moritz Boley

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Der Rio Cristalino liegt nun, da wir am Ende der Exkursion angekommen
sind, schon 3 Wochen zurück. Trotzdem ist diese erste Etappe noch in
allen Köpfen präsent. Vitória da Riva Carvalho ließ Rainer Radtke
diesen Beitrag über die Problematik des Amazonasregenwalds aus der 
Financial Times zukommen.

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Bei regnerischem Wetter hatten wir heute das interessante Erlebnis, eine Gruppe der Goldenen Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia) zu beobachten.  Wir wurden von MitarbeiterInnen des Reserva Biológica de Poço das Antas durch den Wald geführt, wobei ein mit einem Halsbandsender versehenes Tier und damit die kleine Gruppe mit einer Antenne aufgespürt werden konnten.

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Die Gruppe lebt wild in diesem winzigen Fragment der Mata Atlantica, ist aber an Menschen gewöhnt und dient immer wieder zur „Vorführung“ und damit auch zur Sympathiewerbung für das erfolgreiche, aber weiterhin auf massive Unterstützung angewiesene Schutzprojekt.

Wir standen also im Regen, während zahlreiche Tiere um uns herumwuselten, zuweilen schrille Rufe ausstoßend. Dazwischen kletterten auch Abkömmlinge von ehemals ausgesetzten Büscheläffchen (Callithrix jacchus, C. penicillata), die aufgund ihrer ähnlichen Lebensweise, aber größeren Robustheit für die Löwenäffchen problematische Konkurrenten sind, durch die Bäume.

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Ein Kameramann von GLOBO TV schoss zeitgleich ein paar Szenen.

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In einem Vortrag eines Mitarbeiters der wissenschaftlichen Station wurde unter anderem auf die Bedrohungen der Art durch Fragmentierung des Lebensraums hingewiesen. In der uns vorgeführten Animation stellen die roten Flächen Siedlungen dar:

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Nach einem Gruppenfoto mit dem Team der Station überreichte Rainer auch hier ein Exemplar der Broschüre über die Fritz-Müller-Ausstellung.

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Vielleicht wird das Tier in der Mitte  ja Logo der Olympischen Spiele 2016! Unterstützung ist unter Facebook oder Twitter möglich.

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Heute, Sonntag, nachmittag sind wir in Rio de Janeiro angekommen. Es regnet heftig, die Wolken hängen tief. Bei einem ersten Regenspaziergang am Strand von Flamengo beim Hotel um die Ecke sahen wir gerade so den Zuckerhut,  Christo Redentor guckte bei der Herfahrt kurz aus den Wolken.

Morgen wollen wir die Goldenen Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia) in der Reserva Biológica Poço das Antas besuchen. Nach einem Gang durch den Botanischen Garten von Rio werden wir  übermorgen die die 20. zoologische Exkursion, die Jubiläums-Exkursion,  beenden. Ein kleiner Teil der Gruppe wird dann nach Deutschland zurückkehren. Der Rest wird noch in Brasilien bleiben, um an einem botanischen und/oder dem 11. Geoökologischen Gelände-Praktikum teilzunehmen oder  auch, um einfach noch weiter zu reisen.

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Inzwischen sind wir nach acht Stunden Busfahrt durch die hügelige, kleinlandwirtschaftliche, von heftiger Erosion gezeichnete Landschaft in Ipanema (die Stadt heißt nur so wie der Strand in Rio de Janeiro) im Osten von Minas Gerais angekommen und holen unseren nächsten Wolkenbruch ab. Manche verloren sich in der endlosen shopping-mall von Ipanema…

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Kaffeeplantagen unterwegs, im mittleren Foto mit jungen gepflanzten Mahagoni-Bäumen

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Rainer Radtke entspannt sich vor dem Hotel in Ipanema

Die Suche nach den Spinnenaffen / Muriqui (Brachytheles hypoxanthus) im RPPN Feliciano Miguel Abdala war am ersten, regnerischen Tag erfolglos. Rainer hielt einen einführenden Vortrag über den Spinnenaffen und die Beonderheiten der Fazenda, auf der die Art dank der Voraussicht des Vorbesitzers bis heute überleben konnte.

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Immerhin kamen uns die hiesige Brüllaffen-Art (Alouatta guariba, ehemals. A. fusca) und Kapuzineraffen (Cebus apella) vor die Linsen und Callithrix flaviceps vor die Ohren. Außerdem fanden wir einen Hornfrosch (Proceratophrys boiei, Leptodactylidae), den Rainer selbstverständlich artgemäß aus der Froschperspektive [sic!] fotografierte:

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Der zweite Tag hingegen war ein voller Erfolg! Neben Brüllaffen und Kapuziner-Affen konnten wir in Ruhe zwei Gruppen der Muriqui-Affen beobachten, die in den Bäumen über uns umherkletterten und reichlich Pflanzennahrung zu sich nahmen.

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Die Tiere sind individuell am Gesicht und teilweise auch an ihrer Stimme erkennbar. Eine Wissenschaftlerin aktualisiert derzeit die „Passfotos“ einer Gruppe von 126 Tieren. Unser Guide erkannte ein Weibchen wieder, das er seit 20 Jahren beobachtet!

