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Archive for Februar 2013

Heute nachmittag fahren wir von der Cristalino Jungle Lodge nach Alta Floresta, und nach einer Nacht in einem sog. Hotelbett erwarten uns weitere schlappe 24 Stunden in einem Reisebus, der uns nach Campo Grande bringen soll. Dort werden wir von unseren Pantanal-Guides abgeholt und mit kleineren Fahrzeugen zur Fazenda Santa Clara im Südpantanal gebracht.
Wahrscheinlich ist dann mangels Internet ein paar Tage Blog-Pause, ein paar Nachträge zum Aufenthalt am Rio Cristalino sind auch noch in Vorbereitung. Wir tun unser bestes!

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Die Exkursionsgruppe und die Crew der Lodge. Es fehlen Alfredo und Jorge, die sich gerade mit den havarierten Fahrzeugen beschäftigen

Ortszeit 14:11 Uhr: Das war zumindest der Plan. Der Geländebus, der uns für die Fahrt nach Alta Floresta aufsammeln soll, steckt schon bei der Anfahrt irgendwo im Schlamm fest, inzwischen auch der begleitende Pickup, der schon bei der Hinfahrt die Bergung des Busses unterstützte. Gerade sind ein paar breitschultrige Herren als Vorhut per Boot von der Cristalino Jungle Lodge zum Ort des Ereignisses aufgebrochen, um zunächst den Pickup auszugraben.

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16:00 und später: Der Pickup wurde mühevoll per Hand befreit, der Bus mit einem letztlich doch, aber dann eilends herbei georderten Traktor aus seinem unfreiwilligen Parkplatz gezogen. Gegen 17 Uhr saßen wir alle in dem Bus und fuhren – kaum zu glauben – ohne weitere Zwischenfälle über die beiden Havariestellen hinweg gen Alta Floresta. Das Timing hätte nicht besser sein können: Nach dem Eintreffen um 19:05 Uhr kam auch das Gepäckfahrzeug an und das Gepäck konnte noch eilends trocken abgeladen werden, bevor gegen 19:15 ein tropischer Wolkenbruch über die inzwischen nachtdunkle Szenerie hereinbrach. Alles wird gut.

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Während Dr. Alexandra Kehl die meist schmerzarme Botanik hier am Beispiel einer Kakaofrucht erklärt, kann es sich Dr. Rainer Radtke nicht verkneifen, einen großen Bockkäfer (rechtes Bild) in seinen Zeigefinger beißen zu lassen. Die Wirkung von letzterem kann man seinem nicht wie sonst meist entspanntem Gesichtsausdruck entnehmen.

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Abends im mit dem Generator erzeugten Licht findet die erste Einführung in die Geographie des Exkursionsgebiets statt:

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Paranussbäume (Bertholletia excelsa)  gehören zur Familie der Topffruchtbaumgewächse (Lecythidaceae) bzw. nach der Florenliste Brasilien zu den Laxmanniaceae und sind mit ihrer Höhe von bis über 50 Metern und einem Alter von bis zu 500 Jahren sicherlich mit die beeindruckendsten und auffälligsten Pflanzen am Rio Cristalino. Ihre Verbreitung erstreckt sich von Mexiko bis in den Süden Brasiliens. Die sehr harte, kugelige Frucht des Baumes enthält etwa 10 bis 16 Samen, die bei uns gemeinhin als Paranüsse bezeichnet werden. Da sich die Früchte nicht von selbst öffnen, sind die Bäume für ihre Verbreitung auf die Hilfe anderer Waldbewohner angewiesen. Es handelt sich hierbei um die mit den Meerschweinchen verwandten Agutis (Dasyprocta spec.), die als einzige in der Lage sind, die massive Schale aufzubeißen. Möglicherweise sind aber auch Aras dazu in der Lage.
Bis heute werden die Früchte ausschließlich in Primärwäldern gesammelt, da eine Pflanzung auch aufgrund der komplizierten Bestäubungsmechanismen nicht möglich ist.

