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Archive for Dezember 2011


Für die Weihnachtsfeier trifft sich Roses Familie bei ihrem Bruder. Sie hat drei Brüder und eine Schwester, sowie dementsprechend viele Nichten und Neffen.

Nun Weihnachten nach brasilianischer Art ist definitiv anders. Von wegen stille Nacht…

Obligat scheinen hier das Feuerwerk und die Böller, lauter brasilianischer Konserventechno und natürlich Churrasco (brasilianisches BBQ)! Nun, wer schon mal zu einem Churrasco geladen war, kennt die Dimensionen. Es sieht aus als hätte die Familie eine komplette Metzgerei leer gekauft – mein voller Ernst.

Ihre Familie ist wirklich sehr nett auch wenn sie mich doch für leicht übergeschnappt zu halten scheinen. Ich wühle freiwillig (und unbezahlt!) in Affenfaeces und esse kein Fleisch! Ihr könnt euch nicht vorstellen wie viele Gesichter mich mit dem Ausdruck völliger Fassungslosigkeit angesehen haben.

Später am Abend nimmt mich eine der Frauen mit in die Küche, wo die Damen unter sich sind. So weit ich verstehe, wird heiß darüber debattiert, ob ich wohl freiwillig so „unsexy“ herumlaufe und ob wohl alle Europäerinnen so aussehen. Sehr lustig, vor allem, weil die Damen ja nicht wissen, dass ich verstehe, was sie sagen. Jedenfalls ertönt ein großes allgemeines „Aah!“ als Rose erklärt, dass dies der „Cristalino – Outdoor – Look“ ist.

Richtig gegessen, soll heißen, jetzt wird das Fleisch nicht mehr vom Grill gegessen, sondern von Tellern, wird erst nach 24 Uhr, jedoch nicht ohne vorher in der Gruppe zu beten.

Nachdem die Eltern von Rose nach Hause gefahren wurden, geht die Party erst richtig los. Laut dröhnt die Musik und die Frauen und zur allgemeinen Heiterkeit, Männer tanzen gekonnt „hinterteilbetont“ zu definitiv nicht jugendfreien Texten.

Alles in allem hatte ich einen wirklich amüsanten Abend, wenn ich allerdings hätte raten sollen, was hier gefeiert wird, Weihnachten wäre wirklich das allerletzte Fest gewesen, auf welches ich getippt hätte!

Fröhliche Weihnacht euch allen!

Caro

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Rose ist einer der Guides der Cristalino Jungle Lodge. Sie hat mich liebenswürdigerweise eingeladen, Weihnachten bei ihr und ihrer Familie zu verbringen. Zurück an der Lodge bleibt Sebastião, einer der Guides und seine Familie. Wir anderen steigen alle in ein Boot und los geht’s.

Die Stimmung ist gut, alle freuen sich, ihre Familien und Freunde wieder zu sehen. Viele hier haben Kleinkinder und bei nur drei bis vier Tagen Urlaub im Monat, (nicht vergessen hier an der Lodge gibt es so etwas wie ein Wochenende nicht!) ist jeder Urlaubstag kostbar.

Auch ich muss zugeben, so gerne ich hier bin, es ist schön für ein paar Tage einen Tapetenwechsel zu haben, und ich freue mich auf meine Zeit in Alta Floresta.

Auf einmal wird das Boot langsamer und das aufgeregte „Ariranha!“ hinter mir brauche ich erst gar nicht, um zu hören und dann auch zu sehen, was da im Fluss neben uns schwimmt. Vier laut keifende Riesenottern! Sie tauchen weit aus dem Wasser auf, schauen uns an und – nun ja, die Vokalisation ist wirklich abgefahren! Ich weiß nicht wie ich euch das beschreiben soll. Geht vielleicht in Richtung Seehundbellen, falls euch das hilft.

Jedenfalls freue ich mich außerordentlich über dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk! Bester Laune, aber sehr müde, komme ich am Hotel an.

Ich verabschiede mich herzlichst von Tina aus London und all den lieben Leuten von der Lodge. Die Fahrt geht weiter, über Alta Florestas holprige Straßen. Nur in dem etwas undefinierten Zentrum sind diese geteert, der Rest des weitläufigen Straßennetzes der 50.000 Einwohnerstadt hat die rotbraune Farbe der tonigen Erde des Regenwaldes.

Vor einem kleinen Häuschen steige ich aus. Laut dröhnt Musik zu uns herüber und Rose empfängt mich strahlend.

