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Ein Beitrag mit dem Titel „Die zwei Gesichter der Bäume in der Klimakrise“ mit Fotos vom Rio Cristalino 2020.

Mit den folgenden Links geht es zu zwei Videos zum Thema (Link 1 & Link 2), sowie zum YouTube Kanal des Instituto Martius-Staden. Hier außerdem ein Beitrag dazu auf diesem Blog aus dem Jahr 2017.

Wir reisen ab

Nachdem nun auch Rainer Radtke wieder auf deutschem Boden ist, sind wir, die gesamte Gruppe der Brasilien-Exkursion 2020, wieder sicher und gesund in Deutschland.

Unser Flug von Ilhéus nach São Paulo findet tatsächlich statt, nachdem es immer wieder Gerüchte gab, dass er geschlossen wird. Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Gol-Mitarbeiterin Emilia. Jetzt warten wir auf den Abflug mit Lufthansa nach Frankfurt. Dann sehen wir weiter.

Zwischen Porto Jofre, MT, und Corumbá, MS, brennt das Pantanal erneut. Dieses Mal nördlich von Corumbá. Cel. Rabelo, den Rainer Radtke 2012 am Rio Cristalino kennenlernte äußert sich zu den von Menschenhand gelegten Feuern.

Hier geht es zu zwei Berichten (Link 1 & Link 2), sowie zu einer Karte, auf der die derzeitigen Brände eingezeichnet sind.

So wie wir die Goldkopflöwenäffchen im März zu Gesicht bekommen haben.

Eine umfassende Zusammenfassung von dem, was wir Mitte März selbst erleben durften:

The New York Times, 21.4.2020

A Bridge for Tamarins

Hier außerdem zwei Videos (Link 1 & Link 2) von der Associação Mico Leão Dourado, die wir im Rahmen der Brasilienexkursion 2020 besucht haben.

So wie wir den Rio Cristalino erleben durften.

Agnes Meyer-Brandis war 2006 als Artist in Residence Gast im Goethe Institut, Porto Alegre, und nahm dabei einige Tage am Geoökologischen Gelände-Praktikum auf Pró-Mata teil. Schon damals demonstrierte sie ihre interaktive Kunst mit dem Bohrkernlabor und ihrem Elfen-Scan.

Sie reiste dann auch aus Berlin zu der Nachbesprechung der Brasilienlehrveranstaltungen im Juni 2006 am Federsee in Bad Buchau an. Umso mehr freut es uns, dass sie jetzt den höchst dotierten Kulturpreis in Europa, den KAIROS-Preis, erhält.

Foto: R. Radtke

Wie Rainer Radtke gerade eben erst hier in Ilhéus erfuhr, ist sein früherer Arbeitgeber und Freund Kurt Hirschel Ende Februar im Alter von 93 Jahren verstorben. Nach dem gemeinsamen Verfilmen seiner Doktorarbeit über räuberisch lebende stachellose Bienen in Brasilien (ZDF 1993) arbeitete er 4 Jahre mit Hirschel zusammen. Dabei führten sie Filmaufträge u. a. nach Kenia, Panama und deutschlandweit in ungezählte Schutzgebiete und Nationalparks. Hirschel war in den 50er Jahren 7 Jahre Kameramann bei Hans Hass´ Xarifa-Expeditionen und damit Wegbereiter für Unterwasseraufnahmen.

2015 trafen wir uns in Ludwigsburg auf dem NaturVision Filmfestival, wo Hirschel den Festival-Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt.

Ebenso wurde unser SWR-Beitrag anlässlich der 200 Jahre von Maximilian zu Wied-Neuwieds Brasilienreise, der während der Brasilienexkursion 2015 entstand, präsentiert.

Festivalleiter Ralph Thoms, Kurt Hirschel, Rainer Radtke (von links nach rechts).

Wovor hat uns der ein oder andere in Tübingen vor Beginn der Exkursion alles gewarnt? Tropenkrankheiten wie Hautmaulwurf, Denguefieber, Malaria, Zikavirus, Chikungunyafieber, Dasselfliegen und ich weiß nicht, was noch alles. Und jetzt? Nichts. Wir erfreuen uns bester Gesundheit, sind bei AMAP auf der Fazenda Bom Pastor nahe Ilhéus und führen das Geoökologische Gelände-Praktikum wie geplant durch. Doch seit letztem Freitag nimmt das Coronavirus auch hier in Brasilien an Fahrt auf, speziell in São Paulo und Rio de Janeiro. Gestern, Montag, fuhr dann Rainer Radtke rund 40 Minuten lang aus dem Praktikums-, sprich Fazendagelände heraus, bis er, kurz vor Ilhéus, ein erstes Telefonsignal empfing. Nach Rücksprache mit Vertretern des Auswärtigen Amtes war dann die Entscheidung schnell gefallen: Abbruch der Lehrveranstaltung und Rückflug nach Deutschland, so lange Brasilien bzw. Deutschland noch angeflogen werden. Wenn alles klappt werden die Exkursionsteilnehmer am Dienstag in Tübingen eintreffen.

 

Fazenda Bom Pastor 

Goldkopflöwenäffchen, Leontopithecus chrysomelas

Eines der besenderten Tiere.

Nach vier freien Tagen in Rio de Janeiro ging es per Flugzeug über São Paulo nach Ilhéus, um dort den geoökologischen Teil der Exkursion zu starten. Am Flughafen wurden wir vom Tübinger Dr. Martin Ebner und Ex-Tübinger Prof. Dr. Mirco Solé mit Sohnemann empfangen. Da uns zuvor drei Exkursionsteilnehmer verlassen hatten, sind wir ab sofort immerhin noch mit 13 Tübinger Studierenden unterwegs. Von Ilhèus ging es mit dem Bus der Universität Santa Cruz weiter Richtung Fazenda Bom Pastor, welche mittlerweile im Besitz der NGO AMAP (Almada Mata Atalântica Project) ist. Genauere Informationen zur Organisation können im Beitrag „Das HORITONTA-Festival und Goldkopflöwenäffchen“ nachgelesen werden.
Angekommen im ehemaligen Arbeiterhaus fingen wir direkt damit an unser Schlaflager für die kommenden Nächte auf der Veranda aufzuschlagen.
Nach der ersten Nacht im Freien, gab uns Martin Ebner am nächsten Morgen eine ausführliche Einführung über die kommenden Themengebiete. Darunter: Artenkenntnis, Biome, Geologie, Ökosystemfunktionen. Außerdem thematisierten wir die hiesige Landnutzungsform namens Cabruca, den Wasserzyklus, Nährstoffkreislauf sowie die gegebenen Bodeneigenschaften. Zum Selbststudium stellte Martin den Studierenden eine Reihe von Messinstrumenten zur Verfügung, mit denen eigene Projekte durchgeführt werden konnten. Dabei wurde unter anderem die Transpiration von Kakaobäumen unter unterschiedlichen abiotischen Faktoren gemessen sowie die Qualität von Gewässern untersucht.
Die Cabruca ist eine Landnutzungsform der Mata Atlântica, in der im Unterstand der Regenwälder Kakaobaume kultiviert werden. Dabei bleibt der Wald mit all seinen Funktionen erhalten.

Weibchen von Dactyloa punctata

Neben Kakao können auch Bananenstauden und Kautschukbäume in der Cabruca angebaut werden. Mittlerweile ist ein Großteil der Mata Atlântica durch die Cabrucas geprägt. Lediglich 7% sind insgesamt vom Primärregenwald übriggeblieben.
Direkt im Anschluss zur Einführung stieß Mirco Solé mit seinen brasilianischen Studierenden hinzu, welche uns von nun an begleiten. Nach einer Kennenlernrunde erklärte Mirco, welcher in Tübingen studierte und über Brasilien promovierte, um dann eine Professur an der UESC in Bahia zu bekommen, grundlegende Details des Bioms Mata Atlântica sowie seiner Forschung über Amphibien.

Die von Wied-Neuwied beschriebene Rhinella crucifer.

Um wie bereits erwähnt, fuhren Rainer und Mirko anschließend in Richtung Ilhéus um Telefonate führen zu können. Währenddessen verbrachten wir unsere Zeit auf der Nachbarfazenda Almada. Martin erläuterte uns dort weitere grundlegende Aspekte des brasilianischen Küstenregenwaldes. Darunter die besondere Häufigkeit und Vielfalt der Epiphyten, die lokalen geologischen Eigenschaften und den Zusammenhang zwischen dem humusreichen Boden und der Cabruca. Die Biologen und die brasilianischen Studierenden lernten dabei erste geoökologische Grundlagen kennen.
Zurück auf der Fazenda Bom Pastor übermittelte Rainer Radtke uns die Nachricht, dass die Lehrveranstaltung abgebrochen werden muss. Nachdem wir den Schock verdaut hatten und sich die Stimmung erholt hat, hörten wir zwei studentische Vorträge über Kakao und die zoologischen Besonderheiten der Neotropen.
Das Programm des zweiten Tages startete mit der Ankunft der brasilianischen Studierenden auf der Fazenda. Es wurden drei Gruppen gebildet. Zwei Gruppen blieben auf Bom Pastor, um mit Martin und Mirco einen nahegelegenen Trail zu erkunden. Auf diesem ging es primär um die Botanik und Zoologie der Cabruca sowie dessen Bestimmung, die Infiltration unter verschiedenen Bodenbedingungen und die Messung der Feldkapazität. Diese ist ein wichtiger Parameter des Wasserhaushaltes eines Bodens und beschreibt die Fähigkeit die maximale Wassermenge im Boden entgegen der Schwerkraft halten zu können.

Unter der Anleitung von Martin Ebner untersuchten die Studierenden die Infiltrationskapazität.

Während die anderen auf dem Trail waren machte sich die dritte Gruppe mit Rainer Radtke und dem Guide Jiomario ‚Bila‘ dos Santos Souza auf den Weg, um die, nur an der Küste Bahias vorkommenden, Goldkopflöwenäffchen aufzuspüren. Bila erforscht die Äffchen seit über 20 Jahren und kennt sich bestens im AMAP Gebiet aus. Die Goldkopflöwenäffchen (Leontopithecus chrysomelas) gehören zur Gattung der Löwenäffchen, welche der Familie der Krallenaffen (Callitrichidae) zuzuordnen ist. Sie sind in der Region mit 5.000 bis 7.000 Individuen endemisch und finden sich in der Cabruca sehr gut zurecht. Klares Erkennungsmerkmal sind die goldgelben Vorderpfoten und Mähne. In der Nähe der Fazenda leben zwei Gruppen der Goldkopflöwenäffchen, von denen jeweils ein Individuum mit einem Sender ausgestattet ist, was die Suche für uns deutlich vereinfachte. Neben den Goldkopflöwenäffchen kommen im gleichen Gebiet die Kuhl Büschelaffen (Callithrix kuhlii) vor, die auch zur Familie der Krallenaffen gehören. Die beiden Spezies tolerieren sich und stehen nicht in Konkurrenz.

