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Am Tag nachdem wir Felipe besuchten, besuchten wir gemeinsam die NGO CRAX in Contagem in der Metropolregion von Belo Horizonte, Minas Gerais. Leiter der NGO ist Roberto Azeredeo.
Im Jahre 1975 begann Roberto mit 9 Individuen die Nachzucht des in freier Wildbahn fast vom Aussterben bedrohten Rotschnabelhokkos (Crax blumenbachii), was der NGO ihren Namen brachte. Der Park hat heute eine Größe von 60.000 m² und beherbergt über 2.000 Vögel.

Das Projeto Mutum

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Roberto ist das „Projeto Mutum“. Im RPPN Fazenda Macedônia wurde das Pionierprojekt 1990 durch die CENIBRA ins Leben gerufen. Die Arbeit wird durch einen wissenschaflich-technischen Kooperationsvertrag zwischen der CENIBRA und CRAX bewerkstelligt. Ziel des Projeto Mutum ist es, vom aussterben bedrohte Vogelarten wieder in ihrem natürlichen Lebensraum anzusiedeln. Es erfordert innovative Arbeit im Brasilien, aber auch im Ausland, da die alleinige Nachzucht und Auswilderung der Tiere nicht ausreicht. Auch eine Erneuerung ihres Ökosystemes ist von höchster Bedeutung. Die durch das Projekt auf der Fazenda Mazedônia wieder ausgewilderten Vögel stammen von der NGO CRAX. Den größten Erfolg verzeichnete das Projekt wohl durch die Aufrechterhaltung einer lebensfäigen Population des Rotschnabelhokkos (Crax blumenbachii).

Crax blumenbachii

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckte sich vom Norden des Staates Rio de Janeiro bis in den Süden Bahias entlang der Mata-Âtlantica, doch ging durch zunehmende Habitatzerstörung immer mehr des Lebensraumes verloren. So wäre die wildlebende Population wahrscheinlich ohne die Initiative der NGO ausgestorben.
Roberto Azeredo gilt also als Pionier der Auswilderung der Art und sagt, ohne seine positive Stimmung zu verlieren:“ Eine Brutstätte zu haben ist ein Weg, an Freunden zu verarmen“.
Außerdem inzwischen wieder ausgewildert wurden Populationen des Grausteißtinamu (Tinamus solitarius), des Gelbfußtinamu (Crypturellus noctivagus), des Kastanientinamu (Crypturellus obsoletus), dem Uru (Odontophorus capueira), dem Bronzeguan/Jacuaçú (Penelope obscura), welches wir wie jedes Jahr in Caraça sehen konnten sowie dem von Spix beschriebenen Jacutinga (Aburria jacutinga), welches am Rio Cristalino von uns beobachtet werden konnte.
Bis heute hat das Projekt insgesamt 650 Individuen der verschiedenen Arten wieder in ihren natürlichen Lebensraum zurückgeführt. Die ausgewilderten Populationen werden regelmäßig überwacht. Die Datenaufnahme konzentriert sich auf Anpassung, Verbreitung, Fortpflanzung und Prädation der Tiere, als Kontrolle der Populationsgröße.

Die Geschichte des Mitu

Doch beherbergt die NGO CRAX noch weitere Arten, beispielsweise etwa 80 Individuen des in freier Wildbahn ausgestorbenen Mitu (Mitu mitu).

