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Archive for the ‘Biologische Schmankerl’ Category

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Padre Palu (r), weitere Erläuterungen zum Mähnenwolf abgebend

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Da ist er wieder: der Mähnenwolf! Dieses Männchen war deutlich weniger scheu als das zuvor erschienene Weibchen.

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Nach der dritten Portion verschwindet der Mähnenwolf im Wald und bellt herüber.

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Wenn dem Mähnenwolf neben der gefüllten Schale mit Fleisch Bananen angeboten werden, schnappt er diese bevorzugt. Manche Leute wollen nicht einsehen, dass ein guter Teil der Ernährung pflanzlichen Ursprungs ist, wir konnten dies hingegen immer wieder beobachten.

Der Ruf des Essens

Durch einen Hinweis ausgelöst sprangen plötzlich alle Studierenden von ihrem Abendessen auf und rasten nach unten auf den Klosterplatz. Das Mähnenwolf-Weibchen (Chrysocyon brachyurus) war aufgetaucht, schnappte sich ein Stückchen Fleisch und verschwand wieder. Alle warteten gespannt auf dessen Rückkehr. Während der Wartezeit gab der Klosterälteste einige Informationen preis:

Anders als alle anderen „Wolfsarten“ bilden Mähnenwölfe keine Rudel. Die Tiere sind also Einzelgänger, die sich nur zur Paarungszeit zu zweit zusammenschließen. Eine Mähnenwolffamilie beansprucht eine Fläche von etwa 2.500 Hektar. Das Schutzgebiet des Klosters hat etwa eine Fläche von 12.000 Hektar, also prinzipiell genügend für etwa 5 Familien. Jedoch konnte durch Markierungsexperimente, die die Spuren der am Kloster fressenden Wölfe aufzeichneten, nur eine Familie fest ausgemacht werden. Dies liege an der stark hügeligen Landschaft und den stark verbreiteten Ausläufern der Mata Atlantica, die ein suboptimales Terrain für die Mähnenwölfe darstellt. Wenn ein Pärchen Junge bekommt, sorgen sie gut für diese. Ab einem Alter von etwa 1 Jahr kämpfen Mutter und Tochter um das Gebiet, die Gewinnerin wird bleiben und die Verliererin wird weiter ziehen. Im Alter von etwa 1,5 Jahren passiert dasselbe mit den Männchen.

Im Gebiet kommen außer den Mähnenwölfen auch sechs Individuen des Puma (Puma concolor) vor. Jaguare sind nicht als feste Art im Gebiet vermerkt, da eine Fläche von 12.000 Hektar für diesen nicht ausreicht. Jedoch werden hin und wieder Individuen beobachtet. Bei den letzten beiden Sichtungen handelte es sich um den schwarzen Jaguar (Panthera onca). Der Padre fuhr mit der Geschichte fort, dass Jaguare bevorzugt Tapire jagen. Um diese zu töten springen sie ihnen an den Hals und versuchen das Genick durchzubeißen. Der Tapir dagegen rast dann entlang seiner typischen Pfade durch das dichte Gebüsch und versucht so, den Jaguar abzuwerfen. Einen weiteren Schutz bietet das Wasser, da der Tapir im Gegensatz zum Jaguar deutlich länger die Luft anhalten kann und die Katze somit irgendwann ablassen muss (zumindest theoretisch…).

A propos Tapir

Das Fotofallen-Team war wieder aktiv und konnte mit der Fotofalle im Kräutergarten des Klosters erstmals einen Tapir (Tapirus terrestris) filmen.

Aber natürlich ging auch der Mähnenwolf in die Falle, dazu sein entfernter Verwandter, ein Crab-eating Fox (Cerdocyon thous):


Philipp G.

In der folgenden Nacht war der Kräutergarten wieder hoch attraktiv:

Sylvilagus brasiliensis

Cerdocyon thous

Beiprogramm beim Warten auf den Mähnenwolf:

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Zweimal hatten wir bereits das Glück, auf den Beobachtungstürmen auf Baumkronenhöhe das bunte Treiben der „mixed flocks“ zu beobachten. Als „mixed flocks“ werden Vogelschwärme bezeichnet, die sich aus Individuen, Paaren oder Gruppen verschiedener Arten zusammensetzen. Die zumeist kleinen und bunten Vögel schließen sich zum Schutz vor Fressfeinden und zur gemeinsamen Nahrungssuche zusammen. Findet man sich in einer solchen Vogelschar wieder, weiß man gar nicht mehr, wo man zuerst hinschauen soll vor lauter leuchtendem blau, gelb, grün und rot!