Kuhl Büschelaffe, Callithrix kuhlii

Wir konnten die beiden Arten in ihrem natürlichen Lebensraum sehr gut beobachten. Am Nachmittag wurden die Gruppen gewechselt. Nachdem sich die brasilianischen Studierenden am Abend auf den Heimweg gemacht hatten, beschäftigten sich manche mit den laufenden Projekten während andere die Zeit nutzten, um an ihrem Tang zu arbeiten. Nach dem Abendessen fanden erneut zwei Vorträge statt. Dabei wurde der brasilianische Küstenregenwald und die Bedeutung der tropischen Wälder für das globale Klimageschehen thematisiert.

Am nächsten Tag herrschte Aufbruchsstimmung. Das Schlaflager auf der Veranda wurde abgebaut, ein wenig Ordnung geschaffen und um 8:30 Uhr reisten wir von der Fazenda Bom Pastor ab. Auf dem Weg stoppten wir kurz, damit auch die letzte Gruppe die Goldkopflöwenäffchen sehen konnte und brachen nach Milagres auf. Doch wer hätte es gedacht: knapp 57 km und 30 min vor Ankunft, nach guten sechs Stunden Busfahrt, wendete sich das Blatt. Mirco bekam einen Anruf von der Universitätsleitung aus Ilhéus, mit der Ansage, die Veranstaltung sofort abzubrechen. Damit endete der Trip auch für uns – es ging zurück nach Ilhéus, wo wir nun die letzten vier Tage verbringen.

Anartia amathea

Danaus erippus

Dinia eagrus

Euphonia chlorotica

Psidium guajava

Mechanitis polymnia casabranca

Xylophanes tersa

Vor über vier Wochen sind wir – die Teilnehmer der diesjährigen Brasilienexkursion – voller Erwartungen und Vorfreude unsere Reise nach Brasilien angetreten. Diese Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Wir haben in dieser Zeit sehr viel erlebt und gesehen, von dem Artenreichtum des Regenwalds, darüber wie man ein Fahrzeug mit einem Küchenmesser repariert, bis hin zu den belebten Straßen von Rio de Janeiro. Während des vergangenen Monats haben wir sehr viel gelernt, viele wunderbare und interessante Menschen kennengelernt und sind als Gruppe zusammengewachsen.

Dabei hatten wir das Glück, ganz besondere Momente zu erleben. Lucas Assis, der in Rio de Janeiro ein Faultier in den Händen halten konnte, um es auf einen anderen Baum zu setzen. Dass sogar Rainer Radtke einen Vogel zu Gesicht bekommt, den er noch nie zuvor sah. Nicht mal der Dauerregen konnte lange unsere Stimmung trüben und liegengebliebene Autos wurden in Gelegenheiten verwandelt die Umgebung zu erkunden.

Aber wie alles im Leben hat auch das einmal ein Ende. Während für die meisten noch der geoökologische Teil der Exkursion ansteht, werden einige von uns nun die Heimreise antreten. Wir haben uns bereits von ein paar unserer Reisegefährten verabschieden müssen – von Uli K., Holger S. und Lucas Assis. Wir möchten uns von Herzen bei ihnen und natürlich auch bei allen anderen für die unvergessliche gemeinsame Zeit bedanken. Allen voran bei Rainer Radtke, durch den das alles erst möglich geworden ist. Ein Dankeschön auch an alle, die in den letzten Wochen diesen Blog und damit unser Abenteuer verfolgt haben.

Diese Exkursion wird uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben, zusammen mit all den Hochs und Tiefs, den Schreckmomenten sowie freudigen Überraschungen. Wir sind gespannt und freuen uns bereits darauf von unseren weiteren Erlebnissen berichten zu können.

Unser Abschied von Rio de Janeiro – ein Meer von funkelnden Lichtern.

Um einen Blick auf die Goldenen Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia) oder auf Portugiesisch Mico-leão-dourado, eine der bekanntesten Vorzeigearten Brasiliens, zu erhaschen, machten wir uns früh morgens auf den Weg in das Naturschutzgebiet der Associação Mico-leão-dourado (AMLD). Durch Sender, mit denen die Alphatiere der einzelnen Gruppen von den Rangern der Organisation ausgestattet werden, war es uns ein Leichtes die kleinen Krallenaffen ausfindig zu machen.

Die Vorbereitungen, bevor es zu den Löwenäffchen geht.

Rainer Radtke und die Mitarbeiter der NGO Goldgelbes Löwenäffchen (AMLD), die uns seit Jahren zuverlässig zu den Tieren führen.

Auf den ersten Blick fiel auf: die Affen leben in Verbänden mit dem eigentlich nicht einheimischen Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus). Dieser wurde im vergangenen Jahrhundert wegen ihres süßen Aussehens als Haustier aus dem Norden Brasiliens eingeführt und verdrängen die einheimischen Löwenäffchen, da sie die gleiche ökologischen Nische haben.

An der Futterstelle, an die die Tiere dieser Gruppe gewöhnt werden, um sie zur Besenderung einfangen zu können, ist die Sichtung leicht.

Leontopithecus rosalia

Ziel der AMLD ist es, seit ihrem fast 30-jährigen Bestehen, ein 25.000 ha großes, nicht fragmentiertes Habitat für die Affen zu kreieren, auf dem 2.500 Individuen Platz finden sollen. Denn das Hauptrisiko für die stark bedrohte Art ist die Degradation und vor allem Fragmentierung des Habitats im Atlantischen Regenwald nordöstlich der Stadt Rio de Janeiro, die zu Inzuchtdepressionen in den Einzelpopulationen führen kann. Dies soll unter anderem durch Bildung von grünen Korridoren vermieden werden, die die einzelnen Habitatfragmente untereinander verbinden. So wird im Moment an einer Brücke gebaut, die später bepflanzt werden und so eine Überquerungsmöglichkeit über die Bundesstraße BR101 für die Primaten bieten soll. Neben den vielen einheimischen Arten wurden auch andere Arten angepflanzt, mit dem Ziel die Bodenqualität zu verbessern.

An anderer Stelle hat das bereits gut funktioniert: seit 17 Jahren besteht ein Korridor, der eine Fazenda mit einem großen angrenzenden Waldstück verbindet. Der Korridor wurde von den Tieren gut angenommen und trägt zum Austausch verschiedener Gruppen bei.

Außerdem wird durch die Mitarbeiter der AMLD großflächig Brach- und Weideland renaturiert, indem sie dieses mit einheimischen Arten, die die Goldenen Löwenäffchen als Lebensraum präferieren, wieder bepflanzen. Das Land für dieses Vorhaben erhält die Organisation vor allem durch Spenden vom Staat und von NGOs. Populationen vor Ort wurden durch das Einbringen von in Zoos gezüchteten Individuen gestärkt und so die genetische Vielfalt erhöht.

Die erste Vegetationsbrücke Brasiliens führt nahe der Station über die auf vier Spuren ausgebaute BR101 und verbindet ein Waldgebiet und einen frisch gepflanzten Korridor.

Unser Jahrgang war der erste, der das neue Forschungs- und Tourismuscenter der AMLD bestaunen durfte, welches dieses Jahr eingeweiht wurde. Auf dem ehemaligen Farmgelände entstand in den letzten Jahren eine Station für die Mitarbeiter aus dem biologischen wie journalistischen Bereich und ein Empfangszentrum für interessierte Besucher. Um den Erhalt dieser Art zu gewährleisten, will die AMLD in Zukunft die einheimische Bevölkerung erreichen. Sie erhoffen sich dadurch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung zu erhalten. In dem geplanten Straßencafé soll über die Tiere informiert werden.

Luis Ferraz, der Leiter der AMLD stellt die neusten Entwicklungen bei den Löwenäffchen vor und u.a. auch dass durch die letztjährige erneute Gelbfieberepidemie die Population von zirka 3200 auf 2500, also um ca. 35 %, abgenommen hat.

Die Organisation hat seit ihrer Gründung viel erreicht. Während die Population anfangs nur noch etwa 200 Tieren umfasste, so waren es im Jahr 2014 bereits wieder 3.700 Individuen. Tragischerweise setzte die Gelbfieberepidemie im Jahre 2017 den Primaten sehr zu. Nur 68% der Affen überlebten den Ausbruch der Krankheit. Glücklicherweise konnte die Population sich seitdem wieder erholen. Wir bedanken uns bei der AMLD für die spannenden Einblicke in ihre Arbeit und verfolgen die Entwicklungen in Zukunft gespannt!

Das obligatorische Gruppenbild, dieses Mal schon an der neuen Station.

 

 

Nach einer weiteren tagesfüllenden Busfahrt erreichten wir in den Abendstunden endlich unser letztes Ziel der zoologischen Exkursion: Rio de Janeiro. Die ehemalige Hauptstadt Brasiliens (1815-1960) in der Guanabara-Bucht, erstreckt sich über ein Gebiet von 1.200 km2 und beherbergt nach Schätzungen etwa 7 Millionen Menschen.

Erster Stopp war der Aussichtspunkt Morro Dona Marta.

Wir kamen im Stadtteil Flamengo unter, von welchem wir am nächsten Morgen zu einer Entdeckungstour durch die Stadt aufbrechen.

Was natürlich bei unserem Besuch nicht fehlen durfte, war das Wahrzeichen der Stadt: Die 38 m hohe Christusfigur auf der Spitze des Corcovado. Dieser liegt inmitten des Nationalsparks Tijuca, welcher durch die geschützten Flächen von Atlantischem Regenwald über einen beeindruckenden Artenreichtum verfügt.

Bei der Christusfigur herrschte großer touristischer Andrang.

Blick über Rio de Janeiro mit dem Zuckerhut im Hintergrund.

Von dieser Vielfalt konnten wir uns direkt auf dem Rückweg ein Bild machen, als ein Braunkehl-Faultier (Bradypus variegatus) unseren Weg kreuzte.Die baumbewohnenden Einzelgänger sind zwar nicht selten, jedoch durch ihre arboreale Lebensweise und ihre Tarnung in Symbiose mit Cyanobakterien nicht leicht zu entdecken. Wir schienen Glück gehabt zu haben, ein Faultier am Boden vorgefunden zu haben.

Zwischen Corcovado und Tijuca querte ein Dreizehenfaultier unseren Weg.

Im gleichnamigen Stadtviertel besuchten wir anschließend den Jardim Botânico (Botanischen Garten), der 1808 von João VI gegründet wurde und 140 ha umfasst, auf denen 6.500 Arten zu finden sind. Dazu zählen einheimische, wie eingebrachte Pflanzenarten, sowie aus dem angrenzenden Atlantischen Regenwald immigrierte Tierarten.

Unter anderem Weißbüschelaffen (Callithrix jacchus) und Schwarze Kapuzineräffchen (Sapajus nigritus).

