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Zum 200. Jubiläum der Brasilien-Reise von Spix und Martius erschien bei Topicos ein Bericht über die Expedition, in der auch die Brasilien-Exkursion erwähnt ist.

Hier ist auch ein aktueller Film zu dem Thema zu sehen.

Vor 200 Jahren wurde der damals noch junge Botaniker Martius zusammen mit dem Zoologen Spix auf eine Expedition in das noch recht unbekannte Brasilien geschickt. Bis an den Rand der Erschöpfung kamen sie den umfangreichen Sammelaufträgen des Bayrischen Königs und der Akademie während einer dreijährigen Reise durch unbekannte Naturlandschaften nach. Das Aufarbeiten der Pflanzenschätze, die Martius mit nach Hause brachte, bestimmte sein weiteres Leben.
Bei einem Rundgang und Vortrag am Sonntag, den 9. April 2017, 14 Uhr im Foyer der Gewächshäuser des Botanischen Gartens der Universität Tübingen schildert Brigitte Fiebig, Technische Leiterin, den Verlauf der Expedition, die politischen Umstände und die wissenschaftliche Leistung des Botanikers.

Während des Aufenthaltes in  der Forschungsstation des Araukarienwald-Schutzgebietes Pró-Mata wurden verschiedene Untersuchungen in Gelände und Labor durchgeführt. Wir werden sie hier nach und nach vorstellen.

Araukarien-Pflanzungen im Radtke-Hain

Es wurden wieder zahlreiche Jungpflanzen von Araucaria angustifolia gesetzt.

Cavia magna lebt am Teich neben der Forschungsstation.

Laborarbeiten

Winkelmessungen an Wassertropfen auf Orchideen und Tillandsien

Gunnera

Gunnera spec. gehört zur Pflanzenfamilie der Gunneraceae mit ca. 50 Arten der Gattung. Die gefundene Art ist uns nicht bekannt, sie soll aber nur in den Anden und hier vorkommen. Sie lebt in Symbiose mit Nostoc (bereits 2014 in diesem Geländepraktikum untersucht). Die Fotos zeigen Blätter im Gelände und die Schritte der mikroskopischen Untersuchung.

Nebeltag

Wanderung 4.4.2017

 

Auf dem Weg zum Wasserfall

Baccharis trimera, Asteraceae

Nicht weit entfernt von unserer Unterkunft gelangen wir in einen kleinen die Caatinga begleitenden Wald. Dort führen wir erneut eine Vegetationsaufnahme durch und untersuchen den Boden mit Schaufel und Feuchtigkeitsmessgerät. Bereits im Wald fallen uns interessante Konglomerate bei kleinen Aufschlüssen auf.

Wir treten aus dem Wald und sind fasziniert von der riesigen Konglomeratsfläche, die sich vor uns auftut. Wir vermessen den Einfallswinkel der Schichten, deren Sandsteinmatrix größtenteils mit Blöcken von Sandsteinen, aber auch von quarzhaltigen magmatischen Gesteinsbrocken durchsetzt ist. Die Konglomeratsfläche ist Teil der „Tambador Range“ und damit älter als 1 Milliarde Jahre.

Auf unserem weiteren Weg fängt Rainer eine Holzbiene, Gattung Xylocopa. Sie ist eine der größten rezenten Bienenarten und baut ihre Behausungen selbst, anders als die meisten Bienen. Dazu nagt sie mit ihren Mandibeln einen oder auch mehrere parallele Gänge in das Holz.


Ein Stück weiter gelangen wir zwischen und unter große, aufeinander aufliegende Felsblöcke. Der Sandstein ist sehr farbenreich und kann mit dem Finger abgekratzt werden. Ein brasilianischer Student, Vinicius Menezes, zeigt uns die 11 Farben, die man hier finden kann. Künstler aus der Stadt füllen den Sand in kleine Fläschchen, sodass winzige Gemälde darin entstehen.

Auf unserem Weg haben wir wieder einige Wasserproben genommen und am Abend ausgewertet. Die Ergebnisse sammeln wir über das ganze Praktikum hinweg.

Die zweite Lehrveranstaltung, das Geoökologische Gelände-Praktikum, begann nach dem Ende unserer Brasilien-Exkursion am 19.03 mit der Fahrt nach Ilhéus. Von dort aus brachen wir am folgenden Tag mit sieben weiteren, brasilianischen Studierenden nach Lençois auf.

