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Archive for the ‘Brasilien-Exkursion 2012’ Category

Anreise

Nach vierstündiger Fahrt auf der BR 163 von Cuiabá nach Norden wandelte sich unser Luxusliner kurz nach Mitternacht in ein metallisches Häufchen Immobilie und das mitten im Nirgendwo… Ein Getriebeschaden nach noch nicht einmal der Hälfte der Strecke. Wie in Brasilien nicht ungewöhnlich, stand an der Pannenstelle schon ein weiterer Bus, pikanterweise derselben Gesellschaft, dann kam ein weiterer für unseren Weitertransport. Rainers Planung hielt für uns danach noch ein weiteres Schmankerl in Form eines 40-Tonners bereit, der zu nächtlichen Unzeit von einer nach einem Hochwasser reparierten Brücke geschoben werden wollte. So war denn auch für unser physisches Workout gesorgt.
Nach 1½ Tagen Konservendosenreise kamen wir müffelig und hungrig in Alta Floresta an. Dort (immer noch nicht am Ziel unserer Reise) gab es für uns ein opulentes Frühstück und neuen Zuwachs der Gruppe – Caro, die begleitend zu ihrem Praktikum in der Rio Cirtsalino Jungle Lodge bisher den Blog schrieb. Die Weiterreise wurde durch deutliche Abstufung von Reisebus zu Altbewährtem (siehe erstes Bild) – mit Lenkrad, sechs Rädern und orthopädisch korrekten Stahlsitzen – begleitet. Wie ein geölter Blitz glitten wir zu unserem nächsten Zwischenstopp, zu einer Farm mit stachellosen Bienen nahe Alta Floresta.

Farmbesuch

Das Gesamtkonzept des landwirtschaftlichen Betriebs von Ércio Luedke liegt in der nachhaltigen Bewirtschaftung und den cleveren Problemlösungen. Begonnen hat der Besitzer mit einer Obstplantage, die er durch stachellose Bienen (da in Stadtnähe keine stacheltragende Bienen, also afrikanisierte Honigbienen, erlaubt sind) bestäuben lässt. Blattschneiderameisen gefährdeten (durch ihre Gefräßigkeit) die Obstbäume, sodass er handeln musste und anstatt Gift zu sprühen auf eine naturschonende Methode zurückgriff und mit der Fischzucht begann, um die Ameisenbrut an die Fische zu verfüttern.
Mittlerweile ist die Fischzucht seine Haupteinnahmequelle und die Bienenzucht ist ein Vorzeigeprojekt, das staatlich gefördert wird.

Meliponicultura Alta Floresta Ércio Luedke

Meliponicultura Alta Floresta Ércio Luedke


Honigverkostung an einem geöffneten Nest

Tag 1 auf der Rio Cristalino Jungle Lodge (RCJL)

Ohne weitere wirklich ernst zu nehmende Schwierigkeiten erreichen wir die Anlegestelle der Boote, die uns über den Rio Teles Pires den Rio Cristalino hinauf fahren werden. Winkend werden wir nicht nur vom Personal, sondern auch von den Myriaden von Gnitzen und Moskitos auf der Rio Cristalino Jungle Lodge (Caros Heimat der letzten 2 Monate – siehe vorherige Blogeinträge) willkommen geheißen. Angekommen, Rucksack abgestreift, in die Badehose und ab in den Rio Cristalino zu den Piranhas, Kaimanen, Riesenottern und zum restlichen Getier. Und dann geht es los: Was wir alles in kurzer Zeit zu sehen bekommen: Aras, 4 Arten, Tukane, Aracaris, Affen, Vogelspinnen, Hundkopfboa, Boa constrictor, alles in wenigen Stunden. Das nenne ich mal zoologische Exkursion.

Tag 2 RCJL

Caro ist nach den Wochen hier zu einer unserer offiziellen Guides geworden und kann ihr umfangreiches Wissen an uns weiter geben. 6:30 am Morgen geht es los zu den beiden Beobachtungstürmen. Eiserne 50 Meter hohe schwankende Konstruktionen, die uns über das Kronendach des Regenwaldes heben. Mit Ferngläsern und Spektiv rücken wir der hiesigen fliegenden Fauna auf die Pelle. Unglaublich, was wir von hier oben alles sehen. Die buntesten Tangare, Papageienschwärme, stachellose Bienen, die unseren Schweiß aufsaugen. Und alles bunt und farbig.