Callithrix jacchus

Sapajus nigritus

Die Kuratorin der Orchideensammlung Delfina de Arãujo zeigte uns bei einer privaten Führung einige ihrer Lieblingsexemplare abseits des öffentlich zugänglichen Bereichs im Orchideenhaus. Diese sind oft seltene Arten, im Gegensatz zu den Publikumsmagneten im Haupthaus, bei denen es sich häufig um Hybride handelt, die sich durch spektakulär große und farbenfrohe Blüten auszeichnen.

Delfina de Arãujo und Lucas Assis vor dem Orchideenhaus.

Ein Gruppenbild im botanischen Garten.

Die älteste Orchidee in der Sammlung des botanischen Gartens.

Gomesa radicans

Psychopsis papilio

xRodricidium, ein Hybrid aus den Gattungen Oncidium und Rodrigueza.

xVanda Mimi Palmer

Dieses Exemplar von Cattleya labiata wurde im botanischen Garten fotografiert. Normalerweise kommt die Pflanze im atlantischen Regenwald im Nordosten Brasiliens vor.

In den nächsten fünf Bildern sind verschiedene Hybriden der Gattung Cattleya zu sehen.

Viele der für uns so schön wirkenden Farben und Formen dienen der Attraktion von Bestäubern der häufig sehr spezialisierten Blüten. Manche von ihnen täuschen vor Paarungspartner zu sein, um so unter anderem männliche Bienen anzulocken. Bestäuber der seltenen Schönheiten sind zum Beispiel Stachellose Bienen der Gattungen Melipona, Tetragonisca und Nannotrigona, die direkt nebenan in Bienenbeuten gehalten werden. Viele Arten sind durch Abholzung, Pestizideinsatz und Nestbeschädigung bei Honigernte bedroht und finden in den vielen alten Bäumen des Botanischen Gartens Unterschlupf.

Melipona quadrifasciata

Melipona rufiventris

Nannotrigona testaceicornis

Tetragonisca angustula

Andere Highlights waren der Brasilholzbaum (Caesalpina echinata), der aufgrund seines roten Holzes als Färbemittel beliebt am portugiesischen Königshof war und deswegen fast vollständig aus seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet zwischen Rio de Janeiro und São Paulo verschwand. Heute ist durch Ausbringung von Keimlingen der Bestand gewahrt und sogar auf eine weitere Fläche verteilt.

Holz von Caesalpina echinata.

Auch die Jackfrucht (Artocarpus heterophyllus) und einen Verwandten der Paranuss, den fledermausbestäubten Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis) konnten wir aus nächster Nähe bewundern.

Artocarpus heterophyllus

Couroupita guianensis

Blüte des Kanonenkugelbaumes.

Mangrovereiher (Butorides striata) auf Victoria amazonica.

Tropidurus torquatus

Dottertukan (Ramphastos vitellinus)

Ein Fregattvogel.

Weißbauchtölpel (Sula leucogaster)

 

1989 starteten wir mit der 1. Brasilienexkursion der Uni Tübingen. Jetzt geht die 27. zu Ende und ich, Rainer Radtke, leite sie zum 25. Mal. Nur zwischen 1994 und 1997 war ich zweimal nicht dabei. Solange hat es gedauert, bis die Exkursionsteilnehmer und ich die zweite in Brasilien vorkommende Wehrvogelart (Anhimidae) zu Gesicht bekamen, den Hornwehrvogel Anhima cornuta.

Obwohl die Tiere nahezu brasilienweit vorkommen, habe ich sie seit meinem ersten Brasilienaufenthalt im Jahre 1985 nie entdeckt. Auf brasilianischem Portugiesisch wird die Art anhumainhuma, inhaúma, unicorne (Einhorn), licorne, anhima, alicorne, cuintáu, ema-preta, cametau, guandu (Mato Grosso), caiuí, itaú genannt. Der wissenschaftliche Name geht auf die Tupi-Sprache zurück und bedeutet schreiender schwarzer Vogel mit Horn.

Von Ipanema, MG, führte uns Antonio Bragança zu eicnem See bei Barra do Figueira nahe Pocrane. Bragança begleitet die Exkursion immer wieder seit unserem ersten Aufenthalt 2013 bei den Muriquis.

Hornwehrvogel  – Facebook Eintrag

Die Teilnehmer der Exkursion bei der Beobachtung des Hornwehrvogels.

Anhima cornuta

Vorsichtig näherten wir uns mit einem Boot, um einen besseren Blick auf den scheuen Vogel erhaschen zu können.

Zwischen Caraça und Ipanema ist ein Stopp an der Raststätte Cotoché mit ihrem künstlichen Wasserfall obligatorisch.

Der Dauerregen führte zu schwierigen Pistenverhältnissen.

Die folgenden Tage verbrachten wir in der von Bergen umringten Kleinstadt Ipanema, an der Grenze zwischen Mata Atlantica und halbimmergrünem Wald .
Da in der Region viel Kaffee angebaut wird, erläuterte Dr. Dagmar Lange von der Uni Landau die Botanik und Nutzung des Genussmittels.
Wir besuchten das nahegelegene private Naturschutzreservat Feliciano Miguel Abdala (RPPN – Reserva Particular do Patrimônio Natural), in dem unter anderem eine der 25 am stärksten bedrohten Primatenarten weltweit vorkommt: die Muriquis oder Spinnenaffen (Brachyteles hypoxanthus). Also eine Besonderheit, sollten wir diese wirklich zu Gesicht bekommen.

Schon die Ankündigung des privaten Schutzgebietes deutet darauf hin, dass die Organisation Muriqui nicht gerade in Geld schwimmt.


Außerdem leben in dem Gebiet Kapuzineräffchen (Populärname: Macaco prego), Brüllaffen (Alouatta guariba) und Krallenaffen (Callithrix flaviceps). Die Populationen der letzteren beiden Arten litten sehr unter einer Gelbfieber Epidemie im Jahr 2015. Von den Brüllaffen überlebten schätzungsweise 10%, von den Krallenaffen wurden lediglich 7 Individuen wieder gesichtet.

Von unserem Guide Roberto, der im Reservatsgebiet geboren wurde und seit 39 Jahren hier arbeitet, erhielten wir bald die Nachricht, die Muriquis hätten in der Nähe der Forschungsstation übernachtet und seien dort vermutlich auch morgens noch anzutreffen. Also schnell zu Fuß zu besagter Stelle. Und tatsächlich: in der Queenpalm (Syagrus romanzoffiana) tummelten sich erst wenige, dann immer mehr Individuen, einschließlich Weibchen mitsamt Nachwuchs. Eine Weile beobachteten wir, wie die friedlichen Muriquis (In der Sprache der indigenen Bevölkerung bedeutet das „die Sanftmütigen“) sich über die Früchte hermachten. Auf einmal entstand Chaos, ein Hund bellte und die Affen erschreckten sich. Bei dem Gedränge stürzte eines der Jungtiere die 15 m hohe Palme hinunter. Nach einigen Minuten, in denen wir alle den Atem anhielten, war klar, dass es dem Kleinen gut ging. Es bewegte sich normal und als wir auf Abstand gingen, kam seine Mutter aus dem Dickicht und holte es zurück zur Gruppe. Wir hoffen, dass der Sturz keine langfristigen Folgen haben wird.

Gleich nach Ankunft an der Station zeigten sich die Spinnenaffen.

Brachyteles hypoxanthus

Dem Jungtier schien der Sturz glücklicherweise nicht zu sehr zugesetzt zu haben.

Schattenriss.

Kleinere und größere regenbedingte Pausen nutzten wir, um den Berichten der Masterstudentinnen Isabela, Amanda und Mariliha über ihre Arbeit zu lauschen. Im Wesentlichen ging es dabei um das Sozialverhalten der friedlichen Tiere, die auch scherzhaft Hippie-Affen genannt werden, da sie keine Rangordnung haben. Insbesondere die Männchen stärken ihre Bindung über regelmäßigen Körperkontakt und Umarmungen.

Die brasilianischen Projektmitarbeiterinnen erläuterten ihre wissenschaftliche Arbeit.

Das Schutzgebiet ist nach Dom Feliciano Miguel Abdalla benannt.

Amanda stellt ihr Projekt vor. Im Vordergrund Francine und Douglas aus Kanada, die seit sechs Jahren von Vancouver Island aus bis Feuerland unterwegs sind.

Von links nach rechts: Rainer Radtke, Isabela, Amanda und Mariliha.

Auf weiteren Wanderungen durch das Gebiet hatten wir tatsächlich das Glück auch einzelne Brüllaffen und Kapuzineräffchen in den Baumkronen zu sichten.

Auf dem Weg zu Callithrix flaviceps.

Alouatta guariba

Lediglich die ausgesprochen seltenen Krallenaffen ließen sich trotz längerer Suche am Ufer des Rio Manhuaçu nicht blicken.
Stattdessen fanden wir in der vom Regen feuchten Erde eine tropische Schleierdame (Phallus indusiatus), sowie den von Maximilian zu Wied-Neuwied entdeckten und nach ihm benannten Horned Frog (Proceratophrys boiei).

Der Abschied von Roberto und den Muriquis versank im Schlamm.

Etwa 25 km von Ipanema entfernt, an einem kleinen Weiher, machten wir uns auf die Suche nach dem Hornwehrvogel (Anhima cornuta). Kaum entfernten wir uns ein paar Meter von der Straße, entdeckten wir neben einem Töpfervogel (Furnarius rufus), der sein Nest oben in den Bäumen aus Lehm baut, den im atlantischen Regenwald endemischen Teque-Teque Vogel (Todirostrum poliocephalum) und einen Ausschnitt der bunten Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt dieser Region.

Furnarius rufus

Antônio Braganca führte uns über die schlammigen Wege zu einem abgelegenen Grundstück, auf dem der scheue Wehrvogel lebt. Das dort brütende Weibchen wurde angeschossen, kann aus diesem Grund nicht mehr fliegen und ist seitdem an diesen Standort gebunden. Markant und namensgebend für diese Art, die selbst für Rainer Radtke eine Neuheit war, ist der mit dem Schädel verbundene Hornfortsatz des Entenvogels. Vorsichtig näherte sich eine kleine Gruppe mit einem Boot, um einen besseren Blick durch die dichte Vegetation auf den besonderen Vogel zu erhaschen. Zufrieden mit unseren erfolgreichen Beobachtungen der letzten Tage, machten wir uns auf in Richtung Rio de Janeiro.

Anhima cornuta

Hier einige weitere Bilder zu unserem Aufenthalt in Ipanema:

In Ipanema reitet man gerne auch mal auf einer Kuh.

Der Yellow-lored tody-flycatcher (Todirostrum polycephalum) ist endemisch in Brasilien.