Vorbei an Mangrovenwäldern, dann Farmland mit Zuckerrohr, später Kakteen und kleinflächigen Weinanbaugebieten, nähern wir uns der Caatinga. Die Caatinga ist eine Landschaft des Sertão, eines Trockengebiets im Nordosten von Brasilien. Es stammt von einem indianischen Wort und bedeutet so viel, wie weißer (tinga) Wald (kaa). Mit etwa 700.000 km² ist die Region ungefähr doppelt so groß wie Deutschland. Das Klima ist semiarid und es gibt zwei Jahreszeiten. Die Trockenzeit im Winter, in der es kaum Laub und Unterholz gibt. Die Dürre endet mit dem Jahr und die Regenzeit (etwa Februar bis Mai) beginnt. Nun werden die ausgetrockneten Flüsse wieder mit Wasser gefüllt und die Blätter der Pflanzen sprießen. Die Temperatur beträgt im Jahresdurchschnitt 23.8 °C und kann in einigen Regionen sogar bis zu 40 °C erreichen. 50% der Caatinga erhalten nur einen Niederschlag von weniger als 700 mm Niederschlag im Jahr. Die Bäume und Büsche werden nur etwa 4 m hoch, nur vereinzelt gibt es Baume, die 30 m hoch und 3m dick werden können. Vier Pflanzenfamilien dominieren das Landschaftsbild: Cactaceae, Bromeliaceae, Euphorbiaceae und Leguminosae.

Die Caatinga ist die Trockenregion mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Erde und hat mit der Desertifikation zu kämpfen. Wälder werden zum Heizen und für Baumaterial abgeholzt. Teils fruchtbarer Boden wird kultiviert, aber mit salzigem Wasser aus dem Rio São Francisco bewässert.  Dieser 2.700 km lange Hauptfluss fließt von der Cerrado-Region in den Atlantik. In ihm gibt es 116 Fischarten, von denen die Hälfte endemisch ist. Es gibt weitere Pläne zur Bewässerung des umliegenden Landes. Jedoch droht die Gefahr der Versalzung und der Verlust der Herpetofauna, für die die umliegenden Dünen ein wichtiges Habitat darstellen.

Ziel unseres ersten Demonstrationen im Freiland ist Pratinha in Iraquara. Hier nutzen die meisten Studierenden die Möglichkeit, in einer Grotte schnorcheln zu gehen. Dabei entdecken sie verschiedene Fischarten, wie z.B. Saugerfische, aber auch kleine durchsichtige Garnelen, Schildkröten und Fledermäuse. Am selben Ort besuchten wir eine weitere Grotte mit Tropfsteinen.

 

Im Anschluss fuhren wir zum „Morro do Pai Inácio“. Einem Tafelberg von 1120 m Höhe, wobei die letzten 300 Höhenmeter zu Fuß erklommen wurden. Hier konnten wir beim das Panorama der Chapada Diamantina, einem Nationalpark im Mittelgebirge des brasilianischen Bundesstaates Bahia mit einer Fläche von 38.000 km², genießen. Zu unserer Freude wurden erneut auch Bergmeerschweinchen gesichtet.

Cachoeira da Fumaça, 22.03.17
Diesen Tag nutzen wir, um den „Trilha vale do capão“ zu laufen. Dieser 6 km lange Pfad führt uns über 350 Höhenmeter nach einer etwa zweistündigen Wanderung zum „Cachoeira da Fumaça“. Obwohl wir uns in der Regenzeit befinden, hat es seit Monaten nicht mehr geregnet. Das Ergebnis sehen wir den Pflanzen, Flüssen und auch dem Wasserfall an. Anstelle eines starken Wasserfalls kann man von unserer Aussicht nur einen feinen Strahl aus Wassertropfen erkennen. Aber eben dieser Anblick war unheimlich faszinierend, da die Tropfen von Wind teils waagerecht, teils senkrecht nach oben geweht wurden.

Cachoeira de fumaça 

Während unseres Aufenthaltes hielt Mario, ein Student unserer Gruppe, einen Vortrag über die Geologie Brasiliens. Seine selbstgemalten Bilder waren sehr aufschlussreich und informativ.

Lena Wesenberg

Kaum waren die 3 freien Tage in Rio de Janeiro nach dem Ende der zoologischen Exkursion zu Ende, ging es auf nach Ilhéus, Bahia. Dort trafen wir auf Martin Ebner, der wie immer als zweiter Leiter dabei ist. Ilhéus war übrigens auch Station von Spix und Martius, ebenso wie Lençois, das wir am frühen Abend des darauffolgenden Tags erreichten. Das Kolonialstädtchen war auch 1989 bei der ersten zoologischen Exkursion Ziel gewesen.