Rose und ich gehen zusammen mit dem Roller (sehr typisches Gefährt hier) in die Stadt, ich brauche Antihistamine gegen diese verflixten Insektenstiche, denn meine Beine sind dank derer auf fast das doppelte angeschwollen. Sehr appetitlich, ganz zu schweigen von dem kaum aushaltbaren Juckreiz.

Eine Rollerfahrt auf diesen Straßen hier ist doch eine sehr lustige, holprige Angelegenheit. Im Supermarkt bin ich dann doch etwas geschockt. Die Lebensmittelpreise entsprechen den unseren, sind teilweiße sogar höher. Stellt euch vor, ihr verdient nur 10 € am Tag und müsst davon eine fünfköpfige Familie finanzieren. Wohnung, Kleidung, Schulkosten und Lebensmittel. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist hier doch unwahrscheinlich groß.

Wir sind jedenfalls trotzdem voll bepackt und es ist ein kleines Wunder, dass wir und unsere Einkäufe zusammen auf diesen Roller passen.

Caro

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Es scheint wie eine Droge zu sein. Das zweite Mal bin ich nun auf dem alten Turm, noch auf der 30 m Plattform und es ist wieder phantastisch! Ich sehe Spinnenaffen und Sakiaffen von oben. Ein ganz neuer Blickwinkel. Doch muss ich euch sagen – ich kann es nicht erwarten endlich ganz oben zu stehen! 50 m über dem Rest der grünen Urwelt!

Ich kann neue Vogelarten auf meine Artenliste setzten und den Sonnenuntergang in vollen Zügen genießen – und wieder denke ich an euch. Um dies mit euch, leider nur ansatzweise Teilen zu können gibt es wieder ein stimmungsvolles Bild.

Danach geht es eiligst zurück zur Lodge. Wir haben eine halbe Stunde Zeit für das Abendessen um anschließend wieder ins Motorboot zu steigen. Ziel ist eine Salzlecke, einige Kilometer flussaufwärts.

Wir schleichen den Pfad entlang bis wir auf einen geräumigen Hochstand treffen. Zunächst sucht sich jeder sein Plätzchen, dann gehen die Lichter aus. Die Nacht ist mondlos und die Dunkelheit um uns herum vollkommen. Nur um euch dies hier schreiben zu können, habe ich den Test gemacht und ja, ich habe sprichwörtlich meine Hand vor Augen nicht gesehen.

Nun stellt euch vor, ihr säßet in dieser, für eure Augen völligen Dimensionslosigkeit und hört rings herum Rascheln, Platschen und höchst merkwürdige Laute, die schnell die Phantasie beflügeln. Ich kann nur raten, um welches Tier es sich bei diesem und jenem Laut handelt. War es ein Frosch, ein Vogel, ein Insekt oder gar etwas ganz anderes?

Nach und nach jedoch drängt sich zwischen all diese Spannung die Müdigkeit. Mehrfach erwache ich von dem Schrecken meines fallenden Kopfes aus wenigen Sekunden Schlaf. Langsam aber sicher beginnen Hinterteil und Rücken zu schmerzen.

Oft genug bin ich der festen Überzeugung ein großes Tier zu hören – gleich werde ich also endlich einen lebenden Tapir sehen! Aber Francisco regt sich nicht, ich muss mich also irren.

Dann plötzlich steht er ohne Vorwarnung auf und leuchtet auf ein Paka! Pakas sind mit den Agutis verwandt, sind allerdings um ein gutes Stück größer. Ich Fell ist rötlich braun und trägt weiße Flecken und Streifen.

Da läuft es nun umher, kein Laut hat es angekündigt und doch Francisco hat mit absoluter Präzision genau dorthin geleuchtet, wo es vor wenigen Sekunden noch stand. Wie hat er das nur gemacht?

Schnell ist es wieder aus dem Lichtkegel und aus unserer Sichtweite entschwunden. Es ist nun schon 24:00 Uhr und wir entscheiden uns für den Rückzug, bevor wir tatsächlich erst am nächsten Morgen mitten im Wald aufwachen.

Auf dem Weg zurück kreuzt ein Mazama (Spiesshirsch) unseren Weg. Es bleibt, angeleuchtet von drei verschiedenen starken Taschenlampen, stehen. Mit Sicherheit so stark geblendet, dass es nicht weiß, wo hin. Es ist größer als unseren europäischen Rehe ??. Wenn ich Zeit haben sollte, werde ich für euch nach dem Artnamen suchen.