Streamer-tailed tyrant (Gubernetes yetapa)

Icterus jamacaii

Rotrückenara (Primolius maracana)

Weißbrust-Ameisenwürger (Taraba major)

Blue-black grassquit (Volatinia jacarina)

Heliconius sara apseudes

Dieses Exemplar gehört der Familie Mutilidae an. Die flügellosen Weibchen dieser Wespen ähneln großen, haarigen Ameisen.

Nephyla sp.

Nephyla sp.

Rhinella granulosa

 

 

„Halte an… Sieh dich um… Erlebe die Natur“, steht auf diesem Schild geschrieben und soll uns an die Schönheit der Natur erinnern.

Saphiramazilie (Amazilia lactea) bei der Nahrungsaufnahme

Blaukopfpitpit (Dacnis cayana)

Cayenneralle (Aramides cajaneus)

White-eyed parakeet (Psittacara leucophthalmus)

Rotbauchdrossel (Turdus rufiventris)

Masked water tyrant (Fluvicola nengeta)

Elstertangare (Cissopis leverianus)

Long-tailed tyrant (Colonia colonus)

Gilt-edged tanager (Tangara cyanoventris)

Haubenkapuziner (Cebus apella)

Stolas conspersa

Phoebis sp.

Morpho helenor achillides

Heraclides astylus

Weibchen und Männchen von Heraclides astylus

Heliconius besckei

Dione juno

Hedychium coronarium

Epidendrum secundum

 

Nach einer etwa 8 stündigen Busfahrt kamen wir am Kloster Caraça an. Dieses liegt mitten in einem privaten Schutzgebiet (RPPN Santuário do Caraça) und wurde 1770 von Irmão Lourenço erbaut. Dieser Ort wird im Rahmen der Brasilienexkursion besucht, da man dort garantiert Mähnenwölfe (Chrysocyon brachyurus), die größten südamerikanischen Wildhunde, aus nächster Nähe beobachten kann. Diese werden dort seit 36 Jahren gefüttert und kommen fast jeden Abend bis vor die Treppen der Kirche.

Die beiden Exkursionsleiter Rainer Radtke und Lucas Assis im Dauerregen im Kloster Caraça

Schon während der Fahrt änderte sich die Landschaft allmählich von Cerrado hin zum Atlantischen Regenwald.

Wie auch schon in den vorherigen Stationen verfolgte uns der Regen. Somit standen die Chancen nach unserer Ankunft schlecht, die nachaktiven Tiere zu sehen, da sich diese bei Nässe selten bis gar nicht zeigen. Wir sollten jedoch Glück haben, denn an diesem Abend kamen zuerst das kleinere Weibchen und danach das Männchen zum Fressen vorbei. Obwohl Mähnenwölfe außerhalb der Paarungszeit solitär leben und Männchen und Weibchen getrennt jagen, bewohnen sie gemeinsam ein Territorium (25 – 60 km2) und bleiben ein Leben lang monogam. Hin und wieder stibitzten die kleinen Crab-eating Foxes (Cerdocyon thous) Knochen aus dem großen Topf.

Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus)

Crab-eating foxes (Cerdocyon thous)

Nachdem wir die beiden Mähnenwölfe gesehen hatten, hat sich eine kleine Gruppe zusammen mit unserem Exkursionsleiter Lucas Assis auf den Weg zu einem nahegelegenen Teich gemacht. Dort fanden sie einen Kolbenfinger-Laubfrosch (Boana faber, Wied Neuwied 1821). Der Frosch wird 8,5 – 9,5 cm groß. Die männlichen Tiere bauen die Nester aus Schlamm, damit das Weibchen 3.000 – 4.000 Eier hineinlegen kann. Das Männchen betreibt hierbei auch die Brutpflege. Neben dem Frosch fanden wir einige sehr bunte Nachtfalter.

Kolbenfinger-Laubfrosch (Boana faber)

Aufgrund des noch immer anhaltenden Regens verbrachten wir den Vormittag des nächstens Tages mit unterschiedlichen Vorträgen. Zwei der Präsentationen wurden von Dr. Dagmar Lange und Holger S. gehalten. Dagmar erzählte uns etwas über die Vegetationsform Cerrado (Buschlandschaft), während Holger über die Geschichte Brasiliens berichtete. Beide Vorträge waren überaus spannend.

Der tagelange Dauerregen erlaubte es uns die Vorträge der Exkursionsteilnehmer vorzuziehen. Bei Holger S. hat sich das Studium der Empirischen Kulturwissenschaften und Neueren Geschichte bewährt.

Nachmittags haben wir dem Regen getrotzt und sind auf dem Wanderweg „Banho do Belchior“ gelaufen, wobei wir eine Raupe der Gattung Automeris sp. entdeckten. Mehr konnten wir leider nicht sehen, da die Tiere sich wegen des Regens versteckten.

Raupe der Gattung Automeris sp.

Nachdem wir unterwegs waren, trafen wir uns im Café des Klosters, um den Geburtstag von Xenia S. zu feiern. Zu diesem Anlass hat Rainer Radtke Kuchen besorgt, den wir mit Kaffee und Kakao verspeisten.

Anlässlich des Geburtstages von Xenia S. wurde Kuchen gereicht.

Während des Sonnenuntergangs kam ein Mähnenwolf urplötzlich zum Kloster und überraschte alle Anwesenden. Sogar Rainer Radtke hatte noch nie einen Mähnenwolf bei Tageslicht gesehen. Es stellte sich raus, dass es sich um eines der Jungtiere handelte, die letztes Jahr zwischen April und Juni zur Welt gekommen sind. Sie wurden noch nicht von den Eltern aus dem Territorium vertrieben, wie es für Mähnenwölfe üblich ist. Kurze Zeit später kam ein zweites Junges zum Fressen dazu. Für uns war es ein wahres Spektakel, die beiden Mähnenwölfe miteinander interagieren zu sehen.

Völlig überraschend tauchten am zweiten Regentag noch bei Licht gleichzeitig zwei Mähnenwölfe auf, die entsprechend dokumentiert wurden.

Völlig überrascht von der Tagsichtung eines Mähnenwolfes verwackelte der Fotograf das Bilddokument.

Besonders auffällig bei den Mähnenwölfen sind ihre übergroßen Ohren, die permanent in Bewegung gehalten werden.

Bei dem gleichzeitigen Auftreten der beiden Mähnenwölfe muss es sich um letztjährige Geschwister gehandelt haben.

Tag drei im Regen verbrachten wir morgens wieder mit Vorträgen. Um uns die Zeit bis zum Ende des Regens zu vertreiben, zeigte uns Lucas Assis im Nebel die Klosteranlage. Nachmittags hielten wir es nicht mehr aus in den Mauern des Klosters zu sitzen und spazierten die Straße entlang. Dort fanden wir einen wunderschönen Kolibri, einen Brazilian Ruby (Clytolaema rubicauda), als Highlight des Ausflugs. Das Männchen weist eine leuchtend pinke Kehle auf. Unter anderem sahen wir auch die handgroßen Früchte des Wolfsapfel (Solanum lycocarpum), welche einen großen Anteil der Nahrung der Mähnenwölfe ausmachen. Neben Früchten ernähren sie sich außerdem von kleinen Säugern, Vögeln und Insekten. Abends konnten wir erneut die Mähnenwölfe und Crab-eating Foxes bestaunen.

Dichter Nebel über der Klosteranlage.

Brazilian Ruby (Clytolaema rubicauda)

Zu unserer Verwunderung schien tatsächlich am letzten Tag unseres Aufenthalts die Sonne. Voller Tatendrang machten wir morgens eine Tour zu einem der Wasserfälle in der Umgebung des Klosters. Dort sahen wir einen Yellow-headed Caracara (Milvago chimachima). Leider machten sich die anderen Vögel morgens noch recht rar und so fassten wir den Plan nachmittags erneut zum Wasserfall zu gehen.

Wasserfall in der Nähe des Klosters.

Yellow-headed Caracara (Milvago chimachima)

Das Kloster von einem Aussichtspunkt aus.

Nachmittags fanden wir auf einem anderen Trail die Brassy-breasted Tanager (Tangara desmaresti). Wieder auf dem Weg zum Wasserfall entdeckten wir einen ganz besonderen Vogel: Den Spix´s spinetail (Synallaxis spixi). Auf dem Weg zurück zum Kloster trat eine der Exkursionsteilnehmerinen beinahe auf eine giftige Lanzenotter, Bothrops neuwiedi. Zum Glück ist keinem etwas passiert und die Schlange verschwand im Gebüsch.

Auch an diesem Abend besuchte uns der Mähnenwolf. Leider warteten wir die ganze Zeit vergebens auf den Tapir. Zwar hatten wir auf unseren Kamerafallen Bilder von 03:00 morgens, jedoch konnte keiner von uns dieses Tier mit eigenen Augen sehen.

Nach einem zwar verregneten, aber dennoch wunderschönen Aufenthalt brachen wir – wie auch nicht anders zu erwarten – im Regen zu unserem nächsten Halt in Ipanema, MG, auf.

Bronzeguan vor dem klösterlichen Garten.

Am selben Abend sind wir nach São João da Chapada gefahren, einem kleinen Dorf, dessen Einwohner vom Diamantenschürfen leben. Am folgenden Tag konnten wir diese Arbeit aus nächster Nähe beobachten.

In den „Bauerngärten“ der lokalen Bevölkerung werden auch vereinzelt Tabakpflanzen angebaut

Rubens, der Sohn unserer Köchin Jucirlei ist u.a. Garimpeiro also Diamantenwäscher und demonstrierte den Exkursionsteilnehmern den Ablauf seiner Arbeit.

Rubens beim Aussieben

Wenn Diamanten im Sediment gefunden werden, findet man sie in dem schwarzen zentralen Bereich.

Das Geheimnis der Stadt. Ein Turm und eine einstürzende Mauer sollen angeblich ein Geheimnis bewahren. 

Cleistes paranaensis

Epistephium lucidum

Burrowing owl (Athene cunicularia)

Nachmittags haben wir mit Rubens, einem Dorfbewohner, einen Quilombo besucht. Die Quilombos dienten früher als Zufluchtsorte für geflohene Sklaven in Brasilien. Da die Strafe für flüchtige Sklaven der Tod oder Verstümmlung waren, lagen die Quilombos sehr abgelegen und wurden von den Bewohnern in der Regel gewaltsam verteidigt. Der berühmteste Quilombo war der von Palmares, der zwischen 20.000 bis 30.000 Menschen beherbergte und zahlreichen Eroberungsversuchen widerstand.

Im Dorf fanden wir unter einem Palmwedel eine Schlange, die bei erster Betrachtung wie eine Lanzenotter (Bothrops spec.) aussah, sich jedoch schließlich als ungiftige Bananennatter (Leptodeira annulata) herausstellte.  Wir haben sie eingefangen und weit außerhalb des Dorfs freigelassen, da die Dorfbewohner die Tiere aus Furcht vor Sekundärinfektionen üblicherweise umbringen.