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Dacnis cayana
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Tachyphonus cristatus
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Chlorophanes spiza
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Capito dayi
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Dacnis lineata
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Tangara chilensis
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Cotinga cayana

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Dieses Jahr freuen wir uns besonders über die fast tägliche Sichtung von Sonnenrallen (Eurypyga helias, Eurypygidae). Schon sitzend eine wahre Augenweide, bleibt einem bei der Schönheit ihrer Flügelmuster im Flug fast der Atem weg. Fast jedes mal konnten Pärchen gesichtet werden, was bei den normalerweise einzelgängerischen Tieren nur zur Brutzeit vorkommt. Sie bauen ihre Nester dann in Ufernähe und beide Elternteile beteiligen sich an der Brutpflege, wobei sie ihre farbigen Flügeldecken zur Abschreckung und Bedrohung von Fressfeinden der Küken einsetzen. Ein Nest konnte dieses Jahr noch nicht gefunden werden, dafür durften wir einen der schönen Vögel auch singen hören. Sonnenrallen sind also auch noch eine Ohrenweide!

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Die Kolonien sozialer Insekten, mit tausenden oder sogar Millionen von Individuen, sind für Fremde und Eindringlinge eine lebensgefährliche Umgebung. Sofort wird der ungebetene Gast am Körpergeruch oder seinem unangebrachten Verhalten erkannt und, wenn ihm die Flucht nicht gelingt, tot gestochen, in Stücke gebissen oder mit ätzenden Wehrsubstanzen vergiftet. Dennoch, die Kolonie ist alles andere als sicher vor spezialisierten Eindringlingen. Der Ameisenforscher Edward O. Wilson (1971) beschreibt treffend die Einwanderungsproblematik sozialer Insekten: „Der Insektenstaat und seine direkte Umgebung kann als Insel betrachtet werden, die andere Organismen unaufhörlich zu besiedeln versuchen“. Tatsächlich sind hunderte, wenn nicht tausende Arten verschiedenster Taxa dazu in der Lage den Insektenstaat wie eine Kuh zu melken und auf die eine oder andere Art als Trittbrettfahrer von ihm zu profitieren.

Wanderameisen (Ecitoninae), die ihre Kolonien durch Teilung gründen und dadurch praktisch niemals sterben, sind besonders anfällig für Parasiten. Ihre Jagd- und Emigrationszüge werden regelmäßig von einer beträchtlichen Anzahl anderer Arthropodenarten, aber auch von Vögeln und sogar Schlangen begleitet. Am Kloster Caraça in Minas Gerais querte auf etwa 1300 Metern über dem Meeresspiegel eine Kolonne von Wanderameisen (Eciton vagans) unseren Wanderweg. In der Kolonne fanden sich Käfer aus drei verschiedenen Familien (Staphylinidae, Limuloidae und Histeridae), die entweder zwischen den Ameisen mit rannten oder, im Falle der Histeriden, sogar als Anhalter auf den Ameisen-Soldatinnen ritten (Aktualisierung: Dank Prof. O. Betz aus Tübingen und Alfred Newton vom Field Museum kennen wir nun auch die Gattungen der Staphys: Termitoquedius und vermutlich Aleochara, siehe Bilder). Nachdem der erste Parasit entdeckt war, fanden wir im Minutentakt neue Arten unauffälliger Mitläufer in den Reihen der Ameisen.

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Wanderameisen Soldatin (Eciton vagans) mit Milbenbefall an den Mandibeln. Die Milben (cf. Circocylliba) traten ausschließlich bei Soldatinnen mit gelber Kopfkapsel auf. Die viel häufigeren Soldatinnen mit roter Kopfkapsel waren nicht von diesen Milben befallen. Wer weiß mehr über dieses Phänomen?

Bald fiel uns (Martine, Sarah, Fabian, Meike, Micha, Anna, Hannah und mir) eine Milbenart (cf. Circocylliba) auf, die wir an den Mandibeln (Mundwerkzeugen) von Arbeiterinnen der Soldaten-Kaste fanden. Soldatinnen mit gelb verfärbtem Kopf waren ausnahmslos von den Milben befallen (15 beobachtete Individuen). Ganz im Gegensatz dazu fanden sich die „Mandibel-Milben“ an keiner einzigen der viel häufiger vorkommenden Soldatinnen mit roter Kopfkapsel.  Die Ursache für diesen eindeutigen und statistisch wasserdichten Zusammenhang zwischen Kopffarbe und Milbenbefall ist uns völlig unbekannt und wird auch in der verfügbaren Literatur nicht erwähnt. Wir bitten um Hinweise! (Felix Moll)

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Parasitischer Käfer (links, Histeridae), der zwischen den Mandibeln einiger Eciton vagans Soldatinnen zu finden war. Einige Histeriden sind dazu in der Lage ihren Ameisenwirt dazu zu bringen Futtersaft hoch zu würgen und nehmen diesen direkt vom Mund auf. Rechts im Bild haben es sich gleich zwei Käfer zwischen den Mandibeln einer Soldatin gemütlich gemacht (siehe Pfeil).