Mit Reis und Bohnen und jeder Menge anderer Leckereien im Magen brechen wir nach dem Mittagessen zu unserem ersten Trail auf. Diesmal stand die Flora und deren Heilwirkungen auf dem Plan. Uns wurden Pflanzen gezeigt, die z. B. gegen Durchfall, Nierenkoliken und lokalen Schmerzen helfen. Auch ein Gewächs, das antibiotisch wirkt, war darunter.
Ziel der Wanderung war der riesige Paranussbaum, dessen Umfang etwa 14 Armspannen von 7 Personen beträgt. Die Früchte des Paranussbaums sind bei vielen Tieren sehr begehrt. Jedoch muss zuerst die harte Schale geknackt werden. Das Agouti zum Beispiel rollt die runde Nuss durch den Wald, bis diese an einer geeigneten Stelle verhakt. Zwei Tage lang nagt das Tier nun ausdauernd an der Nuss, bis es an das nahrhafte Innere mit den eigentlichen Paranüssen gelangt. Oft werden die Agoutis von den schon auf die Beute lauernden Kapuzineräffchen um die mühevoll geöffnete Paranuss beraubt.

Wir nehmen uns reichlich Zeit, die Makro- und Teleobjektive zu benutzen.

Fototermin Boa constrictor

Fototermin Boa constrictor

Die Amphibien sind zuweilen größer als zu Hause!

Bufo guttatus

Bufo guttatus (vorne)

Tag 3 und 4 RCJL
Mit eindrucksvollen Sonnenaufgängen starteten wir in die nächsten Tage, Abmarsch um 06:30. Wann steht ihr eigentlich in Tübingen auf, um zur Uni zu gehen? In dieser Zeit entdeckten wir eine Vielzahl von Tieren: Säuger, Insekten und Amphibien.



Interessant war die Bestätigung der schon von Caro gemachten Beobachtung (siehe weiter unten in diesem Blog) eines Weißgesichts-Spinnenaffen (besser: Klammeraffen), der von einem Baum herab Wasserhyazinthen aus dem Rio Cristalino fischte und sie fraß.

Atheles und Eichhornia

Atheles und Eichhornia

Bei einer weiteren Bootsfahrt flog vor uns eine Sonnenralle (Eurypyga helias, Eurypygidae) auf, so dass wir für Sekundenbruchteile das auffällige Flügelmuster zwar sehen, aber leider nicht präsentabel fotografieren konnten.

Eurypyga helias

Eurypyga helias

An einem Abend hielt uns noch der mit Rainer befreundete und aus der Gegend von Cuiabá stammende Biologe und in mehreren Naturschutzgebieten Brasiliens als Guide tätige Fabiano Oliveira einen Vortrag über Jaguare des Pantanals.

Fabiano

Fabiano bei seinem Jaguar-Vortrag

Tag 5 RCJL

Auf der morgendlichen Wanderung durch den Regenwald, bekommen wir auch nach ein paar Tagen am Rio Cristalino neue Arten der Flora und Fauna zu Gesicht. Es wird uns von den Guides von einer Kuriosität berichtet, und zwar von Bäumen (Fabaceae?), die mittels ihrer  Klettfrüchte das Gefieder der Vögel verkleben, welche dann flugunfähig abstürzen und als Nährstoffe direkt von den Bäumen aufgenommen werden.

Ein Auszug aus einem Tagebuch: „Oh ich hatte schon so eine Vorahnung. Ich bin nass bis auf die Knochen. Aber erst einmal von vorne. Heute auf unserem morgendlichen Trail sind wir in einen stürmischen Wolkenbruch gekommen. Über uns ächzte und krächzte der Wald und wir rannten wie von der Tarantel gestochen zurück zum Boot. Mein Gott, hatte ich Schiss. Aber zum Glück war die Hose eh schon nass. Im Nu ist Schimmelalarm angesagt und haushalten mit der Kleider-Zweitgarnitur. Vermerk: 1. Zu wenig Unterbuxen und Socken dabei. 2. Triefend nasse und nach Schweiß stinkende Klamotten in einem Raum ist gleich Pumakäfig!“

Am letzten Abend nahm sich Vitória da Riva Carvalho Zeit, uns über die Rio Cristalino Stiftung und die Rio Cristalino Jungle Lodge im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Ökoturismus und Abholzung des Amazonas-Regenwaldes zu berichten.

Vortrag Vitória da Riva Carvalho

Vortrag von Vitória da Riva Carvalho

Tag 6 RCJL

Am Tag unserer Abreise war eigentlich noch ein kleiner Trail hinter die Lodge geplant. Dabei sollten noch diverse Säugetiere aufgestöbert werden. Doch es regnete am Morgen so stark, dass sich nur eine kleine Gruppe von Mutigen und Trockener-Zweitgarnitur-BesitzerInnen auf den Weg machten.
Das letzte üppige Mahl und schon begann die Verabschiedungstour, die durch nicht enden wollende Gruppenphotos gekennzeichnet war.
Resümee dieser Tage: Wow – bähm!
Tief beeindruckt ziehen wir weiter zu unserer nächsten Etappe unser Exkursion. Pantanal wir kommen!!! Doch bevor wir wieder in den Bus steigen, sehen wir nahe des Floresta Amazonica Hotels noch die Harpyie am Nest mit Jungtier, die nach 2006 und 2009 wiederum erfolgreich gebrütet hatte. Wer kann von sich schon behaupten so etwas gesehen zu haben?