Mit Rubens besuchten wir den Quilombo Quartel da Indaia, früher ein Rückzugsort für geflüchtete Sklaven. Seine Großmutter berichtete energiegeladen aus ihrem Leben.

Bananennatter (Leptodeira annulata)

Eine weitere Auffälligkeit waren die sozial lebenden Spinnen, die ihre großen Netze vor allem an Straßenlaternen gebaut haben. Leider konnten wir diese nicht näher bestimmen, weil wir weder Augen noch Spinnwarzen erkennen konnten.

Soziale Spinnen sind in den Tropen/Subtropen nicht selten.

Nach heftigen Regengüssen erschien São João da Chapada erneut im Nebel

Im heutigen Kindergarten von São João da Chapada, eine Einrichtung des Kolpingwerks Deutschland, kochten wie in den Jahren zuvor unsere Köchinnen Jucirlei, Rosana und Camila. R. Radtke (li.) und Lucas Assis im Hintergrund.

Ein Weibchen des Glittering-bellied Emerald (Chlorostilbon lucidus) in seinem Nest, wo sich noch ein winziges Küken befindet.

 

 

Ein Strauch mit auffallend großen, rosafarbenen Blüten fiel uns auf der Wanderung durch die Vegetation des Cerrado in der Umgebung von Diamantina ins Auge. Dieser Strauch trägt den bezeichnenden Namen Rosa-do-campo, Kielmeyera rubriflora, und gehört zur pantropisch verbreiteten Familie der Calophyllaceae. Carl Friedrich Philipp von Martius benannte 1858 in seiner Flora Brasiliens (12/1:293) die Gattung Kielmeyera zu Ehren von Carl Friedrich Kielmeyer, einem Mediziner, Naturforscher, Chemiker und Biologen, der am 22.10.1765 in Bebenhausen geboren wurde und von 1796 bis 1816 als Professor für Chemie und Botanik an der Universität Tübingen wirkte. 1804 beauftragte ihn Herzog Friedrich mit der Anlage des damals neuen Botanischen Gartens, der sich zwischen Rümelinstraße, Am Stadtgraben (früher Grabenstraße) und Wilhelmstraße erstreckte und vom Ammerkanal durchflossen wurde. Nach der Verlegung des Gartens auf die Morgenstelle 1970, wurde der bisherige zum Stadtpark umgestaltet. Kielmeyer starb am 24.9.1844 in Stuttgart. Der Name dieser Pflanze erweckte in mir Erinnerungen an meine eigene Studienzeit an der Universität Tübingen, da ich 1976-77 in der dortigen Kielmeyerstraße wohnte.

Kielmeyera rubriflora

Dr. Dagmar Lange, 3.3.2020

Von der Fazenda Santa Clara waren wir 26 Stunden mit Bussen und Flugzeugen unterwegs, bis wir abends Diamantina erreichten. Zwischendurch konnten wir ein wenig am Flughafen von São Paulo schlafen, wo wir 3 Stunden auf unseren Anschlussflug nach Belo Horizonte warteten.

Auf dem Weg von Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaats Minas Gerais, nach Diamantina machten wir einen Zwischenstopp an der Höhle Gruta do Maquiné. Die Tropfsteinhöhle ist 650 m lang und an ihrer höchsten Stelle 18 m hoch. Sie wurde 1825 von dem damaligen Landbesitzer J. M. Maquiné entdeckt und 1835 durch den dänischen Paläontologen und Botaniker Peter W. Lund erforscht. Er beschäftigte sich mit den 7 Kammern der Höhle, die heute von Besuchern besichtigt werden können. Dabei fand er Skelette heute ausgestorbener Arten und eine Höhlenmalerei, die wahrscheinlich auf einen nomadischen Stamm von vor 5000 – 6000 Jahren zurückgeht. Bekannt ist die Höhle, weil man durch diese Funde nachweisen konnte, dass der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) noch zeitgleich mit der Megafauna (z.B. Riesenfaultier, Riesengürteltier) gelebt hat.

Zur Vorbereitung auf die geführte Tour in die Maquiné Höhle prüften wir unsere Haarnetze

… auf welche anschließend die Bauhelme aufgesetzt wurden.

Auf der Weiterfahrt konnten wir den für Minas Gerais charakteristischen Landschaftstyp, den Cerrado, sehen. Der Cerrado ist eine Savanne, die aus hohem Gras mit vereinzelten niedrigen Bäumen (3 – 9 m) besteht. Er erstreckt sich über eine Fläche so groß wie Alaska im Inland Südost-Brasiliens, bis an die Grenzen zu Bolivien und Paraguay. Das Klima ist halbtrocken mit einer Regenzeit von Oktober bis April. In dieser Zeit fällt der Großteil des Jahresniederschlages, der ungefähr bei 1000-2000 mm/a liegt. Tübingen: 780 mm/a. Während der Trockenzeit erreichen nur die Bäume Bodenwasser, während Gräser und Sträucher vertrocknen. Manche Pflanzen sind in der Lage ihr Chlorophyll nach Austrocknung neu zu bilden. Der Fachbegriff für diese Fähigkeit ist poikilochlorophyll.  Die Böden sind zwar tiefgründig, aber nährstoffarm und sauer, weshalb sie für die landwirtschaftliche Nutzung mit Kalk versetzt und gedüngt werden müssen. Das ist auch der Grund, warum hier natürlicherweise kein flächendeckender Wald vorkommt.

An einigen Stellen wurde großflächig gerodet, um Eukalyptusmonokulturen anzupflanzen. Die Stämme werden für die Cellulosegewinnung genutzt, die dann zum Beispiel in der Papierindustrie weiterverwendet werden. Ursprünglich kommt Eukalyptus aus Australien, Tasmanien und Ost-Indonesien. Die Bäume wachsen sehr schnell und werden aus diesem Grund weltweit in den Tropen und Subtropen als Nutzpflanzen angebaut. Da Eukalyptusblätter und -zweige ätherische Öle enthalten, erhöht die Anpflanzung die Gefahr der Ausbreitung von Waldbränden.

Leider konnten wir nicht wie geplant die nächsten Tage im Nationalpark Sempre-Vivas verbringen, weil die Zufahrtsstraße durch starke Regenfälle nicht passierbar war. Deshalb mussten wir auf ein Alternativprogramm ausweichen. Morgens wanderten wir zu der kleinen Fazenda von Laerte, der die Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris) nicht wie die meisten anderen Landbesitzer jagt, sondern regelmäßig mit Maisschrot füttert. Die Felsenmeerschweinchen sind durch verdickte Zehenballen und längere Beine an ein Leben in trockenem, felsigem Gelände angepasst. Zu ihren Fressfeinden gehören Pumas und Greifvögel.

Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris)

Kerodon rupestris mit Tropidurus torquatus

Die Felsvegetation der Region wird dominiert durch Vertreter der Familie der Eriocaulaceae und Velloziaceae. Beide gehören zu den Monokotyledonen, die Eriocaulaceae zur Ordnung der Poales (Süßgrasartige) und die Velloziaceae zu den Pandanales (Schraubenbaumartige).

Actinocephalus polyanthus gehört zu der Familie Eriocaulaceae

Im Anschluss sind wir entlang einer der ältesten Straßen Brasiliens zum Rio Jequitinhonha gefahren. Dort gab uns Uli K. einen Einblick in die bewegte Geschichte der Region: Die ersten Straßen Brasiliens wurden von Rio de Janeiro in das Landesinnere gebaut, um den Abbau von Gold und Diamanten zu fördern. Der Abbau begann in Brasilien zu Anfang des 18. Jahrhunderts und dauert bis heute an. Früher fand der Abbau unter der Führung des portugiesischen Königshauses statt. Es wurden ab 1538 Sklaven aus Afrika nach Brasilien gebracht, um auf Zuckerrohrplantagen zu arbeiten oder um Diamanten abzubauen. Erst 1888 wurde die Sklaverei in Brasilien beendet.

Zwei berühmte deutsche Naturforscher – Johann B. von Spix und Carl F. P. von Martius – kamen auf ihrer Brasilienexpedition auch genau an dieser Brücke vorbei. Die beiden waren 1817 in Erlangen als Teil der österreichischen Brasilienexkursion aufgebrochen und kamen 1820 zurück. Martius (Botaniker) verfasste zahlreiche Bände über die Flora Brasiliens, die noch heute als Grundlage der Erforschung der Botanik Brasiliens dienen. Spix publizierte über die Zoologie durch seinen frühen Tod (1826) jedoch deutlich weniger als von Martius. Bekannt sind seine Vogelbeschreibungen, weshalb man einen kleinen, blauen Ara nach ihm benannte. Der Spix-Ara (Cyanopsitta spixii) ist seit 2000 in der Wildnis ausgestorben, wird jedoch in verschiedenen Projekten gezüchtet. Gelebt hat er wahrscheinlich ausschließlich in den Galeriewäldern in Bahia.

Uli K. erläutert die Geschichte der Estrada Real

Der frühere Goethe-Instituts Bibliothekar Uli K. muss sich danach erstmal ausruhen.

Columbina picui strepitans: Eine von Spix im Jahre 1825 beschriebene Art

Im Anschluss betrachteten wir die Vegetation auf den dunklen Felsen in der Nähe des Flusses, auf denen die Temperatur in der Trockenperiode enorm ansteigt.

Portulaca hirsutissima besitzt starke Behaarung als Anpassung an hohe Temperaturen

Im Nationalreservat Biribiri haben wir uns im Wasserfall Cachoeira da Sentinela abgekühlt.

Ein Gruppenfoto beim Baden am Wasserfall Cachoeira da Sentinela

Nachmittags besichtigten wir Diamantina. Die Stadt liegt 284 km nördlich von Belo Horizonte und wurde im 17. Jahrhundert gegründet, als dort die ersten Diamanten Brasiliens gefunden wurden. Heute hat sie 44.000 Einwohner und eine wunderschöne Altstadt mit Gebäuden in barocker Bauweise, die 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde.

Das Gebäude des Instituto Casa da Glória ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Es wurde 1775 erbaut und zuerst von den Portugiesen, dann von katholischen Nonnen und nun von dem Eschwege Geology Center genutzt. Heute ist es ein Museum über die Geschichte des Hauses und die Geologie der Umgebung. Das Gebäude bietet eine Unterkunft für Forscher und Studenten auf Studienreise an.

Das Casa da Gloria

Von rechts ist ein Portrait von Baron von Eschwege zu sehen, der in den Jahren von 1809 – 1821 in Minas Gerais als Geologe aktiv war.

Eine Auswahl der Mineralien, die im Umfeld von Diamantina gefunden werden konnten im Casa da Gloria besichtigt werden. Das Museum steht unter der Verwaltung der föderalen Universität UFMG von Minas Gerais.