Beim Abstieg von einem Trail stolperten wir buchstäblich über eine schöne Bothrops jararaca (vgl. Liste der Reptilien Brasiliens):

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Wie gingen einen überwachsenen Weg entlang, der von zahlreichen Netzen einer Seidenspinnen-Art (Nephila spec.) mit ihren gelblichen Spinnfäden überspannt war.

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Eine Seidenspinne mit einem erbeuteten Käfer in ihrem Netz. Größere Beutetiere wie in manchen Mitteilungen erwähnt (1,   2) konnten wir aber nicht entdecken.

Drama in der Mata Atlantica

Als wir uns gerade von der Bothrops jararaca  losgerissen hatten und 100 Meter weiter den rutschigen Lehmhang hinabliefen, entdeckten wir einen nervös herumfliegenden und Warnsignale ausstoßenden weiblichen Kolibri der Art Thalurania glaucopis. Bei näherer Betrachtung eines Baums fanden wir eine ca 1,60m lange Schlange der Art Clelia clelia, die sich einem Kolibrinest näherte. Verzweifelt versuchte das Kolibriweibchen, durch dichtes Anfliegen der Schlange diese abzulenken, währens diese allerdings immer weiter vorwärts kroch. Angelockt von den Warnrufen des Kolibriweibchens näherte sich ein weiterer Kolibri der Art Phaethornis ruber, um sich einen Überblick über die Lage und den potentiellen Feind zu verschaffen.

Erst als unser Guide Lucas die Verzweiflung des Kolibriweibchens nicht mehr mitansehen konnte und in die Situation eingriff, indem er versuchte, die ungiftige Natter vom Baum zu holen, schlängelte diese mit wild zitterndem Schwanzende in die höheren Bäume zurück. Das Kolibriweibchen stellte der Schlange noch kurze Zeit nach. Bei Begutachten des Nestes fand Lukas allerdings weder Eier noch Jungtiere. Entweder war die Schlange schon dort gewesen, um die Küken zu fressen und wartete nun auf die zurückkehrende Mutter oder das Nest war noch leer gewesen.

Die Schlange aus der Familie der Nattern (Colubridae) gehört zur Gattung der Mussuranas (Clelia spec.). Die Körperlänge kann bei adulten Tieren von 1,50m bis zu 2,40m variieren. Interessant ist auch, dass diese Art immun gegen das Gift anderer Schlangen wie den Lanzenottern (Bothrops spec.) ist. Sie ernährt sich meist von anderen Schlangen, Schleichen und Echsen. Mussuranas besitzen 10-15 proteroglyphe Zähne, mit denen sie versuchen, den Kopf anderer Schlangen zu packen und sich dann um diese winden, weshalb sie auch Pseudoboas genannt werden.

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Links die Schlange, sich dem Kolibrinest nähernd, in der Mitte das Kolibriweibchen, rechts der Kopf der züngelnden Schlange

Jonas Benner

Nach den Führungen überreichte Rainer unserem Guide Roberto ein Exemplar des Buches über die Fritz-Müller-Ausstellung.

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In den Tropen sind die meisten Böden vor allem durch den hohen Niederschlag und Temperatur und damit durch die hohe chemische Verwitterung mit Bodentiefen von bis zu 50 m tiefgründig, jedoch meist sehr nährstoffarm und dadurch unfruchtbar. Mehrere Millionen Jahren im feucht-warmen Klima haben das Ausganggestein tief verwittert und die im Boden enthaltenen Mineralien ausgewaschen. Zurück blieben die schlecht verwitterbaren Eisenoxide und Aluminiumoxide, die die für die Tropen charakteristischen orange-roten  Böden (Lateritböden) bilden. Zudem gibt es aufgrund der klimatischen Bedingungen kaum eine Streuauflage bzw. keine Humusschicht, da alles anfallende Material in kürzester Zeit in den Nährstoffkreislauf zurückgeführt wird.

Steile, riesige rote Hangflächen stechen uns immer wieder ins Auge, darauf Bagger, Kräne und Lastwagen, die dort Siedlungen entstehen lassen. Die Straße wird einspurig, da ein kleiner Hangrutsch die Gegenspur blockiert. Auch schlammige Flüsse, die wir bei der Fahrt durch den Osten von Minas Gerais gesehen haben, zeugen von hohem Bodenverlust durch Bodenerosion.

Durch das Abholzen der Hangflächen wird dem Boden der letzte mögliche Rückhalt durch die Wurzeln der Pflanzen genommen, auch die Krautschicht ist durch verbreitete Beweidung oft lückig. Verstärkend kommt dazu, dass der Boden nicht mehr genug Wasser aufnehmen kann und es können kleine, aber auch große Schlammlawinen entstehen, die in Siedlungsbereichen fatale Folgen haben können. Obwohl dieses Problem bekannt ist und schon zahlreiche Menschenleben gekostet hat, wie 2011 in Petropolis in der Nähe von Rio de Janeiro (12) , wird trotzdem weiter so gebaut. Gründe dafür sind in den schnell wachsenden Städten wohl der Platzmangel und eine eher dürftige Bauleitplanung.

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Jonas Benner

P.S.: Dieser Artikel war kaum hochgeladen, schon kam die nächste Meldung von Erdrutschen in Petropolis…

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