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Wanderameisen Emigrationskolonne, die von einem Käfer (Staphylinidae, Termitoquedius sp., siehe Pfeil) begleitet wird. Ecitophile (wanderameisenliebende) Staphyliniden fressen an der von den Ameisen gemachten Beute oder greifen sogar die Ameisen selbst an.

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Staphylinide (Termitoquedius sp.) zwischen Arbeiterinnen. Bei genauerem Hinsehen sind an den Beinen einiger Arbeiterinnen Milben zu erkennen, die sich von der Hämolymphe der Ameisen ernähren.

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Arbeiterin mit Milbenbefall am Bein.

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Wie ein Urzeitkrebs sieht dieser in der Ameisenkolonne mitlaufende Käfer aus der Familie der Limulodidae aus. Käfer aus dieser Familie können sich unter anderem von den Exkreten der Ameisenlarven ernähren.

(mehr …)

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Der Botanische Garten von Rio de Janeiro war einstmals der Privatgarten des Königs. Die Königspalmenallee ist ein gigantischer Zeuge dieser Zeit.

Der Garten zeigt vor allem die Vielfalt der Mata Antlântica, die den Artenreichtum des Amazonas deutlich übertrifft. Neben den Pflanzen begeisterten uns vor allem zwei Affenarten und eine für uns neue Tucan-Art.

lg, der niggo

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Caraça ist für naturhistorisch Interessierte ein außergewöhnlich ergiebiger Ort: über die letzten Jahrhunderte kamen neben dem deutschen Zoologen Spix, dem deutschen Botaniker von Martius und dem Franzosen St. Hilaire auch der brasilianische Kaiser Dom Pedro II hierher. Seit sieben Jahr führt nun auch Rainer Radtke vom Brasilien – Zentrum der Universität Tübingen Studierende der Fakultät für Biologie und der Fakultät für Geowissenschaften im Rahmen der Exkursion zu diesem Ort, um seine Lehrverantaltung abzurunden.
In diesem Jahr schaffte es RR mit Feinsinn und Gespür für wissenschaftliche Kontakte unseren Aufenthalt weiter zu bereichern. Eine Gruppe der ExkursionsteilnehmerInnen erhielt von Lucas, einem Biologen und Orchideenspezialisten aus Belo Horizonte, und Michael Koltzenburg, Abt.
Vegetationsökologie, eine spontane, aber sehr informationsreiche Führung in die Campos rupestre Region (Vegetation in den Höhenlagen von Gebirgen). Sie lernten, seltene Orchideen zu bestäuben, um ihren Bestand zu sichern und sahen Augastes scutatus, einen endemischen Kolibri.

Augastes scutatus, endemisch

Die andere Gruppe suchte mit einem lokalen Guide die Cerrado – Region auf.
Auch Herpetologen von der brasilianischen Partneruniversität Tübingens, der UFRJ, Rio de Janeiro waren gerade zu einem Forschungsaufenthalt in Caraça.

lg, der niggo

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Es ist ein bizarres Schauspiel: Vor dem Eingangsportal der Klosterkirche steht allabendlich eine Schüssel mit Fleisch und Obst. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt er: der Mähnenwolf.

Darauf haben wir stundenlang gewartet: der Mähnenwolf.

Vor zwanzig Jahren veschwanden hinter dem Kloster über Nacht regelmäßig die Küchenabfälle. Dann entdeckten die Köchinnen der Lazaristen den Mähnenwolf und verlegten diese Fütterung an einen schöneren Ort, direkt vor die Kirche und begannen, diese als Attraktion zu bewerben.
An unserem ersten Abend kam er dank einer lustigen Hochzeitsgesellschaft nicht, doch am zweiten Abend war es wie letztes Jahr: erst kam das Stinktier, dann der Mähnenwolf!
Aber am Dienstag gab es nach sieben Jahren der Exkursion hierher eine Premiere: drei Individuen an einem Abend: erst ein einjähriges Jungtier, wenig später das Elternpaar gemeinsam beim Futter! Offensichtlich gab es dieses Jahr keinen Nachwuchs, da die beiden Adulten noch mit den drei Jungtieren vom vergangenen Jahr gesichtet wurden.

Aber ein solches Schauspiel wird nicht jedem geboten, bis nach Mitternacht muss man ausharren, was auch den zähesten Studierenden nicht immer leicht fällt.


Als Notiz für kommende Generationen von ExkursionsteilnehmerInnen: der Hof vor dem Kirchenportal ist mit 2110 Kacheln bedeckt. Jede Kachel ist mit je 69 Punkten verziert.

lg, der niggo

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