Mitu mitu

Die natürliche Population des Vogels war vor allem auf Grund von Jagdaktivitäten wegen des saftigen Fleisches des Vogels stark zurück gegangen. So schrieb der deutsche Forscher Georg Marggraf im Jahr 1658 in der Historia Naturalis Brasiliae über den Vogel: „Dieser Vogel ist leicht zu zähmen; Er sitzt gerne auf hohen Plätzen, wie der Pfau und klettert gerne auf Bäume. Sein Fleisch ist sehr gut“ (Frei aus der portugiesischen Version übersetzt). Im Jahr 1979 wurden im atlantischen Regenwald von Algogas, dem natürlichen Lebensraum des Vogels, nur noch 3 Exemplare, ein Männchen und 2 Weibchen, gefunden. Die Biologen entnahmen die letzten drei Individuen ihrem Lebensraum und begannen mit der Nachzucht des Vogels mit Hilfe einer Schwesterart (Pauxi tuberosa) aus dem Amazonas-Gebiet. Ein Problem, was bei der Nachzucht auftrat ist, dass die reinen Arten morphologisch nicht mehr von den Hybriden zu unterscheiden waren, weshalb sich die Wissenschaftler der Genetik behelfen mussten.
Die Untersuchung der mitochondrialen DNA der Tiere legte die Verwandschaftsverhältnisse offen. 66 der heute 230 Individuen waren reine Mitu mitu, die anderen hybridisiert. Laut Biologe Roberto Francisco der Universität von São Carlos liegt die Fehlerquote der genetischen Untersuchung bei nur 2%. Momentan besitzt Roberto Azeredo, Leiter der NGO CRAX, 18 junge Paare des reinen Mitu mitu und damit etwa 90% der Jungpopulation der Art. Die verbleibenden 10% befinden sich auf einer Station in Pocos de Caldas.
Roberto sagt, er könne Stunden damit verbringen zu beobachten, wie die Partnerwahl bei der Art von Statten geht. Durch seine Jahrelange erfahrung erkennt er schnell, wenn Weibchen und Männchen nicht zueinander passen und kann dann die Fortpflanzungspartner variieren, um den bestmöglichen Bruterfolg zu erzielen, auch wenn dadurch hin und wieder eine Hybridisierung in Kauf genommen wird. Ziel ist es in naher Zukunft diese Art in einem RPPN mit einer größe von etwa 900 Hektar wieder in ihrem natürlichen Lebensraum auswildern zu können.

Weitere Informationen hier.

Über den mächtigsten Raubvogel der Erde

Einen weiteren großen Erfolg verzeichnet CRAX seit 1992 mit der erfolgreichen Nachzucht der Harpyie (Harpia harpyja), was zuvor in Gefangenschaft auf dem amerikanischen Kontinent noch niemandem gelang. Das erste Harpyien-Junge erblickte bereits 84 Tage nachdem ein Elternpaar an der Station ankam das Licht der Welt. Inzwischen wurden auf der Station im laufe der Zeit 10 Jungtiere geboren.

Der einst in weiten Teilen des Landes verbreitete Greifvogel ist heutzutage fast ausschließlich in den Amazonasregenwald zurückgedrängt worden. Dies ist vor allem auf die massive Abholzung des atlantischen Regenwaldes zurückzuführen. Störungen des Ökosystems setzen sich über die gesamte trophische Kaskade hinfort weg und verstärken sich auf dem Weg zum Top-Prädator immer weiter. Inzwischen besitzt Roberto auch eine Harpyie aus Deutschland. Diese wurde zu ihm auf die Station gebracht, da sie nur noch durch ihren Mund atmete. Es stellte sich nach Untersuchungen heraus, dass stachellose Bienen ein wichtiger Partner für Harpyien sind. Diese fressen Schleimhautreste aus den Nasenlöchern der Harpyien und gewährleisten somit das ordnungsgemäße Atmen. Inzwischen kann auch die Harpyie aus Deutschland wieder problemlos durch ihre Nase atmen.

Ziel ist es auch hierbei, Pionier in der Auswilderung der Art in der Mata-Atlântica zu sein, weshalb ein großes Bestreben zu neuen Partnerschaften besteht, um dies so bald wie möglich zu gewährleisten. Die Station beherbergt noch unzählige weitere Vogelarten, darunter auch ein Pärchen Lear-Aras.

Anodorhynchus leari

Weitere Informationen hier.

V. l. n. r.: Philipp, Roberto, Lucas, im Hintergurnd 2 Harpyien.

Vielen Dank Roberto
Muito obrigado Roberto

Philipp. G

Am ersten Wochenede meines Praktikums wurden wir von Felipe Coutinho Batista Esteves zu einem technical visit seiner Institution „Mantenedor Bem Viver“ eingeladen. Lucas hatte ihn über Facebook kennen gelernt, mit dem Hintergrund Pflanzen tauschen zu können und so gegenseitig die Sammlungen erweitern zu können. Im Jahr 2010 gründete Felipe im Stadtbezirk Betim, Minas Gerais, die Wildtierstation, die von der IBAMA reguliert und in Kategorie 20.12 registriert ist. Ziel ist es die einheimische Fauna zu schützen und überlebensfähige Populationen aufrecht zu erhalten. Auf der Station leben momentan etwa 120 wilde Vögel und Säugetiere, darunter ein Crab eating fox (Cerdocyon thous), 2 Pumas (Puma concolor), ein Jaguar (Panthera onca),
3 Brüllaffen, ein Opossum und Ocelots (Leopardus pardalis), welche nicht in ihr natürliches Habitat zurückkehren können.