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Das hier zu sehende Exemplar kann von 7 ExkursionsteilnehmerInnen mit ausgestreckten Armen gerade umfasst werden, was in etwa 10 Metern entspricht.
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Dass Pflanzen über sehr unterschiedliche Verteidigungsmechanismen verfügen ist allgemein bekannt.

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Die Gattung der Ameisenbäume (Cecropia spec.) aus der Familie der Urticaceae haben hierbei allerdings eine sehr außergewöhnliche Strategie entwickelt. Sie leben in Symbiose mit Ameisen der Gattung Azteca. Die Ameisen leben in hohlen Zweigen und Stämmen der Pflanze und werden von dieser ernährt.  An der Blattbasis bildet die Pflanze hierfür sogenannte „Müllersche Körperchen“ aus, die sehr nährstoffreich sind. Im Gegenzug verteidigen die Ameisen die Pflanze gegen Fraßfeinde und andere Schädlinge sowie auch gegen allzu neugierigen ExkursionsteilnehmerInnen.

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Auch die Gattung Tococa (Melastomataceae) zeigt mindestens ein interessantes Beispiel für eine Symbiose mit Ameisen. In von der Pflanze angelegten hohlen Strukturen, den sog. Blattbasisdomatien, mit Öffnungen zwischen den Blattadern an der Unterseite siedeln millimetergroße Ameisen, die die Pflanze offenbar ebenfalls gegen Herbivoren verteidigen, zumindest sind kaum Fraßspuren an den Blättern zu erkennen.

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An Bäumen der Gattung Inga (Fabaceae) befinden sich an der Rhachis der Blätter an den Wurzeln der Fiederblätter extraflorale Nektarien, die von Ameisen zur Nektaraufnahme aufgesucht werden. Die weiße Pulpa der Samen in den Hülsenfrüchten schmeckt süßlich.

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Bäume der Gattung Triplaris (Polygonaceae) werden von heftig stechenden Ameisen gegen alle sich der Pflanze nähernden und diese erschütternden Tiere (und damit auch Menschen) verteidigt. Sie leben in Höhlungen des Stammes und der Äste.

