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Archive for Februar 2016

In diesem Jahr werden wir wieder einmal Zeugen, wie wegen des umgebenden Hochwassers Rinder auf der „Hauptstraße“ getrieben werden mussten. Eine Herde muss in aller Ruhe über die Abobral-Brücke geführt werden, ohne das eine Panik ausbricht, was bei dem Hochwasserstand verheerende Folgen haben könnte.

Ein Pferd war als Warndreieck aufgestellt worden und rührte sich nicht vom Fleck, während die Pantaneiros mit Hornklängen, Peitschenknallen und sanftem Druck die Herde über die Brücke drängten.

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Nach knapp 24 Stunden Busfahrt sind wir in Campo Grande angekommen. Das diesjährige Pantanal-T-shirt verursachte bei einem Exkursionsteilnehmer eine Identitätsstörung.

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Mit kleineren Fahrzeugen ging es weiter über Miranda in Richtung Pantanal zur Fazenda Santa Clara. Es ist Hochwasser angekündigt! Das Hängematten-Camp ist nicht erreichbar, mal sehen, wo wir dann ab morgen unsere Zelte aufschlagen werden…

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Nachdem wir uns in Alta Floresta gehörig von Vitória und Crew sowie einer Gruppe Mico (früher Callithrix) emiliae verabschiedet haben, stiegen wir in den Bus zu unserer ersten Langstrecken-Landfahrt.

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Nachdem wir uns schweren Herzens nach  einer letzten Vormittagstour mit Sichtung von Hoatzins (Opisthocomus hoazin)

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haben wir uns von der Rio Cristalino Jungle Lodge verabschiedet.

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Das erste Ziel unserer Brasilienexkursion war zugleich mein persönliches Highlight: Der Regenwald am Rio Cristalino.
Im Bundesstaat Mato Grosso gelegen, gehört er zu den südlichen Ausläufern des Amazonasregenwaldes. Was ihn besonders interessant für Botaniker und Zoologen macht ist, dass es sich um einen Primärwald handelt. Das bedeutet, ohne Eingriffe des Menschen hat sich über einen langen Zeitraum eine große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren entwickelt. Über diesen langen Zeitraum haben sich Tiere und Pflanzen aufeinander spezialisiert. So gibt es spezielle Bestäuber für bestimmte Pflanzen. In einem von Menschen stark beeinflussten Wald wäre diese Artenvielfalt nicht möglich.
Als Tropicariumsgärtner im Botanischen Garten der Universität Tübingen galt mein Interesse den Pflanzen. Neben der Artenvielfalt an Pflanzen war besonders wichtig, vom Naturstandort der Pflanzen Kulturhinweise abzuleiten. Wächst die Pflanze terrestrisch, epiphytisch, kletternd, wie sind die Lichtintensität, Bodenverhältnisse, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit usw.
Gestalterisch ist die Natur Meilen voraus und sehr beeindruckend! Siehe Bilder.
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Blick in den Regenwald

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Als einkeimblättrige Pflanze ist diese Palme in der Lage, durch Bildung von Adventivwurzeln Richtungsänderungen der Krone auszugleichen.

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Hier ein Beispiel für den krautigen Bodenbewuchs des tropischen Regenwaldes. Zu sehen ist Xiphidium cf. caeruleum aus der Familie Haemodoraceae. Umringt von Selaginella (Moosfarne), die mit weiteren Farnen einhergingen.

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Häufig zu sehen im Bereich der Ufervegetation des Rio Cristalino. Eine Araceae vermutlich aus der Gattung Philodendron.

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Schön zu sehen: die krautige Bodenschicht wird abgelöst von Jungbäumen. Bemerkenswert für mich war die Häufigkeit von Palmen. Alte Bäume bilden das Dach des Regenwaldes und bieten Kletterern und Schlingern die Möglichkeit ans Licht zu kommen.

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Costus spec.

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Pflanzen aus der Familie der Melastomataceae kommen hauptsächlich in den Tropen vor. Wegen der auffälligen Nervatur sind viele Arten leicht der Familie zuzuordnen.