Am nächsten Tag sind wir mit Márcio Lucca, einem Umweltanalysten des ICMbio und ehemaligen Leiter des Nationalparks Sempre-Vivas, in den Ort Mendanha gefahren.

Auf dem Weg fand Lucas einen Großen Ameisenbär (Myrmecophaga tridactyla), der durch eine Kollision mit einem Auto verstorben ist. Diese Tiere ernähren sich vorwiegend von Ameisen und Termiten (35.000 täglich) worauf sie durch ihre lange Zunge (bis 60 cm) und Schnauze und je eine 10 cm lange Kralle an den Vorderpfoten angepasst sind. Sie kommen in Mittel- und Südamerika vor und bewohnen vor allem die Savanne, aber auch Wälder und Sumpflandschaften. Leider fallen sie häufig Verkehrsunfällen zum Opfer, weil ihre Augen nachts nicht reflektieren und sie nicht schnell genug laufen können, um Fahrzeugen auszuweichen.

Auf diese Weise wollten wir dem Großen Ameisenbären nicht begegnen.

Aus Zeitmangel konnten wir den 20 km langen Wanderweg (Camino des escravos) nicht komplett begehen, weshalb wir vom Ende des Weges einige Kilometer zu einem Wasserfall gelaufen sind. Der Weg wurde von Sklaven gebaut und zur Befestigung mit Steinen ausgelegt. Heute fehlen viele der Steine, weil sie von den Anwohnern für eigene Baumaßnahmen benutzt wurden.

Der Rio Jequitinonha in Mendonha bei Diamantina, wo der Caminho dos Escravos von Diamantina aus endet.

Als der Regen sich verzog, konnte ein Teil der Gruppe verschiedene Arten von Kolibris (Trochilidae) an einer Lichtung beobachten. Kolibris kommen fast in ganz Amerika, aber vorwiegend im tropischen Teil vor. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blütennektar, fangen aber auch Insekten und Spinnen als Eiweißquelle. Ihre Körperlänge samt Schnabel variiert zwischen 5 cm und 25 cm, die Schnabelformen sind jeweils an einen Blütentyp angepasst. Die Zunge ist lang und an der Spitze gespalten, um den Nektar aufnehmen zu können. Die schillernde Farbe des Gefieders – meistens an Kopf, Kehle oder Brust – entsteht durch Interferenz. Die Federn haben mehrere dünne Hornlamellen, die das Licht durch ihre leicht versetzte Position unterschiedlich reflektieren. Der berühmte Schwirrflug zeichnet sich durch eine Frequenz von 40 – 50 Flügelschlägen pro Sekunde aus und kann nur durch eine hohe Atem- und Herzfrequenz geleistet werden.

Die Kolibris besuchten vor allem Stachytarpheta glabra, eine blau blühende Pflanze mit besonders viel Nektar.

Western Swallow-tail Hummingbird (Eupetomena macroura)

Amethyst Woodstar (Calliphlox amethystina)

Amethystohrkolibri (Colibri serrirostris)

Fork-tailed woodnymph (Thalurania furcata)

Glittering-bellied Emerald (Chlorostilbon lucidus)

Sapphire-spangled emerald (Amazilia lactea)

Stachytarpheta glabra

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Xenia, die für uns diese wunderschönen Aufnahmen der Kolibris und auch noch viele weitere Fotos gemacht hat.

Auf dem Rückweg konnten wir zwei endemische Arten entdecken: Syagrus mendanhensis ist ein Palmengewächs (Arecaceae), das bisher nur an vier Fundorten im direkten Umkreis von Diamantina gefunden wurde. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Eine Besonderheit der Pflanze ist, dass sie sehr klein bleibt und ihre Früchte einer Studie zufolge sowohl von Vögeln als auch von Säugetieren besonders gerne gefressen werden. Cipocereus crassisepalus ist ein Kakteengewächs (Cactaceae), das bis zu 2 m groß wird und in der Roten Liste von Minas Gerais als stark gefährdet aufgeführt wird.

Syagrus mendanhensis

Zwei der Exkursionsteilnehmerinnen hatten besonderes Glück und stießen auf dem Rückweg auf einen schwarzen Jaguarundi (Puma yagouaroundi). Jaguarundis sind kurzbeinige, etwa 65 cm große Katzen, die trotz ihrer weiten Verbreitung nur selten in freier Wildbahn gesichtet werden. Da das Tier schnell wieder verschwunden war, konnten die Studentinnen leider keine Bilder von ihm machen.

Folgende Pflanzen haben wir auf der Rückfahrt in dem kleinen Ort Vau gefunden:

Der Annattostrauch (Bixa orellana) ist ein in den Neotropen vorkommender Strauch, der rote, stachelige Früchte und Samen bildet. Die Samen werden von Indios als Farbstoff für Körperbemalung, in Mittelamerika als Gewürz und als natürlicher Lebensmittelfarbstoff (E 160b – Bixin, Norbixin) benutzt.

Blüte des Annattostrauchs (Bixa orellana)

Früchte des Annattostrauchs

Aristolochia galeata, Dutch Pipe

Unsere beiden Busfahrer in Minas Gerais Jordano und Jorge.

Snail kite – Rostrhamus sociabilis

Nanday Parrot – Aratinga nenday

Monk Parakeet – Myiopsitta monachus

Kiebitz, southern lapwing – Vanellus chilensis

Crab eating Fox – Cerdocyon thous

Chalk browed mockingbird – Mimus saturninus

Black capped Donacobius – Donacobius atricapilla

Campo Flicker – Colaptes campestris

Ameisenwespe – Mutillidae, Formiga de bunda de ouro

Zeugen der Brände auf der Fazenda Santa Clara vom Ende des letzten Jahres

Pantanal Teil 2

Am ersten Morgen im Pantanal konnten Frühaufsteher einen Mittleren Ameisenbär (Tamandua teradactyla) bestaunen, während andere sich ganz darauf konzentrierten, den Moskitos zu entgehen und ihr Gepäck zu trocknen. An den folgenden Tagen führten unsere Guides Gordo und der stets barfüßige Pedro im umliegenden Gebiet umher, während das übrige Personal im Camp das Mittag- und Abendessen vorbereiteten und einen Traktor mit Anhänger als Ersatz für den Brutão vom nächsten, etwa 20 Kilometer entfernten Hof heranschafften.

Wer schon mal dabei war, weiß was das bedeutet.

Unter den Sichtungen und Funden befanden sich unter anderem Capybaras (Hydrochoerus hydrochaeris), Kaimane (Caiman yacare), Jabirus (Jabiru mycteria), Tigerdommeln (Tigrisoma lineatum), Kleine Blaureiher (Egretta caerulea), Wehrvögel (Chauna torquata), Pampashirsche (Ozotoceros bezoarticus) und Sumpfhirsche (Blastocerus dichotomus).

Tigerdommel (Tigrisoma lineatum)

Wehrvögel (Chauna torquata)

Sumpfhirsch (Blastocerus dichotomus)

Rot-grün Ara (Ara chloropterus)

Fischadler am Rio Abobral (Pandion haliaetus)

Amazona aestiva – Blaustirnamazone

Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus)

Die Sicherheit im Camp wurde so sichergestellt.

Die morgendlichen Exkursionen starteten wie immer um 5:30 Uhr und ermüdeten die jungen Leute doch sehr.

Dabei war ein besonderes Highlight das Finden einer Seekanne, Nymphoides grayana. Sie gehört zu den Fieberkleegewächsen. Bei uns in Deutschland gibt es von dieser Familie zum Beispiel der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und die Europäische Seekanne (Nymphoides peltata) die genauso wie Nymphoides grayana, Grays Seekanne, auf nassen Böden oder sogar im Wasser vor.

Seekanne (Nymphoides grayana)

Auf dem Weg zum Piranha-Fischen am zweiten Tag konnte außerdem ein Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexcinctus) gesichtet werden, das sich im gleichen gemütlichen Tempo fortbewegte wie der Traktor mit aufgeladenen Exkursionteilnehmenden (natürlich gab es auch bei dieser Autofahrt kurz nach der Abfahrt eine kleine Panne, es fehlten Radmuttern am Pickup, was eine kleine Verzögerung hervorrief).

Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexcinctus)

Weitere Arten von Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla), Gürteltieren sowie Nasenbären (Nasua nasua) zeigten sich leider nicht, was möglicherweise auf die extreme Trockenheit und die Feuer in diesem Jahr zurückgeführt werden kann. Die Trockenheit hatte den angenehmen Effekt, dass wir uns trockenen Fußes im Pantanal fortbewegen konnte, allerdings bedeutete sie auch, dass es außer warmen schlammigen Tümpeln keine Möglichkeiten zum Waschen von Geschirr und Exkursionsteilnehmenden gab.

Die weiteren Nächte blieben trocken und bis auf zahlreiche Moskitostiche und dieses Jahr auch mal Zecken gab es auch keine unangenehmen Zusammenstöße mit der Tierwelt, auch wenn neben Bienen (Apis mellifera) auch Wander- und Bananenspinnen (Phoneutria nigriventer) im Camp auftauchten. Neben Beobachtungstouren gehörten zum Programm auch nächtliches Sternegucken, Tattoos mit dem Fruchtsaft von Genipapo (Genipa americana), studentische Vorträge und das Flechten von Arm- und Halsbändern aus Palmenfasern.

Angeblich soll es den einen oder anderen Moskito gegeben haben.

Der Sternenhimmel mit Milchstraße über dem Camp.

Vorträge der Teilnehmer im Pantanal

Das typische Churrasco war jeden Abend unser kulinarischer Begleiter.

Nach drei Tagen und vier Nächten voller Erlebnisse und mit mehr Komfort im Pantanal als gedacht stand der Rückweg zur Fazenda Santa Clara an. Da der Traktoranhänger wesentlich weniger Platz bot als der Brutão, bedurfte es einer abenteuerlichen Gepäckkonstruktion über den Köpfen der Passagiere. Damit ging dann tatsächlich alles gut, die obligatorische Panne ging auf einen platten Reifen am Traktor zurück und ereignete sich fast genau an der Stelle, an der auch schon der Brutão aufgegeben hatte. Es konnte hier aber relativ schnell durch einen Holzkeil Abhilfe geschafft werden, der zur Entlastung des Plattfußes in die Radaufhängung gerammt wurde.

Zum Abschied von unserem Camp an der Baia Bonita fanden wir noch einen Harlequinbock (Acrocinus longimanus)

Als Ersatzfahrzeug für den liegengebliebenen LKW diente ein Traktor mit Anhänger.

Bei der Abreise vom Camp zur Fazenda wurden unsere Fahrzeuge stark gefordert.

Vorne links: zum ersten Mal hatten wir auf Sand einen Plattfuß

Reparaturvorbereitung

Mit zwei Wagenhebern auf einem Holzblock konnte der Traktor angehoben werden.