Die Flussfahrt zurück dauert über eine Stunde, denn wir suchen die Ufer links und rechts mit den Taschenlampen nach reflektierenden Augenpaaren ab.

Rot, groß und rund leuchtet uns der Sehapparat eines Kaimans entgegen. Hell und nur leicht gelblich sind hingegen die Augenpaare der „Night Jars“, Nachtschwalben, also nachtaktive Vögel, deren Schnabelansatz außergewöhnlich groß ist. (Name reich ich euch nach!)

Noch kleiner und weißlich sind die Augen einer Boa in einem Baum über unseren Köpfen. Ihr Kopf steigt stetig empor  und ich kann nicht anders als wie so oft über die Muskelkraft einer Schlange zu staunen.

Die Eigentümer der vielen kleinen Augen, welche uns von überall entgegen leuchten, sind Spinnen. Auch an Land, nachts im Wald, glitzern sie zahllos auf dem schwarzen Waldboden. Bezaubernd schön wie der Sternenhimmel über uns, nur das manche dieser glitzernden Sterne hier unten eben tödlich sind (Phoneutria spp.).

Caro

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Ich komme zurück von einer tollen Kanufahrt mit Tina aus London, Touristin. Wir haben den riesigen Kopf einer Anakonda gesehen! Sicherlich an die 12-13 cm breit. Desweitern entdecke ich wieder an der Lodge, für meine Verhältnisse spektakulär rote Schenkel. Also, auch wenn der Himmel graut – Sonnenbrand ist machbar! Während ich mich halb über mich selbst aufrege und mich zur andere Hälfte über mein naiv-europäisches Ich lustig mache, höre ich plötzlich Aufregung im Büro neben an.

Ich habe noch nicht viel Portugiesisch gelernt, was ich allerdings verstehe ist Onςa und tatsächlich, einer der Arbeiter hier ist einem Jaguar begegnet, keine 300 Meter vom letzten Bungalow entfernt, zwischen Figtree Trail und Tower!

Ich habe die Initiative ergriffen und Raphael, den hiesigen Manager dazu gebracht eine Truppe zusammen zu Trommel und auf Jaguar Pirsch zu gehen!

5 Männer, alle mit Messern und Machete bewaffnet, die Arme vom Körper gestreckt wie John Travolta – und ich. Sehr lustig fand ich das – und der Rest der Truppe? Wenn ich die Blicke richtig interpretiere etwas zwischen verwundert und amüsiert über mein Beisein.

Los geht’s jedenfalls, schwer bewaffnet ab in den Wald. Wir sehen die Spuren des Jaguars. Er hat den Boden aufgescharrt. Der Arbeiter, der den Jaguar gesehen hat, schildert die Begegnung. Keine 20 m Distanz zwischen ihm und der Wildkatze! Die beiden schauen sich an. Schließlich dreht sie um und läuft davon, in die entgegengesetzte Richtung.

Obwohl wir also keinen Jaguar gesehen haben, war es doch ein aufregendes Unterfangen und mal wieder hatte ich das verrückte Gefühl zwischen Freude und Angst hin und her gerissen zu sein.

Caro

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Ich habe nun den Auftrag von Liza Veiga, Universität und Goeldi Museum von Belém, zum einen eine Analyse zur Samenverbreitung durch Weißwangen-Klammeraffen (Ateles marginatus) und Weißnasen-Sakiaffen (Chiropotes albinasus) anzufertigen zum anderen soll ich deren Vokalisation und die der hiesigen Kapuziner Affen (Cebus apella) aufnehmen.

Außerdem gibt es Gerüchte einer Allopathrie (Vorkommen zweier Arten im selben geographischen Gebiet) von Weißwangen-Klammeraffen (Ateles marginatus) und Schwarzgesicht-Klammeraffen (Ateles chamek) auf einer 600 km² großen Insel im Rio Teles Pires.

Nun soll ich versuchen deren Anwesenheit auf dieser Insel zu bestätigen, als Vorbereitung auf mögliche weitere wissenschaftliche Untersuchungen.

Die Verbreitungsgebiete von Ateles chamek und Ateles marginatus sind laut bisheriger Lehrmeinung (IUCN Red List) durch den Rio Teles Pires und den Rio Tapajós voneinander getrennt. Es gibt jedoch Gerüchte über Sichtungen beider Arten auf dieser Insel. Ebenso gibt es Gerüchte über Sichtungen von Ateles marginatus auf der westlichen Flussseite des Rio Teles Pires.