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Eine besonders auffällige Frucht die stark an einen gepflegten Oberlippenbart erinnert.

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Als großem Freund der Araceen fiel mir dieses schöne kletternde Exemplar auf. Ich kann sie ohne Blüte nur in der Gattung Monstera oder Philodendron vermuten.

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Der Blütenstand einer Marantaceae. Diese Familie ist in den Tropen weltweit anzutreffen. Auch hier sind sie prägend für den krautigen Bodenbewuchs.

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Eine weitere Costaceae. Hier in Blüte Chamaecostus cf. cuspidatus.

Aber:

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Die Abholzung schreitet voran. Anflug auf Alta Floresta, ca 40km von unserer Unterkunft am Rio Cristalino entfernt.

Markus R.

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Auf einer selten begangenen Route am Fluss entlang, auf dem Weg zum „Secret Garden“, hatten wir Gelegenheit, eine Gruppe Kapuzineräffchen (Sapajus apella) aus nächster Nähe bei ihren Aktivitäten beobachten. Während über den Bäumen am Fluss Früchte gefuttert wurden (und damit die Samen verbreitet wurden), wurden andernorts Schalen geknackt, indem sie laut auf einen Ast geschlagen wurden oder Insekten aus der Laubstreu gesammelt. Gleichzeitig vergnügten sich die Jungtiere bei Spielen auf dem Pfad, bei denen sie sich gegenseitig auf und von Bäumen jagten und wilde Turnübungen aufführten. Einer rüttelte über uns als Drohgebärde an einem Ast (was uns allerdings nicht abschreckte, fleißig Fotos zu schießen!).

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Mitten in dem tollen Treiben tauchte plötzlich im Hintergrund ein Trompetervogel (Psophia viridis) auf – ein richtiger Glücksfall, denn diese seltenen und auch noch scheuen Vögel kriegt man nicht sehr oft zu sehen! Wahrscheinlich hatten wir diese Begegnung nur unserer stillen Beobachtung der Äffchen zu verdanken.

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Im Secret Garden selbst konnten wir dann noch einen Grey Hawk (Buteo nitidus) und einen Blue Cheeked Jacamar (Galbula cyanicollis) bewundern (Francisco pfiff ihn uns, nachdem er ihn irgendwo im Wald gehört hatte herbei!), bevor wir dämmerungsbedingt zur Lodge zurückkehrten.

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Die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen das immergrüne, dichte Blätterdach. Tau tropft von den großen Palmenwedeln der Açaí Palme (1) auf den dicht bewachsenen Waldboden.

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Doch auch an diesem Morgen weicht die Frische des Morgengrauens vor der drückenden Hitze.
Immer tiefer dringt der sandige Weg in den geheimen Garten vor. Brettwurzeln und Spinnweben versperren von Zeit zu Zeit den Weg. Inmitten des Waldes ist der Himmel kaum noch zu sehen. Zikaden und ein einsamer Vogel singen ihr Lied.

Weiße Milch tropft aus den Wunden der „Amazonas-Kuh“. Nicht Kautschuk (2), sondern schmackhafte Milch gibt der Wald dem, der den Sovera-Baum findet. Der Geschmack kleiner, weißer Amarescla-Samen (3), die aus knallroten Schalen hervorschauen, ruft Erinnerungen an Zuckerwatte wach.

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Süß schmeckt auch der Honig der stachellosen Biene und bitter die Rinde des „Malaria-Baums“ (4).

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An einer Stelle des Waldes bedecken kleine rote Beeren den Boden. Die Blätter der Pflanze reinigen die Leber bei Gelbsucht. Der Name der Pflanze bleibt wie vieles andere ein Geheimnis der Indios. Manchmal gibt der Wald seine Geheimnisse auch bereitwillig preis. Zweilappig nierenförmig sind die Blätter, aus denen ein Tee gegen Nierenkolik gekocht werden kann (5).