Vorbereitungen dazu, dass der Traktor auf drei Rädern weiterfuhr.

Der nun auf drei Rädern fahrende Traktor wurde zu seinem Besitzer zurückgebracht und Gepäck und Passagiere auf die Ladeflächen von zwei Pickups und den altbekannten Kleinbus der Fazenda umverteilt, der uns entgegengefahren war. Endlich erreichten wir dann die Fazenda, wo wir den Dreck der letzten Tage abwaschen, in Betten schlafen und wieder das Tapirbaby (Tapirus terrestris) streicheln konnten.

Der Brutão auf dem Heimweg.

Am nächsten Tag wurden noch Möglichkeiten zu Ausritten und Bootsfahrten geboten, bevor es abends wieder zum Flughafen losging in Richtung der nächsten Station, dem Parque Nacional das Sempre-Vivas.

Großschnabel Seeschwalbe – Phaetusa simplex

Southern crested Caracara (Caracara plancus)

Rallenkranich (Aramus guarauna)

Buff necked Ibis – Theristicus caudatus

Ringed Kingfisher – Megaceryle torquata

Amazon Kingfisher – Chloroceryle amazona  

Ganz besonders möchten wir uns bei Sabine Urban für viele der tollen Bilder bedanken. Am Rio Cristalino und hier im Pantanal haben wir dank dir unvergessliche Aufnahmen bekommen.

Nach einer Übernachtung in Alta Floresta und der Verabschiedung von Vitoria Da Riva Carvalho ging es am Morgen des 18.2.2020 los mit einer 25-stündigen Busfahrt bis Campo Grande. Dort gab es einen kurzen Halt im Hostel Santa Clara und ein Gruppenfoto mit den neuen Exkursionsshirts, bevor wir auf einen Kleinbus und einen Pick-up verteilt ins Pantanal gebracht wurden, eines der größten Feuchtgebiete der Erde. Schon auf dem Weg zur Fazenda wurde deutlich, dass diese Saison sehr trocken ausgefallen ist; die Wasserflächen sind auf kleine Tümpel zusammengeschrumpft, in denen die vielen jungen Kaimane (Caiman yacare) eng zusammenrücken müssen.

Beginn Pantanal Grupo Rainer 2020 macht sich von Campo Grande aus auf.

Willkommen im Pantanal! Kaimane (Caiman yacare)

Die nächste Generation wächst schon heran.

Nichtsdestotrotz gab uns der Blick auf den Straßenrand bereits einen Vorgeschmack auf den Artenreichtum des Panatanals. Außer Kaimanen (Caiman yacare) ließen sich aus den Fenstern unter anderem auch Capybaras (Hydrochoerus hydrochaeris), grüne Leguane (Iguana iguana), Riesentukans (Ramphastos toco), Jabirus (Jabiru mycteria) Brüllaffen (Alouatta caraya) und eine Kaimanechse (Dracaena paraguayensis) beobachten. Außerdem sind Moskitos recht häufig, wie wir feststellen konnten, als der Kleinbus mit dem größeren Teil der Gruppe wegen eines Problems mit der Autobatterie liegen blieb. Nach einer langen, unfreiwilligen Pause konnte das Problem mit einem Buttermesser behoben werden, das irgendwo im Motorraum platziert wurde, bevor die Situation unerträglich wurde.

Grüner Leguan (Iguana iguana)

Riesentukan (Ramphastos toco)

Jabiru (Jabiru mycteria)

Brüllaffe (Alouatta caraya)

Ziel der Fahrt war die Fazenda Santa Clara, von der aus Trips in die tieferen Teile des Pantanals organisiert werden. Neben der Natur und dem Ambiente der Fazenda war die größte Attraktion ein Babytapir (Tapirus terrestris), der wohl durch die Feuer verwaist wurde und nun regelmäßig auf dem Gelände der Fazenda vorbeischaut. Flachlandtapire werden mit etwa zweieinhalb Jahren geschlechtsreif und bringen dann nach 335 – 439 Tagen meist ein Junges auf die Welt. Die jungen Tapirkälber wiegen zwischen 4 und 7 kg und haben zur besseren Tarnung helle Flecken oder Streifen auf dem Körper. Das Tarnkleid geht nach etwa fünf bis acht Monaten verloren. Das Junge bleibt bei der Mutter bis es mit 18 Monaten ausgewachsen und selbst geschlechtsreif ist.

4 Monate altes Tapirbaby (Tapirus terrestris)

Für weniger Begeisterung sorgte ein hochgiftiger Skorpion (Tityus serrulatus), der in einem der Zimmer gesichtet wurde und von den zu Hilfe eilenden Experten zunächst nicht aufgespürt werden konnte. Letztendlich hatte er sich unter dem Betttuch verkrochen, wo er gefunden wurde, bevor er jemanden stechen konnte.

Skorpion (Tityus serrulatus) unter der UV-Lampe

Am nächsten Morgen konnte noch eine Gruppe Halsbandpekaris (Pecari tajacu) im Sandbad auf dem Volleyballfeld sowie Hyazintharas (Anodorhynchus hyacinthinus) in der Nähe der Futterstelle beobachtet werden, bevor die Gruppe samt Gepäck auf dem unter Tübinger Exkursionsteilnehmenden bekannten Brutão zur Campstelle im Pantanal gebracht werden sollte. Die Trockenheit hatte zur Folge, dass der große Truck nicht regelmäßig im Schlamm, sondern dieses Mal im Sand steckenblieb und mit Muskelkraft wieder befreit werden musste. Das Mittagessen fand neben einem Nest stachelloser Bienen statt, was Rainer Gelegenheit gab, über seine Diplom- und Doktorarbeit an diesen Tieren zu erzählen.

Pecari tajacu – Halsbandpecari 

Hyazintharas (Anodorhynchus hyacinthinus)

Einige Kilometer weiter blieb auch der Brutão liegen, der Grund war diesmal ein kaputtes Getriebe. Der Vorschlag, einfach an dieser Stelle zu campen, fand keinen Anklang, da Wasser in der Nähe fehlte, und so sollte der begleitende Pickup mit den Guides und dem übrigen Personal von der Fazenda vorausfahren, um am geplanten Camp die erste Fuhre auszuladen und dann die Exkursionsteilnehmenden in mehreren Fahrten dorthin zu bringen. Langeweile kam in der Wartezeit nicht auf, dank des Skeletts eines Crab-eating fox (Cerdocyon thous) und einem studentischen Vortrag über Soja.

Dr. Dagmar Lange hält einen Vortrag über die Botanik des Pantanals

Nachdem unser Transportfahrzeug, Brutão, mit Getriebeschaden liegen blieb, nutzen wir die Zeit zu einem Vortrag über Soja in Brasilien.

Die ersten Studenten kamen am Camp in einem kleinen Waldstück an und begannen mit der Vorbereitung. Die Streu wurde zusammengekehrt, um die vielen natürlichen Bewohner des Pantanals daran zu hintern in unsere Zelte zu krabbeln. Dabei haben wir einige Skorpione gefunden da diesmal zwei der Teilnehmer UV-Lampen dabei hatten. Bei diesem Licht fluoresziert die Cuticula der Skorpione in schillernden Farben. In der Nähe unseres Gepäcks hatten sich auch ein paar Bienen (Apis mellifera) eingenistet, doch mit etwas Ruhe und keinem direkten Licht verhielten sie sich friedlich.

Nach dem sehnlich erwarteten Abendessen zeigte ein kräftiger und langanhaltender Regenschauer, dass zwar keines der Zelte vollständig wasserdicht war, aber wir die wichtigsten Dinge ins Trockene bringen konnten. In Teamarbeit wurden um die Zelte herum kleine Gräben ausgehoben, damit das Wasser besser abfließen konnte. Wir sind in dieser Nacht alle zusammengewachsen.

Name folgt noch

Pilherodius pileatus

Tangara chilensis

Pteroglossus beauharnaesii

Ramphastos tucanus

chestnut woodpecker (Celeus elegans)

Nyctidromus albicollis

Tigrisoma lineatum

Hydrochoerus hydrochaeris

Ateles marginatus

Cotinga cayana

Sapajus apella

Tapirus terrestris

Hylopezus whittakeri – dieser Vogel ist endemisch für Alta Floresta und wurde erst 2012 entdeckt

Aloutta discolor

Aus Protest gegen das helle Licht wendet uns der Nachtaffe (Aotus infulatus) seinen Rücken zu

Langschwanzotter (Lontra longicaudis) bei der Fischmahlzeit

Pteronura brasiliensis

Abendstimmung auf dem Rio Teles Pires

Dr. Dagmar Lange, früher Uni Tübingen jetzt Uni Landau, bereitet einen Pflanzenführer für das Areal der Rio Cristalino Lodge vor.

Die Exkursionsgruppe am 50 m hohen Paranussbaum

Blick vom 50 m hohen Beobachtungsturm am Morgen

Seit vielen Jahren begleitet uns Francisco als Guide.

Die 22-köpfige Exkursionsgruppe beim Freisetzen einer Lanzenotter (Bothrops moojeni)

Lanzenotter (Bothrops moojeni)

Zu den täglichen Exkursionen gehören Bootstouren auf dem Rio Cristalino.

Crax fasciolata Weibchen

Crax fasciolata Männchen

Razor billed Curassow (Mitu tuberosum)

Red-bellied Macaw (Orthopsittaca manilatus) nehmen Nahrung an einer Palme auf

Moschusente (Cairina moschata)

Blau-Gelb-Aras (Ara ararauna)

Rot-Grün-Aras (Ara chloropterus)

Scarlet Macaw (Ara macao)

Am Floresta Amazonica Hotel in Alta Floresta wurde erneut Mico emiliae gesichtet.

Weißnasen Saki (Chiropotes albinasus)

Unser erster Halt war der Rio Cristalino, den wir nach einer weiteren Busfahrt erreichten und mit dem Boot passierten. Dort waren wir in der Rio Cristalino Lodge untergebracht. Nach einer freundlichen Begrüßung und dem Bezug unserer Bungalows machten sich manche von uns auch schon auf zu ihrer ersten Tour durch den Regenwald. Dort wurden wir sogleich auch von der Tierwelt willkommen geheißen, nachdem wir dem Nest einiger Wespen etwas zu nahegekommen waren. Ein paar von unserer Gruppe wurden gestochen, aber alles in allem kamen wir unversehrt bei dieser Begegnung davon. Welche Wespen uns dort verfolgten, konnten wir in der Eile leider nicht genau erkennen. In den folgenden Tagen teilten wir uns ins kleinere Gruppen auf, weil mit der gesamten Truppe durch den Wald zu marschieren unsere Chancen darauf, interessante Tiere zu sehen, deutlich vermindert hätte. Zu unseren Aktivitäten dort gehörten Bootsfahrten flussauf- und abwärts bis dorthin, wo der Rio Cristalino in der Rio Teles Pires mündet. Außerdem beobachteten wir Tiere von den beiden im Schutzgebiet speziell für diesen Zweck errichteten 50 m hohen Türmen aus und wanderten die Trails entlang, wie zum Beispiel den Serra- und den Paranuss-Trail.