Caro

Um Karten zu den Verbreitungsgebieten dieser beiden Arten zu sehen, hier der IUCN link für…

Ateles chamek (http://mapservices.iucnredlist.org/IUCN/mapper/index.html?ID_NO=41547 )
…Ateles marginatus  
(http://mapservices.iucnredlist.org/IUCN/mapper/index.html?ID_NO=2282)

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Heute waren wir nur bis um zehn Uhr im Wald. Raphaela wird heute Nachmittag abreisen, und wir wollen noch unsere Daten besprechen.

Vor dem Mittagessen allerdings, gehe ich mit Leandro, Jorge, Raphael und dem Sohn von Francesco in den Wald, zurück zum Fundort der Faultierhinterlassenschaften.

Was für ein Tempo kann ich nur sagen! Länger als die ein-zwei Stunden hätte ich das nicht durchgehalten. Aber ich habe, was ich will. Einen Trail bis zum Fundort und auch, wenn wir dieses Mal kein Faultier gesehen haben – ich werde alles daran setzten, den Eigentümer dieser Haare zu finden.

Ich hoffe, nach Weihnachten einen der Guides dazu überreden zu können, früh morgens aufzubrechen. Diese Tiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens im Geäst der Bäume. Sie hängen mit dem Rücken zum Abgrund, gut getarnt durch eine Symbiose mit grünen Algen im Fell. Es wird also schwer sein, das Faultier zu entdecken, aber wenn es dann so weit ist – Rainer ich werde an dich denken! Denn die Exkursion hat seit Beginn im Jahre 1989 weder am Cristalino noch sonst wo je ein Faultier aufgespürt.

Caro

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Endlich, wir sind keine halbe Stunde unterwegs und stehen wieder still, um zu lauschen. Da sehe ich einen kleinen schwarzen Affen springen, weit entfernt aus meinem Blickfeld. Los geht es in die Richtung, in welche ich zeige, und wir stoßen auf eine Gruppe von etwa 15 Tieren.

Die Arbeit beginnt. Die Vokalisationsfrequenz der Tiere ist hoch und oft und somit habe ich alle Hände voll zu tun, um möglichst viele Laute aufzunehmen. Gleichzeitig spreche ich immer wieder auf Band, was gerade passiert und welche Uhrzeit es gerade ist.

Wir folgen ihnen und schnell stelle ich fest, dass wir immer Kreis zu gehen scheinen. Ein Blick auf das GPS bestätigt dies. Wir bewegen uns in Kreisen, immer weiter Richtung Fluss. Das Gestrüpp in diesem Teil des Waldes hier ist unwahrscheinlich dicht und wir sind umschwärmt von Insekten allerlei Arten, besonders störend auch bei der Tonaufnahme sind die Massen an Moskitos.

Ich bleibe immer ein Stück zurück um möglichst wenige Störgeräusche von Raphaela und Leandro aufzunehmen. Da, ein Pfiff, das beste Kommunikationsmittel im Feld, ich gehe zu den anderen beiden. Eine gräuliche Schlange mit weißen Flecken liegt auf einer Baumwurzel. Allein aus der Aufregung der beiden ist klar, was da liegt, ist alles andere als harmlos! Es ist eine Jararaca, Bothriopsis sp. den Artnamen liefere ich sobald ich kann nach.

Ich erfahre, wo eine ist, da ist oft genug auch eine zweite zu finden, also „be carefull!“ (Leandros häufigsten englischen Worte). Es geht also weiter durchs Gestrüpp und die Angst vor Numero 2 ist nicht zu verneinen.

Oft treffen wir auf Wespen- und Bienennester. Vorsichtig und so leise wie möglich werden diese umgangen. Mit den Wespen hier ist nicht zu spaßen, fünfmal so groß wie die unseren, rabenschwarz und laut glaubhaften Erzählungen, sehr schmerzhaft. Es ist schon sechs Uhr abends und unsere Affen scheinen müde zu werden. Da gerate ich an ein Nest Stachelloser Bienen. Eigentlich harmlos, wie der Name schon sagt. Alles, was diese kleinen schwarzen Bienchen können, ist zwicken und mit einer unglaublichen Penetranz überall hinein kriechen, keine Körperöffnung am Kopf bleibt verschont.

Als ich den Wald spät am Abend von mir wasche, finde ich drei dieser kleinen Bienen in meinen Haaren und eine böse Überraschung am Bein. Noch nie in meinem Leben habe ich eine so gigantisch große Zecke gesehen. Mindestens Daumennagel groß!

So geht ein ereignis- und datenreicher Tag zu Ende.

Caro

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