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Jan, zum Zweiten. Nachdem mein Notebooks nun wieder repariert ist, kann ich euch endlich wieder Bericht erstatten. Mittlerweile ist die Filmcrew abgereist und macht nun ein paar Überflugaufnahmen in der Nähe von Manaus. Ich gehe davon aus, dass aus dem Film was wird. Denn der Filmdirektor hat 11 Jahre lang die Jacques Cousteau-Reihe gemacht. Mit etwas Glück hat es sogar einer „meiner“ Leuchtkäfer in den Film geschafft.
Von der Lampyriden-Jagd kann ich berichten, dass die Sammlung langsam wächst und fehlende Paare gefunden wurden. Die Sammlung bleibt dann hier an der Cristalin-Stiftung FEC.  Nicht jede nächtliche Sammelaktion ist von Erfolg gekrönt. Oftmals gehen stets die selben Arten ins Netz oder ich gehe komplett leer aus. An solchen Nächten glaubt man, die Leuchtkäfer spielen mit einem und amüsieren sich über die ständigen Richtungsänderungen des „Jägers“, der da im Dunklen herumirrt. Man fühlt sich jedoch ziemlich stolz, wenn dann doch endlich eine neue Art ins Netz geht. Hier kann ich sagen, dass das Auffinden und Sammeln weiblicher Leuchtkäfer seine ganz eigenen Herausforderungen birgt. Nicht nur, dass sie extrem scheu sind und einen im Dunkeln zu sehen scheinen, ist es bei ihnen auch wichtig, im richtig Zeitpunkt zu erscheinen. So fand ich die Weibchen zweier Arten an Orten, wo ich bisher nur Männchen gefunden hatte. Das mag dem einen oder anderen logisch erscheint: „ Wo männliche Individuen sich aufhalten, da sollte das Weibchen nicht weit sein.“  Doch weit gefehlt. Die Männchen einer Art (ich nenne sie mal Art 1, da ich sie erst noch bestimmen muss) leuchten von 20 Uhr bis 21:30 Uhr, die Weibchen hingegen erscheinen erst gegen 1 Uhr bis 2 Uhr in der Früh. Eine möglich Erklärung wäre natürlich, dass während der „rush hour“ gegen 20:30 Uhr das im zahlreichen Aufblinken der Männchen das Leuchten der Weibchen vom Beobachter, also mir, nicht erkannt wird.
Neben dem Sammeln versuche ich immer Fotos von den Lampyriden zu machen. Letztendlich soll für die FEC ja eine Präsentation entstehen. Dabei kommt es zu interessanten Aufnahmen, z. B. von einer Schnecke, die versucht, vor einer Lampyriden-Larve zu fliehen oder von Schnellkäfer-Larven der Art Pyrearinus termitilluminans COSTA 1982 (Elateridae), die sich in Termitenhügeln vergraben und von dort aus Termiten und Ameisen erbeuten. Diese Schnellkäferlarven ragen dabei aus ihrem Höhlennetzwerk, das sich nur in der äußeren Schicht des Hügels erstreckt, heraus und locken durch langanhaltendes Leuchten ihres Prothoraxes ihre Beutetiere an. Das Interessante ist, daß sie damit die gesamte Umgebung beeinflussen und so ein eigenes Mikro-Ökosystem aufbauen. Durch die Reste der erlegten Ameisen und Termiten werden wiederum andere Kommensalen angelockt (unter anderem auch Skorpione, Spinnen, Diplopoden, Chilopoden sowie Frösche), die davon profitieren. Das hat wiederum zur Folge, dass deren Prädatoren, wie z. B. Vögel ebenfalls angezogen werden und mitgeschleppte Pflanzensamen in der Umgebung verbreiten.
Zum Bild mit der schneckenjagenden Lampyriden-Larve. Schnecken gehören offensichtlich zum Beutespektrum von Leuchtkäfer-Larven. Ebenso gehören Regenwürmer und frisch-totes Getier dazu, aber bei einigen Lampyriden-Arten auch weiche Früchte. Da das Erbeuten von Fallobst und leblosen Tieren nicht wirklich trickreich erscheint, ist im Gegenzug das „Niederreißen“ von noch lebenden Schnecken um so spannender!
Die Jagd beginnt wie in jedem guten Thriller mit dem Aufspüren des Opfers über dessen Fährte. Bei Schnecken ist das deren Schleimspur, die für Lampyriden-Larven über ihre Maxillarpapillen bis zu eineinhalb Tage aufspürbar ist. Die Aufholjagd selber ist, da es sich bei dem Opfer nun mal um eine Schnecke handelt, nicht wirklich von langer Dauer.  Die Maxillarpapillen sind dabei so sensitiv, dass die Larven in der Lage sind, an der Zusammen-setzung des Schleims zu erkennen, wo sich Vorderteil und Hinterteil der Schnecke befinden.  Die Larve besteigt dann die Schnecke über ihr Haus bis sie direkt über der Häuschenöffnung ist. Dort verharrt die Larve darauf wartend, daß die Schnecke herauskommt, um sich weiter fortzubewegen. Die Spannung ist auf dem Höhepunkt, denn darauf hat die Larve gewartet – sie schlägt ihre Mandibeln in die Schnecke. Diese sind zum Leidwesen der Schnecke mit einem Kanal durchsetzt, der direkt mit dem Mitteldarm der Larve verbunden ist. Damit ist die Larve in der Lage bei einem Biss Mitteldarmsekret in ihre Beute zu injizieren.
Das Zubeißens selber erfordert von der Larve eine gewisse Präzision, da das injizierbare Sekret nur begrenzt vorrätig ist. Der richtige Ort des Bisses liegt im Nackenbereich der Schnecke. Dort kann das Sekret die höchste Effizienz erreichen. Die zwei Ganglien der Schnecke zersetzen sich zu sprichwörtlichem Brei. Das erste Ganglion ist das Cerebralganglion, das Gehirn der Schnecke. Das zweite Ganglion ist das Pedalganglion, welches für die Kontrolle des Fußes der Schnecke verantwortlich ist. Während der Verwandlung der Ganglien von erkennbarer Zellstruktur zu undefinierbarer Masse versucht die Schnecke vor der Bedrohung, so schnell wie es ihr möglich ist, zu fliehen. Dabei gerät das Schneckenhaus in starke Seitenlage, die normale Verfolger auf dem Dach abschütteln würde. Die Lampyriden-Larven sind jedoch für solche Fälle besten vorbreitet bzw. ausgestattet. Neben Einzelkrallen an den Beinen besitzen sie zusätzlich ein recht effektives Organ am Abdomen (genauer am 10. Abdominalsegment), das sogenannte Pygopodium. Ein recht faszinierendes Anhängsel des Körpers, das den Larven dabei hilft, sich an dem Haus der Schnecke fest anzuhaften (für mehr Information dazu verweise ich gern auf meine Bachelorarbeit – sonst artet das hier noch aus). Mit Hilfe solcher „Tricks“ fällt es den Schnecken relativ schwer, den fest geklebten Prädator auf dem „Rücken/Haus“ los zu werden. Erkennt dies nun auch die Schnecke, beginnt sie die letzte Möglichkeit ihrer Defensivmaßnahmen einzusetzen: Schleim…und zwar jede Menge davon. Bei den meisten Bedrohungen ist diese Maßnahme sehr erfolgreich, wie zum Beispiel gegen attackierende Ameisen, jedoch völlig nutzlos gegen Lampyriden-Larven. Mit dem zunehmenden Zerfall der Ganglien geht eine Reduzierung der Herzfrequenz einher, die letztendlich zum Herzstillstand führt. Für die Lampyriden-Larve bedeutet das aber, das nun ein reichhaltiger Tisch endlich gedeckt ist. Mahlzeit!
Damit die Geschichte komplett erzählt ist, möchte ich hier noch auf ein interessantes Verhalten nach dem Fressen verweisen. Das Vertilgen einer Schnecke hat für Insekten häufig recht unangenehme Folgen, da nicht nur der „Mundraum“ verschleimt ist, sondern der gesamte Körper. Das zuvor für bessere Haftung nützliche Pygopodium, erweist sich nun als hilfreiches Putzorgan. Dazu zieht die Larve das Pygopodium wie einen Lappen über den gesamten Körper und befreit sich damit elegant  vom störenden Schleim.