Eines unserer Highlights war wohl der Fund einer Waldschildkröte (Chelonoidis denticulatus) auf dem Weg zum neueren der Türme, die vor allem unseren Guide Lucas Assis sehr begeisterte. Diese Art ist die größte Landschildkröte in Brasilien und zudem eine der Vertebraten mit der längsten Lebensspanne, da sie bis zu 100 Jahre alt werden kann. Sie ist wichtig für die Verteilung von Samen, da sie die Früchte und Samen im Ganzen schlucken, gehören jedoch zu einer der am stärksten bedrohten Gruppen der Wirbeltiere, weil ihr Lebensraum durch Waldbrände und andere anthropogene Einflüsse bedroht ist.

Lucas Assis mit der Waldschildkröte (Chelonoidis denticulatus)

Unser Aufenthalt ließ das Herz eines jeden Reptilienliebhabers höher schlagen, weil wir außerdem drei seltene Eidechsenarten sowie weitere Schildkröten- und Schlangenarten sehen konnten.

Loxopholis osvaldoi

Cercosaura ocellata

Corallus hortulana

Leptodactylus knudseni

Allobates sp.

Pseudoboa coronata

Erythrolampus typhlus

Chironius exoletus

Tropidurus sp.

Podocnemis unifilis

Phrynops geoffranus

Gonatodes humeralis

Besonders bedanken möchten wir uns bei Marco Antonio de Freitas für seine Hilfe beim Bestimmen all dieser Reptilien und Amphibien!

An unserem zweitletzten Tag am Rio Cristalino konnten wir bei einer Bootstour einen Prachthaubenadler (Spizaetus ornatus) ausmachen, was etwas sehr Besonderes ist, da dieser hier noch nicht oft beobachtet werden konnte. Seine Maße umfassen 58 bis 67 cm, die Männchen wiegen 1 kg, wobei die Weibchen etwa 1,5 kg auf die Waage bringen. Diese Vögel gehören zu einer bedrohten Art und kommen heute nur noch in geschützten Wäldern mit wenig menschlichem Einfluss vor. Dabei findet man sie in der Nähe von Flüssen und an Waldrändern.

Prachhaubenadler legen etwa alle zwei Jahre nur ein Ei. Das Weibchen bebrütet das Ei und wird vom Männchen während der Brut mit Futter versorgt. Nach 48 – 51 Tagen schlüpft ein Küken aus dem Ei, welches nach etwa 80 Tagen zwar das Nest verlässt, aber noch bis zu 15 Monate auf die Eltern angewiesen ist. Diesen Vogel kann man von Mexiko bis Argentinien finden. Es war für uns ein großes Glück diesen Vogel beobachten zu können.

Prachthaubenadler (Spizaetus ornatus)

Die Besitzerin der Lodge, in der wir untergebracht waren, Vitória Da Riva Carvalho, hielt für uns einen Vortrag über die Geschichte des Naturschutzgebietes und das Engagement ihres Teams. Für uns war das sehr spannend, da wir in den letzten Tagen selbst die Schönheit dieses Naturschutzgebietes erfahren durften. Vitoria nahm sich auch nach ihrem Vortrag noch Zeit, um unsere Fragen zu beantworten und mit uns über verschiedenen Themen zu diskutieren.

Das Abendprogramm besteht aus studentischen Vorträgen oder – wie hier – die Präsentation von Vitória Da Riva Carvalho, Eigentümerin des Schutzgebiets.

Ariosto Da Riva der Gründer der Stadt Alta Floresta und Vater von Vitória

Nach fünf sehr schönen und lehrreichen Tagen war es dann auch leider schon soweit und wir mussten uns von den Leuten dort und dem Rio Cristalino verabschieden und zu unserer nächsten Station – dem Pantanal – aufbrechen.

Obligatorisches Gruppenfote beim Abschied von Rio Cristalino

Vitoria Da Riva, Besitzerin des Rio Cristalino Schutzgebiets, und Rainer Radtke, der seit 2006 mit den Tübinger Exkursionen das Schutzgebiet aufsucht.

Abreise aus Alta Floresta nach Campo Grande. 25 angenehme Stunden im Reisebus.

Zum dritten Mal hatten wir die Möglichkeit etwas ganz Besonderes zu erleben. Lucas Assis hat uns in Alta Floresta einer ganz besonderen Frau vorgestellt. Ihr Name ist Apolônia Grade, sie ist Biologin und verkauft über ihren Online-Shop selbst gezogene Adenium-Pflanzen. Außerdem hat sie einen sehr beliebten YouTube-Kanal, auf dem sie Tipps zum Gärtnern gibt und ihr Pflanzen und Tiere zeigt.

In Brasilien ist es nicht erlaubt einheimische wilde Tiere als Haustiere zu halten. Doch das hält einige Menschen nicht davon ab. Wenn so ein Fall bekannt wird, werden Tiere von der Polizei aus dem Haushalt entfernt. Dann müssen die Tiere untergebracht und versorgt werden. Auch die Feuerwehr findet immer wieder Tiere in Not und steht dann vor dem gleichen Problem, da beide Behörden nicht auf den Umgang mit diesen Tieren spezialisiert sind.

Genau hier kommt Apolônia Grade ins Spiel. Viele Tiere werden zu ihr gebracht und sie kümmert sich mit sehr viel Hingabe um ihre Schützlinge. Die Tiere werden aufgepäppelt und sobald sie können wieder in die Freiheit entlassen. Doch manchmal ist das leider nicht mehr möglich. Entweder sind die Tiere schon zu lange bei den Menschen und würden auf sich allein gestellt nicht mehr in der Wildnis überleben. Oder sie wurden von den Haltern misshandelt oder anderweitig verletzt. Dann behält sie die Tiere bei sich, solange sie leben und kümmert sich liebevoll um ihre Bedürfnisse.

Apolônia Grade kümmert sich um diese Tiere ohne jegliche finanzielle Unterstützung von Seiten der Regierung. Sie finanziert alles über den Verkauf ihrer selbst gezüchteten Pflanzen.

Als wir sie in Alta Floresta bei ihr zu Hause besuchten, durften wir uns von der Vielfalt ihrer Mitbewohner überzeugen. Bei ihr leben viele Katzen, ein Hund, zwei Rot-grüne Aras (Ara chloropterus), drei Blau-gelbe Aras (Ara ararauna) sowie ein Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus). Wir konnten diese wunderschönen Vögel von ganz nahem bestaunen und einige von ihnen saßen sogar auf unseren Armen und Schultern.

Es war eine einmalige Gelegenheit etwas über diese Vögel und Apolônias Arbeit zu lernen. Wie sie sich für die Tiere einsetzt und alles in ihrer Macht stehende tut, um sie zu schützen. Apolônia Grade ist eine Inspiration und es war uns eine große Ehre sie kennenzulernen.

Wir danken dir Apolônia und hoffen, dass wir dich und deine Schützlinge wiedersehen.

Hyazinthara (Anodorhynchus hyacinthinus)

Rot-grün Ara (Ara chloropterus)

Apolônia Grade mit ihrem Hyazinthara

Die 27. Brasilienexkursion hat am Rio Cristalino nicht nur wundervolle Eindrücke gesammelt, sondern sich auch auf eine ganz besondere Art verewigt. Lucas Assis hat von sich zu Hause einen kleinen Setzling einer amazonischen Palme (Aiphanes horrida) mitgebracht. Liebevoll hat er ihn mit dem Flugzeug von Belo Horizonte zum Rio Cristalino begleitet.

In Absprache mit Vitória Da Riva Carvalho wollten wir als Gruppe diese Palme am 16.02.2020 pflanzen. Sie zeichnet sich durch runde knallrote Früchte aus und diese soll im Laufe der Zeit viele Vögel anlocken. Die Früchte sind bei Tangaren und anderen bunten Vögeln sehr beliebt. Die Palme wird bis zu 10 m hoch, hat einen mit Stacheln bewachsenen Stamm und wird sich super in die Anlage einfügen.

Nach dem Mittagessen haben wir in der Nähe des Speisesaals mit Hilfe der Angestellten ein Loch ausgehoben und in großer Runde mit Vitória den Setzling gepflanzt.

Wir wünschen dem Setzling viel Kraft beim Wachsen und hoffen, hier im Blog die Fortschritte der Palme verfolgen zu können, vielleicht irgendwann zurückzukommen und die Palme von 2020 mit eigenen Augen zu bestaunen.

Der Setzling am Flughafen. Die Reise beginnt.

Um die neue Palme vor hungrigen Tieren zu schützen wurde sogar ein kleiner Zaun errichtet.

Alle waren beim Einpflanzen dabei

Am 11. Februar 2020 war es endlich soweit und wir – die diesjährigen Teilnehmer der Brasilienexkursion – sind vom Stuttgarter Flughafen zu unserem Abenteuer aufgebrochen. Zuerst war es nicht sicher, ob das Sturmtief Sabine uns einen Strich durch die Rechnung machen würde. Drei der Teilnehmer waren bereits einen Tag früher aufgebrochen und mussten sich kurzerhand eine Mitfahrgelegenheit nach Frankfurt organisieren, weil ihr Flug gestrichen worden war. Mit ein wenig Verspätung ging es dann endlich los und wir konnten pünktlich unseren Flug nach São Paulo antreten. In São Paulo angekommen, mussten wir unser Gepäck erst einmal abholen und bei der Fluggesellschaft Azul aufgeben. Anschließend passierten wir die Einreisekontrolle. Mit dem dritten Flieger ging es dann nach Cuiabá, wo wir bereits von unserem Fahrer, der uns nach Alta Floresta bringen sollte, erwartet wurden. Zwölf weitere Stunden später erreichten wir endlich unser Ziel – das Hotel Amazonica in Alta Floresta. Nach über 40 Stunden Anreise gab es für uns dann nicht mehr viel zu tun, als in unsere Betten zu fallen und uns erst einmal zu erholen. Unsere Reise hatte aber gerade erst angefangen.

Sonnenaufgang über Brasilien

São Paulo im morgendlichen Nebel

Exkursionsbeginn

Jetzt sind alle da. 22 am Rio Cristalino.

Auf dem Weg zum Cristalino begegnet man häufig Lastern, die neben Soja auch Tropenholz transportieren.

Azul bringt den einen oder anderen Exkursionsteilnehmer.

Erster Hinweis auf den Cristalino.

Ankunft im Primärregenwald.

Alfredo begleitet die Exkursion seit 2006.

Gleich bei der Ankunft liegt diese Lanzenotter nahe Rainers Unterkunft, Bothrops moojeni.

Zu Besuch bei Alfredo mit Jorge.