Amazona aestiva

Hyazinth-Ara Anodorhynchus hyacinthicus

Panthera onca

Panthera onca

Puma concolor

Cerdocyon thous

Didelphis albiventris

Diese Tiere litten unter schlechter medizinischer Behandlung, Verletzungen aus dem Straßenverkehr oder illegalem Handel. Mit großem Einsatz wird die Institution permanent renoviert. Alle entstehenden Kosten werden vom Gründer selbst übernommen. Es ist gut vorstellbar, dass es mit enormen Kosten verbunden ist für alle Tiere eine gewisse Lebensqualität aufrecht zu erhalten, weshalb die Institution stets nach neuen Partnern sucht, sodass das Projekt erfolgreich fortgeführt werden kann. An beiden folgenden technical visits wurden wir stets von Felipe begleitet.

Vielen Dank Felipe
Muito obrigado Felipe

Philipp G.

Während sich die Exkursionsgruppe von Rio de Janeiro aus auf den Weg machte, das geoökologische Praktikum anzutreten, verließ ich, zusammen mit Lucas, welcher uns seit dem Pantanal begleitete, die Gruppe und begann mein vierwöchiges Praktikum in Diamantina.
Ziel des Praktikums war es, die ökologische Relevanz der Palmengattung Syagrus für Wirbeltiere im Campo Rupestre-Ökosystem in der Umgebung von Diamantina zu zeigen. Hierfür wurden die 4 dort vorkommenden Arten der Palmen-Gattung Syagrus (S. romanzoffiana, S. glaucescens, S. pleioclada, S. flexuosa) sowie zwei natürliche Hybride (S. x serroana & S. x andrequiceana),
die von Lucas und Kelen, welcher uns zeitweise in Minas Gerais ebenfalls begleitete, beschrieben wurden, mit Kamerafallen und Lebendfallen des Typs Tomahawk überwacht. Es wurde vor allem Wert darauf gelegt, welche Arten sich von den Früchten oder Samen der Palmarten ernähren, also die Pflanzen entweder lediglich als Nahrungsquelle nutzen, bei der Verbreitung der Samen eine wichtige Rolle spielen oder aber eben diese durch Fressen der Samen verhindern.

Syagrus romanzoffiana (Cham.) Glassman

 

Syagrus glaucescens Glaziou ex. Becc.

 

Syagrus pleioclada Burret

 

Syagrus flexuosa (Mart.) Becc.

Gefressene Früchte von S. glaucescens

Geknackte Samen der 4 Pflanzenarten

An je 10 Standorten pro Woche wurden 4 Lebendfallen installiert, die jeden Vormittag überprüft wurden. Alle Lebendfallen fingen stehts lediglich eine Nagetierart: Trichomys aperioides.

Trichomys aperioides

Jeweils 2 Fotofallen wurden auf eine Palme gerichtet, eine Fotofalle dabei auf den reifen Fruchtstand zeigend und eine weitere auf den Boden gerichtet, um die Aktivität an den gefallenen Früchten zu zeigen. Im Gegensatz zu den Lebendfallen war die zoologische Vielfalt der Arten auf den Fotofallen größer. Zum momentanen Zeitpunkt ist die Auswertung aller Kamerafallen-Daten noch nicht gänzlich abgeschlossen, weitere Tierarten sind also möglich.

Cyanocorax cyanopogon Wied

Cyanocorax cyanopogon Wied

Turdus albicollis Vieillot

Turdus rufiventris Vieillot

Didelphis albiventris Lund

Trichomys aperioides

Sylvilagus brasiliensis

Während meiner vier Wochen aufenthalt gab es natürlich botanisch und zoologisch noch weiteres interessantes:

Vellozia glabra J. C. Mikan

Vellozia variabilis Mart.

Barbacenia flava Mart. ex. Schult. & Schult. f.