_DSC1067-1_JanWoyzichovski Lampyriden-Larve erbeutet Schnecke

_DSC1934-1_JanWoyzichovski Elateriden-Larve in Termitennest

_DSC2102-1_JanWoyzichovski Termitennest mit leuchtenden Elateriden-Larven

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Mimikry

Alfredo zeigte uns einen Baum mit dunkelgrüner, glatter, sich deutlich kühl anfühlenden Borke, der z.B. unter dem Namen Pau mulato (Calcophyllum spruceanum, Rubiaceae) bekannt ist. Mit seinen guten Deutschkenntnissen nennt er den Baum „Mädchenbeinbaum“, ein Begriff, der auch in einem taz-Interview von Gerhard Dilger aus dem Jahr 2007 mit ihm auftaucht.

Wir haben diverse andere Baumarten inzwischen zum Ausgleich „Bubenbeinbaum“ getauft, z.B. Mamica di porca (Zanthoxylum spec., Rutaceae).

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Hilfreich bei der Ansprache der Pflanzen ist übrigens die aktuelle Florenliste Brasiliens auf der Grundlage der APG III.

Wenn man schon keine richtige Schleierdame (Dictyophora indusiata) findet, muss man sich eben selbst eine basteln:

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Treiberameisen machen sich über einen Skorpion (Tityrus obscurus) her.

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Andere (teilweise temporäre) RegenwaldbewohnerInnen bevorzugen hingegen andere Nahrungsquellen:

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Brüllaffe (Alouatta belzebul), gerne auch mal kopfüber hängend Blätter fressend.

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Kapuzineraffe (Cebus apella) mit Fabaceae-Frucht, mehrere Individuen Homo sapiens im Speisesaal der Cristalino Jungle Lodge (v.l.n.r.)

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