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Die zerkauten Blattstiele der Jaborandi-Blätter (6) brennen auf der Zungenspitze. Für kurze Zeit ist die Zunge wie betäubt, bevor das Wasser im Mund zusammenläuft.
Blätter, wie Schlangen mit heller gefärbten Unterseiten, retten zwar nicht vor dem Tod, doch verlängern sie das Leben um wenige Stunden bei einem potentiell tödlichen Biss, so dass ein Arzt vielleicht noch erreicht werden kann.

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Die Rinde des Mädchenbeinbaums“, der Pele-de-Moça“ (7) ist seidig glatt. Auch sie ist Medizin, Malaria und Leishmaniose soll sie vertreiben.

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Alles was du brauchst, wirst du im Wald finden, hören wir. Reines Wasser fließt aus Lianen und hohlen Bambusrohren. Wer eine Machete hat und es schafft, an die castanha-de pará (8) zu gelangen wird keinen Hunger leiden müssen. Die duftende Rinde des Campherbaums (9) muntert auf und lindert Erkältungen.

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Fruchtig sauer und doch fremd schmecken die Cupuaçu- (10) und Cajá-Früchte (11). Doch nicht von jedem Baum ist gut zu essen, denn auch giftige Pflanzen locken mit bunten Früchten.

Die Indios sind nicht mehr da, aber Alfredo, unser Guide hat ihr Wissen bewahrt und an uns weitergegeben. Auch die Sprache seiner Vorfahren spricht er fehlerfrei, obwohl er nie dort war, in Deutschland.

Ein fernes Donnergrollen ist zu hören. Einen Moment lang scheint der Wald den Atem anzuhalten. Dann ist er da, der Regen, und alles versinkt in einem dunklen warmen Rauschen.

Manche der Arzneipflanzen konnten auch identifiziert werden:

1. Die Früchte der Açaí-Palme (Euterpe oleracea Mart.; Arecaceae) boomen aufgrund ihres Gehalts an Antioxidantien und Eisen als Superfood in Europa. Dort sind die leicht verderblichen Beeren allerdings nur in Form von gefriergetrockneten Pulvern und Säften erhältlich.
2.  Der echte Kautschukbaum (Hevea brasiliensis; Euphorbiaceae) stammt aus Brasilien
3.  Amarescla; Tetragastris altissima (Aubl.) Swart.; Burseraceae
4.  Der Name des roten Chinarindenbaums (Cinchona pubescens (Vahl.); Rubiaceae) stammt wahrscheinlich aus der Quechua Sprache. Quina-quina bedeutet so viel wie „Rinde der Rinden“. Die grau bis rötlich graue Rinde enthält das bitter schmeckende Chinin. Dieser war der erste Wirkstoff gegen Malaria und wird teilweise bis heute eingesetzt. In niedrigeren Konzentrationen kommt Chinin auch in Erfrischungsgetränken vor.
5.  Die nierenförmigen Blätter gehören möglicherweise zur Gattung der Bauhinien;  Fabaceae.
6.  „Jaborandi“ (Pilocarpus pennatifolius; Rutaceae) bedeutet so viel wie  „vermehrter Schweiß“. Die Blätter enthalten Pilocarpin, welches unter anderem die Speichelsekretion anregt. Zudem wird es in Form von Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck (Grüner Star) eingesetzt.
7.  Der wässrige Rindenextrakt des Mädchenbeinbaums, Pele-de-moça oder auch Pau-mulato (Calycophyllum multiflorum; Rubiaceae) wird traditionell bei Malaria und Leishmaniose eingesetzt.
8.  Die Nüsse des Paranussbaums (Bertholletia excelsa; Lecythidaceae) enthalten besonders viel Selen und ungesättigte Fettsäuren.
9.  Das Holz des Campherbaums (Cinnamomum camphora L.; Lauraceae) enthält ätherische Öle, die bei einer Erkältung und anderen viralen Infekten eingesetzt werden können.
10.  Cupuaçu: Theobroma grandiflorum; Malvaceae
11.  Cajá: Spondias mombin; Anacardiaceae

Cathrin Hauk

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