Die UESC, die Landes-Universität von Bahia, stellte uns erneut den
einwöchigen Transport mit einem Uni-Bus. Dafür vielen Dank.
Begleitet
wurden wir zudem von 7 Studierenden der Biologie der UESC, manche
waren bereits das 3. Mal dabei. Hauptpunkte der Demonstrationen im
Feld waren die Caatinga und die Geologie der Region.

Spektakuläre Einsichten bekamen wir in der gesamten Chapada Diamantina.

Erneut suchten wir das Gebiet der Reserva Michelin auf, wo die Firma über Kautschuk und Kakao forscht. Der Projektleiter Kevin Flescher begleitete uns einen gesamten Tag und ließ uns bergauf, bergab durch Primärwald und die verschiedensten Stadien von Sekundärwald steigen.

Ein Highlight war, dass wir einen Buschmeister (Lachesis muta) zu Gesicht bekamen.

Zum Abschluss ging es um 05:15 zum Rotalgenriff bei Praia Grande nahe Camamu. Dieses Mal hatten wir mehr Glück mit dem Wetter und was das Schnorcheln anging. Es gab viele verschiedene Fischarten zu sehen, was wohl auch daran liegt, dass es wohl reichlich Nährstoffe gibt. Vor zwei Jahren gab es auf dem Riff wohl nur etwa 2% Braunalgen, in diesem Jahr etwa 30% Braunalgen. Ein Wandel, der nachdenklich macht.

Danach ging es zurück nach Ilhéus, von dort nach Porto Alegre. Bei der Partneruniversität hielt Rainer Radtke einen Vortrag zum Thema Biome Brasiliens. Eingeladen war er dazu von Erzbischof Dom Jaime Spengler.

Erzbischof Dom Jaime Spengler, Dr. Martin Ebner, Dr. Rainer Radtke (v.l.n.r.)

Am Tag darauf ging es auf nach Pró-Mata in den Araukarienwald.

Roberto Burle Marx wurde im Jahr 1909 in São Paulo geboren. Berühmt wurde er durch seine Tätigkeit als Langschaftsplaner, indem er moderne Landschaftsplanung in Brasilien einführte.
Ab 1930 begann er erste Gärten zu planen und hatte insgesamt etwa 3.000 Projekte in 20 Ländern, beispielsweise der Flamengo Park und die Copacabana Promenade in Rio de Janeiro.
Er war außerdem einer der ersten Menschen in Brasilien, die sich für den Schutz der Regenwälder engagierten.

Burle-Marx-Garten
Am Tag nach der Abreise der ersten Exkursionsgruppe begutachten die verbliebenen Exkursionsteilnehmer mit den beiden neu angekommenen den Burle-Marx-Garten.

Im Jahr 1949 kauften Roberto Burle Marx und dessen Bruder Guilherme Siegfried das Land Santo Antônio da Bica 56 km vom Stadtzentrum Rio de Janeiros entfernt, was zu diesem Zeitpunkt eine Bananenplantage war. Direkt nach der Restauration des Farmhauses und der Kapelle auf dem Land fing Burle Marx mit den Pflanzungen an. Seine Kollektion wurde während seiner zahlreichen Reisen durch Brasilien um immer mehr Arten erweitert.
Die Idee dazu kam Burle Marx bei seiner Europareise im Alter von 18 Jahren, als er die Vielfalt der brasilianischen Pflanzen im Botanischen Garten Dahlem in Berlin sah. Im Jahr 1985 schenkte Burle Marx den Garten der IPHAN, welcher seither auch als Kulturerbe Brasiliens gilt. Seit 2000 steht der Garten auch unter staatlichem Schutz.

Erst im Jahr 1973 jedoch zog Burle Marx endgültig in das Haus auf seinem Grundstück ein, wo er am 4. Juli 1994 verstarb. Der Garten hat eine Größe von 365.000 m² und beinhaltet eine der bedeutensten tropischen Pflanzensammlungen der Welt mit etwa 3.500 Arten.

Cattleya forbesii, Orchidaceae

Canistrum spec., Bromeliaceae

Anthurium affine, Araceae

Agave americana var. marginata, Agavaceae

Auch von ihm beschriebene Pflanzen können im Garten gefunden werden. Die bedeutenste dieser stellt das Logo des Gartens dar.
Heliconia aemygdiana, Heliconiaceae

Heliconia aemygdiana, Heliconiaceae

Syagrus schizophylla Mart., Arecaceae

Cycas spec., Cycadaceae

Wassergarten mit Bismarckia nobilis

Nymphaeaceae

Aechmea aquilega, Bromeliaceae

Fotos: Lucas Coelho de Assis