Weiterreise ins Pantanal

Heute machen wir uns auf den Weg ins Pantanal. Bis zu 30 Stunden Busfahrt stehen nun vor uns bis Campo Grande, dann nochmal 380 km, Teerstrasse und Sandpiste. Gut um mal wieder zu schlafen und runter zu kommen. Dort werden wir die nächsten 10 Tage kein Internet und deshalb auch kein Möglichkeit zur Berichterstattung haben.

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Nur 55 Stunden in Zug, Bus, Flugzeug und Boot und schon waren wir an unserem ersten Ziel der Rio Cristalino Jungle Lodge.

Bus schieben

Radtke, noch frisch gewaschen (links), Jeep dagegen nicht mehr (rechts)

Radtke, noch frisch gewaschen (links), Jeep dagegen nicht mehr (rechts)

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Trockenübungen zu Affen in der Wilhelma, dem Stuttgarter zoologisch-botanischen Garten.

Am Samstag vor Weihnachten trafen sich einige der Teilnehmer der Brasilienexkursion 2012 in der Wilhelma, um unter Leitung von Dr. Iris Weiche und Studierenden der Paläoanthropologie der Universität Tübingen eine Einführung in die Primatologie zu erhalten. Während Caro am Rio Cristalino den freilebenden Affen im Wald folgt, stellte uns Iris die in der Wilhelma gehaltenen Affenarten detailliert vor. Bei den aus Südamerika stammenden Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas) konnten wir einen nahen Verwandten des Goldenen Löwenäffchens (Leontopithecus rosalia) sehen, das wir ja zu Exkursonsende wie in 2011 nahe Rio de Janeiro aufsuchen werden.

Foto 1: Goldkopflöwenäffchen in der Wilhelma (Foto: RR)

Foto 1: Goldkopflöwenäffchen in der Wilhelma (Foto: RR)

Goldenes Löwenäffchen 1

Goldenes Löwenäffchen 2

Zufälliger Weise hatten die Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) in dieser Woche Nachwuchs bekommen. Es war gar nicht so leicht, das kleine Jungtier dieses kleinsten Vertreters der Eigentlichen Affen auszumachen (Kopfrumpflänge: 12 bis 15 Zentimeter, Schwanz: 17 bis 23 Zentimeter). Letztendlich gelang es aber. Kleiner ist nur noch der Koboldmaki (Kopfrumpflänge: 9 bis 16 Zentimeter, Schwanz: 13 bis 28 Zentimetern), der jedoch zu den Halbaffen gehört.

Foto 2: Zwergseidenäffchen mit Jungtier (Foto: http://www.mainpost.de/storage/pic/mpnlneu/fr/3182811_1_1919AA.jpg)

Foto 2: Zwergseidenäffchen mit Jungtier (Foto: http://www.mainpost.de/storage/pic/mpnlneu/fr/3182811_1_1919AA.jpg)

Ab dem 15. Februar können wir die erworbenen Kenntnisse dann am Rio Cristalino an der Grenze Pará/Mato Grosso unter Anleitung von Caro und Liza Veiga, die extra aus Belém vom Museu Goeldi anreist, anwenden.

RR

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Bevor wiederum 20 Studierende aus Baden-Württemberg an der Lehrveranstaltung in Brasilien teilnehmen werden, gibt es dieses Mal eine Neuerung. Nächste Woche fliegt Caroline Schneider, die im Jahr 2010 Teilnehmerin der beiden in Brasilien durchgeführten Lehrveranstaltungen (Tropenökologie Südamerikas I und II) war, für 3 Monate als erste Praktikantin an den Rio Cristalino. Durch die seit 2006 laufenden Verbindungen von Dr. Radtke mit Vitoria da Riva, Gründerin des Cristalino-Schutzgebietes, können jetzt vereinzelt Praktikanten dort, einem Hotspot der amazonischen Biodiversität, in laufenden brasilianischen Projekten mitarbeiten: eine einzigartige Gelegenheit für baden-württembergische, speziell Tübinger Biologen und Geoökologen.

Caroline wird hier in unregelmäßigen Abständen über ihre Erfahrungen im Urwald Südamerikas berichten bis die Teilnehmer der Exkursion 2012 am 14.2. dazustossen werden.

RR

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