Cinnamon tanager Schistochlamys ruficapillus

Lasiodora klugi

Polychrus acutirostris Spix

Polychrus acutirostis Spix auf Stryphnodendron adstringens Mart.

Philipp G.

Zum 200. Jubiläum der Brasilien-Reise von Spix und Martius erschien bei Topicos ein Bericht über die Expedition, in der auch die Brasilien-Exkursion erwähnt ist.

Hier ist auch ein aktueller Film zu dem Thema zu sehen.

Vor 200 Jahren wurde der damals noch junge Botaniker Martius zusammen mit dem Zoologen Spix auf eine Expedition in das noch recht unbekannte Brasilien geschickt. Bis an den Rand der Erschöpfung kamen sie den umfangreichen Sammelaufträgen des Bayrischen Königs und der Akademie während einer dreijährigen Reise durch unbekannte Naturlandschaften nach. Das Aufarbeiten der Pflanzenschätze, die Martius mit nach Hause brachte, bestimmte sein weiteres Leben.
Bei einem Rundgang und Vortrag am Sonntag, den 9. April 2017, 14 Uhr im Foyer der Gewächshäuser des Botanischen Gartens der Universität Tübingen schildert Brigitte Fiebig, Technische Leiterin, den Verlauf der Expedition, die politischen Umstände und die wissenschaftliche Leistung des Botanikers.

Während des Aufenthaltes in  der Forschungsstation des Araukarienwald-Schutzgebietes Pró-Mata wurden verschiedene Untersuchungen in Gelände und Labor durchgeführt. Wir werden sie hier nach und nach vorstellen.

Araukarien-Pflanzungen im Radtke-Hain

Es wurden wieder zahlreiche Jungpflanzen von Araucaria angustifolia gesetzt.

Cavia magna lebt am Teich neben der Forschungsstation.

Laborarbeiten

Winkelmessungen an Wassertropfen auf Orchideen und Tillandsien

Gunnera

Gunnera spec. gehört zur Pflanzenfamilie der Gunneraceae mit ca. 50 Arten der Gattung. Die gefundene Art ist uns nicht bekannt, sie soll aber nur in den Anden und hier vorkommen. Sie lebt in Symbiose mit Nostoc (bereits 2014 in diesem Geländepraktikum untersucht). Die Fotos zeigen Blätter im Gelände und die Schritte der mikroskopischen Untersuchung.

Nebeltag

Wanderung 4.4.2017

 

Auf dem Weg zum Wasserfall

Baccharis trimera, Asteraceae

Nicht weit entfernt von unserer Unterkunft gelangen wir in einen kleinen die Caatinga begleitenden Wald. Dort führen wir erneut eine Vegetationsaufnahme durch und untersuchen den Boden mit Schaufel und Feuchtigkeitsmessgerät. Bereits im Wald fallen uns interessante Konglomerate bei kleinen Aufschlüssen auf.

Wir treten aus dem Wald und sind fasziniert von der riesigen Konglomeratsfläche, die sich vor uns auftut. Wir vermessen den Einfallswinkel der Schichten, deren Sandsteinmatrix größtenteils mit Blöcken von Sandsteinen, aber auch von quarzhaltigen magmatischen Gesteinsbrocken durchsetzt ist. Die Konglomeratsfläche ist Teil der „Tambador Range“ und damit älter als 1 Milliarde Jahre.

Auf unserem weiteren Weg fängt Rainer eine Holzbiene, Gattung Xylocopa. Sie ist eine der größten rezenten Bienenarten und baut ihre Behausungen selbst, anders als die meisten Bienen. Dazu nagt sie mit ihren Mandibeln einen oder auch mehrere parallele Gänge in das Holz.


Ein Stück weiter gelangen wir zwischen und unter große, aufeinander aufliegende Felsblöcke. Der Sandstein ist sehr farbenreich und kann mit dem Finger abgekratzt werden. Ein brasilianischer Student, Vinicius Menezes, zeigt uns die 11 Farben, die man hier finden kann. Künstler aus der Stadt füllen den Sand in kleine Fläschchen, sodass winzige Gemälde darin entstehen.

Auf unserem Weg haben wir wieder einige Wasserproben genommen und am Abend ausgewertet. Die Ergebnisse sammeln wir über das ganze Praktikum hinweg.